Archiv der Kategorie ‘Metatwit‘
Einer muss den verdammten Job machen. Wer wäre dazu besser geeignet als wir Wadenbeißer von Twitkrit? Fröhlich schreiten wir dorthin, wo es wehtut, legen lächelnd die Finger in schwärende Wunden und drücken sanft wedelnd die Zaunpfähle rein, an denen es langgeht.
Es gilt verwerfliche Fehlentwicklungen zu geißeln!
Es gibt Abende, die sind in Twitterland für die einen ziemlich lustig und für die anderen einfach nur der Horror. Problem ist dabei, dass der Graben zwischen den beiden Lagern offenbar mit der Zeit immer tiefer geworden ist.
Die Rede ist vom Trash-TV-Twittern, also der begleitenden Kommentierung von Sendungen, die die einen nur deshalb schauen, um sich lustvoll von Formaten wie DSDS, Bauer sucht Frau oder Popstars abzugrenzen. Die anderen finden aber diese Formate so unterirdisch, dass selbst diese ironischen Kommentare ihren Toleranzpegel erheblich überschreiten. Sobald entsprechende hashtags wie #dsds und #bsf vermehrt im Nachrichtenstrom erscheinen, kommt es daher zu einem Phänomen, das es ansonsten bei Twitter eher selten gibt: die Twitterei der anderen wird massiv gemaßregelt.
Twitter gibt es jetzt auch auf Deutsch – das war DIE Nachricht der letzten Woche aus unserem beliebten Paralleluniversum. Tatsächlich hatte sich in den vergangenen Monaten eine ganze Horde Freiwilliger daran gemacht, die komplette Benutzeroberfläche ins Deutsche zu übersetzen. Das Ergebnis hat zwar noch einige Ecken und Kanten, kann sich aber soweit sehen lassen. Das Ziel, Twitter für Leute nutzbar zu machen, die sich in der englisch dominierten Websprache nicht auskennen, ist soweit erreicht.
Wenn sich neue Kulturtechniken Bahn brechen, ruft dies Vor- und Nachdenker auf den Plan, um dieses Phänomen zu bewerten. Im Angebot des intellektuellen Bauchladens ist meist etwas für jeden Geschmack. Die Apologeten für die anschmiegsamen Fortschrittsenthusiasten finden sich ebenso wie Apokalyptiker für diejenigen, die schon immer alles Scheiße fanden, die Welt und überhaupt. Die Wahrheit ist meist viel komplizierter. Das ist bei der neuen Kulturtechnik Twitter nicht anders, wie man in diesen Tagen rund um die Geschehnisse im Iran leider manchmal schmerzhaft erfahren konnte.
Zunächst mal müssen wir zugeben, dass es uns ging wie @theJof
Wir haben in den unglaublich breiten #iranelection-Strom geschaut, stundenlang. Nichts anderes mehr gemacht, wie gebannt saßen wir davor. Die normale, gute, alte Timeline erschien danach nur noch als schwacher Abklatsch der Wirklichkeit. Warum dieser Sog? Wir wissen es nicht. Voyeurismus? Kann sein. Stärker, wollen wir zur eigenen Beruhigung annehmen, war jedoch die Aussicht, uns ein eigenes, unverstelltes Bild von diesen welthistorischen Ereigenissen zu machen. Live.
Über die Rolle von Twitter in Bezug auf den Iran ist bereits einiges geschrieben und vermutet worden. Wir glauben aber weder den Apologeten (“Twitter-Revolution”) noch den Apokalyptikern (“Alles Desinformation!”) sondern schauen weiter kritisch und skeptisch in den grünen Strom. In dem schwimmt vermutlich alles: die Propagandisten aus dem Exil, die ihre alten Rechnungen begleichen; die Irren, die Verschwörungen riechen; die Leichtgläubigen, die jede Kampagne mitmachen; die Naiven, die alles glauben und aufgeregt nachplappern; die Geschäftemacher, die ihre Kommerzmühlen in den Strom dirigieren.
Aber es gibt auch die echten Stimmen. Wahrscheinlich gibt es sie, muss man sagen, weil sich nichts überprüfen lässt. Aber dass es sie gibt, bestätigt unter anderem der Umstand, dass Twitternachrichten Stunden später durch YouTube-Videos bestätigt werden. Eine solche Stimme ist wohl Mirriaam, deren Account inzwischen verschwunden ist. Wir hatten uns einen ihrer Tweets gemerkt, aber keinen Screenshot gemacht. Allerdings wurde er dutzendfach retweetet und bleibt so der Nachwelt erhalten.
Kann so etwas gelogen sein? Kann es nicht, es macht einfach keinen Sinn, sich so etwas auszudenken. Deshalb war Mirriaam eine sehr glaubwürdige Quelle. Dem Journalisten Georg Watzlawek vom Handelsblatt-Blog Madagaskar ist es sogar gelungen, ein kleines Twitterinterview mit Mirriaam zu machen (auf 20:55 MEZ scrollen). Kurzum: Mirriaam ist/war echt. Ihr Tweet oben zeigt eindrucksvoll die ganze Stärke von Twitter und gleichzeitig seine ganze Schwäche. Die Schwäche ist: Die Relevanz der Information geht nach den Gesetzen der Medienwelt ziemlich gegen null. Eine über die Misshandlung ihrer Freunde weinende junge Frau hat keinen Nachrichtenwert. Aber: Der persönliche Blick, die daraus resultierende Möglichkeit zur Empathie, der Umstand, das man hautnah spürt, was jetzt passiert und was es für die Menschen dort bedeutet – das ist die Stärke von Twitter.
Trotz des nicht abebbenden Stroms erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Apologeten recht haben: Es handelt sich nicht um eine Twitterrevolution, weil das Medium nur nach außen wirkt und wohl nicht im Iran selbst. Dort scheinen die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten nur noch wenigen offen zu stehen, worauf auch der stets gut informierte und vorsichtige @Persiankiwi hinweist.
Deshalb ist dieser Kommentar von @joysamcyborg überhebliches, altkluges Gelaber.
Gut, vielleicht meinte er ein paar aufgeregte Teenager, aber insgesamt glaubt auch im Iran niemand, mit Twitter konkret eine Revolution zu organisieren. Vielmehr ist eines unstrittig: Twitter schafft weltweite Öffentlichkeit, sofort, ohne Umwege. Zwar ist die iranische Revolte politisch nicht lupenrein demokratisch, aber offenbar verbindet die junge, technologisch ausgebildete Generation mit ihr alle Hoffnungen auf eine Veränderung in Richtung einer freieren Gesellschaft. Dabei hilft Twitter. Deswegen schauen wir nicht nur in den grünen Strom, sondern machen ihn breiter wie @Luca
In weiten Teilen (vor allem im Süden) des Landes war gestern Feiertag. Fronleichnam wurde gefeiert oder als Arbeitspause dankbar hingenommen. Für all jene, die in überwiegend katholisch bevölkerten Landesstrichen der Bundesrepublik leben, bedeutet das gleichzeitig, dass der heutige Freitag ein idealer Brückentag ist, um aus der Geschichte ein verlängertes Wochenende zu machen. Die Spanier, dicht gefolgt von den Südamerikanern, sind sicherlich Weltmeister im Ausnutzen solch kalendarischer Ausspannchancen, und nennen das puente, wir nennen das Brücke. Also ist heute für viele ein Brückentag.
Gestern Nacht, kurz vor Ende des Fronleichnam-Feiertages, gab @stijlroyal für die gläubige oder auch ungläubige Twittergemeinde ein entsprechendes Hashtag für diesen Brückentag vor. Wie es sich für ein im Web 2.0-Umfeld organisiertes Event gehört, schön abgekürzt, um die Vokale beraubt und mit der Jahreszahl drangetackert, #brckntg09:
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Tagsdrauf, also heute, lieferte @stiylroyal selbst gleich ein schönes Beispiel für so einen Brückentags-Tweet:
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Pfiffige Twitternasen griffen dieses hübsch geformte Hashtag gerne auf, verkündeten munter, als sie zum brcktng09 aufbrachen und wiesen sogar auf das passende Lied zum Tage (hihi) hin.
Auch @tristessedeluxe lässt uns an seinen brcktng09-Erfahrungen partizipieren und berichtet etwa:
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Was den Leuten auf dem #brckntg09-Event sonst noch so alles widerfahren ist, seht Ihr in der Twittersuche. Der Tag ist ja erst zur Hälfte vorbei, Ihr dürft also gespannt sein, was da noch so kommt, bzw. selbst berichten, was Euer brckntg09 so hergibt. Ran an die Tasten, Ihr kommt doch alle, oder?













