Twitkrit

Keine Ottermeinung

Die vierte Macht im Staate regiert. Wir leben in einer Diktatur der Medien, können nicht mehr aus dem Hause gehen, ohne dass uns ein Mikrofon vor die Nase gehalten wird: Google+, Norwegen, Amy Winehouse. Zu allem müssen wir jederzeit eine qualifizierte Meinung in Richtung Poppschutz abspulen können.

Damit muss Schluss sein. Wir können nicht mehr. Wir sind vor lauter Interviews müde geworden. Endlich fängt jemand an, sich diesem Meinungsstress zu entziehen. Eigentlich ist es ganz einfach. Man braucht nur zu sagen, dass man zu diesem oder jenem Thema gerade einmal keine Meinung hat. Schon bald wird man nie wieder etwas gefragt werden. So wie @bangpowwww:

ottermeinung
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@bangpowwww durchbricht mit größtmöglicher Radikalität den scheinbar endlosen und offensichtlich sinnlosen Kreislauf von Fragen und Antworten. Dafür zollen wir ihr Respekt und sagen artig Danke.

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Twitter ist auch Philosophie

Twitter ist zu einem guten Teil auch Philosophie. In unserem Twitterbuch hatte ich die Ehre (Pflicht… Verantwortung… you name it) das Kapitel Philosophie zu betreuen. Es gibt Menschen, die reflektieren in ihren Kurzmitteilungen (meist) kritisch ihr Handeln in unterschiedlichsten Lebensbereichen. Es geht auf Twitter in der Tat immer mal wieder philosophisch zu. Und das macht neben all den anderen Funktionen des Microbloggens einen nicht unwichtigen Teil seines Reizes aus. Sowohl für die Sender als auch für die Empfänger der philosophischen Tweets.

Was suchen wir auf Twitter? Etwa die Wahrheit? Oder doch eher die Fiktion? Ist es die Suche nach Autonomie, die uns hier umtreibt, oder gar die nach dem Sinn des Lebens? Ich mag besonders Tweets, die innehalten im Strom des alltäglichen Treibens und ganz unverhofft die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns nicht nur stellen, sondern gleichsam an den Leser den Appell richten, sich diese Frage doch einmal selbst zu stellen. So fragt zum Beispiel @_die_katrin sich und uns:

diekatrin

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Abschließend noch ein Hinweis für die Freunde der Weisheit: Die philosophischen Begriffe sind oben im Text verlinkt, weil seit heute das Online-Wörterbuch der Philosophie von @utb_stuttgart frei im Netz zugänglich gemacht wurde.

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Relikte

Von manchen Dingen denkt man stets, man sei sie endlich los, weil sie ja Relikte längst vergangener Zeiten sind. Nie wieder Gedichte unter Weihnachtsbaum aufsagen, Zahnspange tragen oder mündliche Prüfungen haben. Auch im Internet gibt es solche Dinge: Niemand trauert Windows 95 hinterher. Oder AOL-CDs. Andere Misslichkeiten halten sich indes hartnäckig. So finden wir in unserem geliebten Internet noch immer ganz viel Flash und der @popkulturjunkie manchmal sogar noch Schlimmeres:

pop_musi
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Webseiten, bei deren Aufruf ungefragt Geräusche ertönen, sind eine der verachtenswertesten Erscheinungen im WWW. Und wenn selbst ein der Popkultur äußerst zugeneigter Surfer diesen Zustand beklagt, dann sollten sich Seitenbetreiber einfach mal an Peter Lustig und der Atomkraft-Branche orientieren: Abschalten!

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Hundeinhalt

Die Rezeption eines erfolgreichen Tweets ist relativ einfach. Hierzu nimmt man 1. ein Tierbaby oder 2. man lässt es ein wenig Menscheln. Will man ganz sicher gehen, garantiert das Zusammenspiel beider Komponenten eine mindestens zweistellige Anzahl an Fav-Sternchen und Retweets.

@i_need_coffee spielt diese Karte ganz souverän:

coffee_bagger
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Die Autorin bringt diesen Tweet zur Perfektion, indem sie nicht nur die beiden zuvor genannten Erfolgsfaktoren elegant kombiniert, sondern bei dieser Gelegenheiten auch gleich noch die Männerkeule herausholt. Das sitzt.

Ganz offensichtlich bewegt sich @i_need_coffee im Genre der Twiktion – kein Mann würde den ganzen Tag lang einen kleinen scheißenden Hund als niedliches Accessoire mit sich herumtragen, nur um irgendwann zufällig einer Frau zu begegnen, die darauf anspringt. Wäre es nämlich so leicht, einer Frau den Kopf zu verdrehen, trügen schließlich alle Männer immerzu kleine Hundebabys mit sich herum.

Mit der Realität hat dieser Tweet also nichts zu tun – aber die besten Geschichten sind eh meist ausgedacht.

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Das Menschsubstitut

Irgendwie wissen wir ab einem Punkt in unserem Leben, dass wir unsere besten Tage gesehen haben. Oder zumindest bald sehen werden. Bislang hatte man immer das Gefühl die Spitze der Bewegung zu sein, den gerechten Kampf gegen die Widerstände der altgedienten Strukturen zu kämpfen, das Neue zu repräsentieren und sich dabei beweisen zu müssen.

Und auf einmal ist es andersrum. Man hatte gar nicht gemerkt, dass man angekommen war, man jetzt selbst auch irgendwie da oben sitzt, während von unten die Jüngeren anfangen gegenzudrücken, anzukämpfen, mit Ideen und Konzepten, die man nicht mehr versteht, oder zumindest nicht mag.

Dann ist es so weit. Dann beginnt der Verteidigungskampf.

Vieles deutet darauf hin, dass die Menschheit das nun als Ganzes jetzt gerade erlebt. Und zwar gegen die Maschinen, die Algorithmen, die immer mehr Bereiche unseres zutiefst menschlichen Seins, zu ersetzen drohen. Der Mensch, das Auslaufmodell?

Vielleicht. Doch während jetzt die Humanisten mobil machen, gegen den Feind aus unseren Fabriken, sollte man diese andere Gefahr auch nicht außer Acht lassen. Gut, dass @Afelia uns daran erinnert, wer der wirkliche Feind ist!

Bildschirmfoto 2011-07-20 um 18.05.14
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Berlinscheiß

Berlin ist so cool, so sexy, so aufregend etc. Schließlich gibt es dort die geilsten Clubs, den heißesten Latte macchiato und die aufregendsten Projekte etc. Zuweilen nervt es aber auch gewaltig (hier kann man es hören, dort kann man es lesen).

Auch @carhartl ist die zunehmende urbane Uniformität nicht entgangen:

carhartl  In Mitte kann man sich bal ...

[Link]

Aber wer etwas genauer hinsieht, wird feststellen, dass Berlin mehr zu bieten hat als manikürte Agentur-Mütter, die tagsüber Espressovariationen aus großen Gläsern trinken und abends in ihren SUVs zu Vernissagen gondeln, um dort Prosecco aus langstieligen Gläsern zu schlürfen. Dafür müsste man allerdings die Bereitschaft mitbringen, die Ortsteile Prenzlauer Berg und Mitte zu verlassen.

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