Nach dem letzten Abschuß liefen hier nur noch völlig verstörte Twitkritter in der Gegend rum. Jeder konnte der nächste sein. Aber kaum hat sich die allgemeine Aufregung wieder etwas gelegt, schlägt er schon wieder zu. Das Phantom, der unsichtbare, pfeilschnelle Spezialagent @holadiho. Diesmal sein Opfer: @marthadear! (Die Illustration natürlich wie immer von der wundervollen @frauenfuss)
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Spezialagent @holadiho hat diesmal sein Zielfernrohr auf den großen Grau gerichtet. Er spannt den Abzug, rückt die Kimme ins Korn, ein kurzer Blick auf das Rauschen der Bäume – der Wind ist kaum spürbar – Konzentration!, ein letztes mal einatmen … [Danke auch an @frauenfuss für die wunderbare Zeichnung.]
Heute ist unser Autor @baranek an der Reihe, von unserem Spezial -agenten @Holadiho gesniped zu werden. Auch uns taten sich unbekannte Abgründe auf. Wir verbleiben schockiert.
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Es gab einmal eine Zeit, da war zwar auch alles recht kompliziert, aber wenigstens klar geregelt. Der Herr bestimmt und der Knecht macht. Zum Beispiel. Dann kam Hegel und wies gründlich nach, dass alles doch viel verschwurbelter ist, als die Einfaltspinsel vor ihm glauben machten.
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Das wirklich wahre Leben findet nicht im Internet, sondern auf der Straße statt. Dies war bereits lange vor der Erfindung des weltweiten Netzes der Fall. Im Jahre 1947 schlossen sich die berühmten Photographen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David “Chim” Seymour und George Rodger bei einer großen Flasche Champagner zur Agentur Magnum Photo zusammen. Die Kooperative humanistisch gesinnter Photographen zeigte in ihren Bildern die Welt, so wie sie war – und das bereits sechzig Jahre vor der Erfindung von Twitter. Sie konnten “Bilder über alles und jeden machen, und die Magazine rissen sich darum”.
Heute haben 140-Zeichen-lange Textnachrichten die grobgekörnten Schwarzweißbilder längst abgelöst – einzig mit dem Unterschied, dass statt Champagner nun Bier aus der Flasche gereicht wird, und die legendären Leicas durch iPhones ersetzt wurden. In Zeiten der Medienkrise reißt sich auch kein Magazin um Tweets, aber Ruhm und Ehre – welche kostenlos und nahezu unbegrenzt verfügbar sind – gibt es für gezwitscherte Reportagen von der Straße natürlich auch.
So ließ uns gestern @holadiho an seiner ereignisreichen U-Bahn-Fahrt teilhaben. Trotz aller gebotenen Neutralität, ist es schön, wenn sich Journalisten einer Sache nicht nur mit professionellem Interesse, sondern mit begeisterter Neugier annehmen:
Wie es sich für einen richtigen Twitter-Reporter gehört, wird das nähere Umfeld genau beobachtet. Selbstverständlich spielt dabei auch der wertende Kommentar eine Rolle. Dass Worte eine Waffe sind, wusste nicht nur Kollege Kurt Tucholsky:
@holadiho ist sich natürlich der Bedeutung seines Weges gewiss. Zielstrebigkeit zeichnet den Reporter aus:
Totes Holz ist zwar längst überholt, aber man muss mit den Kollegen aus den alten Medien schonend umgehen. Sie haben es heutzutage schwer genug, außerdem sieht man sich immer zweimal im Leben. Dass selbst die Zeitung von heute die Neuigkeiten von gestern bringt, braucht da gar nicht gesondert betont zu werden:
Aber als engagierter Reporter muss man auch Opfer bringen. So sind Rückschläge bei der Recherche unausweichlich:
Einen Fehler zu machen, ist nicht so schlimm. Wichtig ist, dass er rechtzeitig erkannt und behoben wird:
Eindrucksvolle Bilder vom Ort des Geschehens ergänzen das geschriebene Wort perfekt:
[Link zum Original-twitpic], das Bild wurde von der Redaktion leicht nachbearbeitet und dem Magnum-Stil nachempfunden.
@holadiho lässt sich von kleineren Widrigkeiten nicht abschrecken und steigt tiefer in die Recherche ein. Was für Günter Wallraff die Bild, das Stahlwerk oder das Call-Center waren, sind für ihn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Keine Mühen scheut unser Mann an der Front, um die Machenschaften der gewissenlosen Fahrkartenkontrolleure schonungslos aufzudecken.
Wer sich hinter Herrn 89108 verbirgt konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Nachdem @holadiho aber in der Vergangenheit bereits die Identitäten der hinter den Decknamen IM Notar und Paolo Pinkel stehenden Personen zweifelsfrei ans Tageslicht gebracht hat, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch das Rätsel um Herrn 89108 gelöst wird.
Schonungslos enttarnt der verdeckte Reporter, wie die BVG verirrte und hilflose Menschen nicht nur auf kaltblütigste Art und Weise finanziell ausnimmt, sondern sie auch noch psychisch erniedrigt:
Von derart aufopferungsvoller Racheretätigkeit erholt, wird @holadiho demnächst den Henri-Nannen-Preis, den Thedor-Wolff-Preis, den Wächterpreis der deutschen Tagespresse, den Pulitzer-Preis und den Journalistenpreis Bahnhof in Empfang nehmen dürfen. Twitkrit meint: das hat er sich verdient.
Manche Dinge müssen allein der Vollständigkeit halber hier dokumentiert werden. Wir, als Trendmesser am Puls der Twittercommunity, haben ja schließlich auch eine Historikerfunktion, um kommenden Generationen die Twittereskarpaden aus der Microblogging-Steinzeit zu überliefern.
Nun denn. Zu Barcamp-Zeiten sitzen manchmal ein paar Twitterer zu viel beieinander. Und wenn sowas passiert, dann ist der weitere Verlauf des Abends unkalkulierbar.
So geschehen am Samstag Abend in der Gaststätte W. Prassnik. Eingepfercht in 60er Jahre Möbel und DDR-Chic sponnen und spackten ca. 10 Twitterer bei Kassler und Bier. Denjenigen Einen in der Runde, den wir nicht followten (Neudeutsch für “kannten”), fragten wir natürlich sogleich nach seiner Onlineidentität, die er bis dato auffallend zurückhielt. Meine konkretere Frage nach seiner Youtube-Kommentier-Identität wurde von @343max aber erfolgreich als Web2.0-Beleidigung enttarnt. Das wiederum brachte uns auf die Idee des #Beleidigung2.0-Mems. Also gleich mal raus damit:
Und und so wurde das W. Prassnik, das schon der Geburtsort der ZIA war, auch noch zum Geburtsort einer der erfolgreicheren Twittermeme. Während wir alle dann weiter in Richtung St. Oberholz taumelten und uns dort feucht fröhlich in Freibier suhlten, verselbständigte sich das Ganze im digitalen Paralleluniversum. Von den über 300 Tweets, die sich schon wenige Stunden danach per Twittersearch finden ließen, seien hier ein paar der schönsten exemplarisch vorgestellt:

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