Archiv der Kategorie ‘jgt‘

 
 

Jubiläumsgasttwitkrit (JGT) 10: @mcwinkel in Bild und Ton

Den krönenden Abschluss unserer Jubiläumsgasttwitkritwochen bereitet uns @mcwinkel. Normalerweise beglückt uns der wohl bekannteste Blogger der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mit dem geschriebenen Wort auf whudat.de, heute allerdings präsentiert er uns in mehr als 140 Sekunden, aber dann doch deutlich weniger als 140 Minuten, seine Lieblingstweets in Bild und Ton. Wir freuen uns darüber und sagen artig: Danke! 

 
Direktgasttwitkritwinkel

Und hier noch die Links zu den besprochenen Tweets:

[Lachsöl]
[Yoga]
[Vergesslichkeit]
[H-Ausfall]
[Ice Cube]
[John Lennon] 

Jubiläumsgasttwitkrit (JGT) 9: @baranek über Modern Leasing

Die vorletzte JGT zu unserem langen Geburtstagsfest stammt von unserem fleißigsten Gastkritiker @baranek, dem wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die stete Begleitung und Unterstützung entgegen rufen!

Was kann man heutzutage nicht alles mieten! Oder mietkaufen oder leihen oder leasen (sprich: liesen)? Autos, Möbel, Apparate, ja, ganze Wasserwerke und Krankenhäuser, von Fußballstadien und Großraumfliegern ganz zu schweigen. Großes Geld ausgeben? Pah! Nix da! Jeden Tag ein bisschen löhnen, das tut weniger weh. Obwohl es natürlich mehr kostet, ganz am Schluss. Aber wer rechnet sich das schon schlecht, wenn es auch schön geht? Niemand. Eben.

Kürzlich konnten wir diese Nachricht von @tineroyal lesen, die uns ein neues Universum eröffnet: Twitterer leasen.

modern leasing
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Ist doch nett: man weiß nichts mit sich anzufangen und leiht sich mal so einen Tweetschreiberling. Der macht einem dann die Timeline voll und gut ist. Soll erfüllt, viel kommuniziert, Spaß gehabt für lau. Aber halt! Wer ist @jfschlinck? Tja, Leute, Pech gehabt, das ist nämlich ein Hosenscheißer, ein Würmchen, ein Milchsauger, wie er im Buche steht. Aber schon twittern! Macht wohl seine Bezugsperson für ihn, eben @tineroyal (frau/mama/single). Die weilte, als sie dieses Leasingangebot twitterte, gerade auf dem MCDD09 (manchmal wissen wir auch nicht mehr, was die Camp-Hashtags bedeuten: Mamacamp Dresden 2009?). Und wollte wohl mal ihre Ruhe haben. So mag der Plan entstanden sein, den Wonneproppen für einen kleinen Spaziergang in der frischen Luft abzugeben.

Wir meinen: klasse! Zwanzig Minuten Papa/Mama-spielen, mal so richtige Erwachsenenweltluft schnuppern, Verantwortung für echtes Leben übernehmen. Schult. Gibt good vibes. Macht einen schlanken Fuß (würde @nico sagen). Und für die Herren: Babys machen Männer extrem attraktiv für die Damenwelt! Der beste Leasingvertrag also, der uns bisher untergekommen ist.

Jubiläumsgasttwitkrit (JGT) 8: @happyschnitzel über den Weg aus der misanthropischen Tagesstätte

Heute beglückt uns @happyschnitzel mit einem Gastbeitrag. Sie macht selbst TV-Ereignisse wie #dsds erträglich. Kein Wunder also, dass sich ihr Aufstieg in den “Twittercharts der Herzen” rasant entwickelt hat. In mehr als 140 Zeichen schreibt die glückliche zum braten bestimmte, dünne Fleischscheibe nicht nur regelmäßig in ihr eigenes Weblog, sondern weist uns auch heute an dieser Stelle den Weg aus der misanthropischen Tagesstätte.
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Es gibt diese Momente in meinem Twitterstream, in denen mir beim Lesen nach Weglaufen zumute ist. Manchmal langweile ich mich, wenn ich aus eurem Leben lese. Man kann ja auch nicht jeden nach einem schlechten Tweet sofort unfollowen, so geht das nicht, also müssen wir da zusammen durch. Und dann gibt es diese Tweets, die mich schallend laut lachen lassen, vorzugsweise an Orten, an denen man zum Lachen eher in den Keller gehen würde. Es sind meistens die kleinen und feinen Beobachtungen des Alltags, die mich fast vom Stuhl reißen. Die Erkenntnis irgendwo zwischen „Kenn ich.“ oder „Da wäre ich gerne dabei gewesen.“ Twitter scheint an manchen Tagen eine Tagesstätte für Misanthropen zu sein, hier kommen wir her, um unter uns zu sein, und mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, ohne sie direkt zu beleidigen.

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Hier kommen die unterschiedlichsten Phänomene zum Vorschein: Die visuell-ästhetische Vergewaltigung, die einen auf öffentlichen Bürgersteigen der Bundesrepublik jederzeit erwischen kann. Oder wenn man erkennt, dass sogar die abstoßendsten Randgruppen mit kleinen, hässlichen Hunden spazieren geht, nimmt ihnen das jegliches Potenzial als gesellschaftliche Gefahr. Gerne gesehen auch die Momente, an denen der Typ an der roten Ampel neben uns mit dem Gas spielt, und sich eine Mischung aus Wagen- und Penisneid in uns breit macht. Selbst, wenn wir selbst gar keinen Penis haben. Und als letzter Schreckensfaktor – der Deutschen liebster Feind, der Nachbar. Er bedroht uns durch Bohrmaschineneinsätze, wenn wir mal frei haben; er hört nachts laute Musik, wenn wir schlafen wollen; er sonnt sich mit seinem failwhaleartigen Speckwanst im Garten, wenn wir ungestört auf dem Balkon stehen wollen.

Mit der zahlenmäßigen Häufung solcher Alltagsbeobachtungstweets scheint es, dass wir aus der misanthropischen Tagesstätte unseren Weg gefunden haben, die Schrecken der Straße zu verarbeiten. Dann sehen wir unseren eigenen dicken Nazinachbarn in einer Netzstrumpfhose, und anstatt uns hemmungslos davon irritieren zu lassen, sind wir durch unsere Verbündetentweets abgehärtet. Das einzige Problem ist dann nur noch, wie wir diese horrende Abscheulichkeit geschmeidig in 140 Zeichen unterbringen, ohne dabei etwas Wesentliches auszulassen.

Jubiläumsgasttwitkrit (JGT) 5: Spreeblick entspannt

Wir als Team scheitern immer wieder an der Erfüllung der Frauenquote. In der Redaktion, bei der Auswahl der Gasttwitkritter, vielleicht gar bei der Wahl der Getwitkritteten. Schön, das für Deutschlands emanzipatorischstes Weblog die Chefin an die Tweets geht! Ein aufs Detail achtendes JGT-Kleinod von @elektrotanja:

Spreeblick glückwünscht!

Dies ist ein klarer Fall von Chefsache und hab es mir nicht nehmen lassen, unseren Jubiläumsbeitrag höchstpersönlich zu überbringen, denn schließlich hab ich inzwischen (ich schau grad mal nach, damit ich mich nicht zu falschen Sensationsmeldungen hinreißen lasse) 82 Follower [in der Walpurgisnacht waren es dann schon 149, die Red.] und weiß also, was geht.

Ich freue mich ja immer, wenn aus Ideen Taten werden und scheinen sie auch noch so absurd. Denn absurd erschien mir das Ganze anfangs schon. 140-Zeichen-Geblablabla, braucht man das? Und muss man sich dann auch noch zur Kritik selbiger hinreißen lassen?
Nö, muss man natürlich nicht, kann man aber.
Und es stimmt schließlich, dass 140 Zeichen durchaus reichen können, um kleines Leben groß oder großes Leben klein zu posaunen und es gibt Tweets, die ob ihrer Reduzierung von geradezu melodiöser Epik sind und mich anstiften, ganze Szenarien hinzu zu fantasieren. Das ging mir früher schon mit den, gern als Vergleich herangezogenen, japanischen Haikus so. Meine ehemalige Yoga-Vortänzerin las uns zum Ausklang einer jeden Yoga Stunde immer ein Haiku vor, auf das wir besser Rumliegen und Entspannen könnten.
Das klappte bei mir nie.
Eines (sagt man DAS Haiku?) blieb mit unvergesslich und ich hab’s sogar wieder gefunden,

Kirschblüten fallen -
auch du mögest
ein Flusspferd werden

Wie soll man da entspannen? Ich möge ein Flusspferd werden? Na, das ließe sich auch ohne Yoga machen. Ich assoziiere also lieber den eher unkirschblütenhaften freien Fall zweier Flusspferd-ähnlicher Frauen der Yogatruppe (scheiß auf Entspannung!) und freue mich über die Haiku’sche Inspiration, der die folgende wärmende Tweet-Miniserie in nichts nachsteht:

schwadroneuse3
[Link]

Drei Worte, mehr braucht ein Astra-Kopfschmerz nicht. Man hockt in der Küche und brummelt genau das.
Zehn Minuten später aber keimt der Wille auf, das Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Die Nacht ist jung, man rafft sich auf :

schwadroneuse2
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Oh ja! Und der erwähnte Schlafmittelzusatz wird noch mal toller, wenn man nur eine Minute nach seiner Einnahme, nachts um kurz vor halb Zwölf feststellt, dass die verbleibenden 35 Minuten des Tages keine Sensationen versprechen, die ein Schlafmittel unter Umständen vereitelt hätte:

schwadroneuse1
[Link]

Yoga mach ich übrigens schon länger nicht mehr.

Jubiläumsgasttwitkrit (JGT) 1: Real Nerdcore, baby!

Wir beginnen die Jubiläumswochen mit einem echten Nerdcore. René bleibt sich auch für uns treu und masht alte Twitkrits mit aktueller Politik, Selbstreflexion, und Sex zu einer wunderbaren Lobhudelei auf uns. Herzlichen Dank!

Es hat etwas ironisches, wenn ausgerechnet ich als bekennender Kopier-Blogger und nur sporadisch twitternder Kritiker des Gebildes, das ich den „schönen Text“ nenne, hier etwas zum einjährigen Bestehen von Twitkrit schreibe, denn die Damen und Herren in diesem feinen Weblog widmen ihre Zeit ja vor allem der Poesie, die dann und wann in 140 Zeichen gepresst wird. Aber nun, auch ich weiß durchaus das ein oder andere wohlfeile Wortspiel zu schätzen, freue mich bisweilen ebenfalls über durch die Timeline kullernde Silben und die einfachen Wahrheiten des Lebens lassen sich meist in weit weniger als 140 Zeichen ausdrücken.

Vor einem Jahr nun schickten sich die Damen und Herren an, um die damals ausbrechende und bis heute anhaltende Twitter-Mania mit einem Blog zu begleiten, aus dem sich dann noch eine [Kommentar der Herausgeber: naja, einige] hervorragende und äußerst unterhaltsame Lesung entwickeln sollte. Einer der ersten besprochenen Tweets war dann auch, ganz den Kritikern [nicht mit den Twitkrittern zu verwechseln!] der 140 Zeichen entgegenkommend, nicht besonders gehaltvoll.

tweetlos
[Link]

Wobei das natürlich nur eine Übersetzung des anochronistischen „Ich bin sprachlos“ in das 21. Jahrhundert bedeutet, das ja jetzt erst richtig losgeht und einem könnte angesichts jüngster netzpolitischer Entwicklungen genau das allzuleicht entfahren. Ich bin tweetlos.
Gottseidank nicht und dank eines feschen neuen Plugins für meine Website weiß ich inzwischen, wie sehr sich die Konversation, die Verlinkung und Vernetzung, kurz: Das Netz – auf Twitter abspielt. Bei
heißen Themen um Politik kommen auf eine Verknüpfung über klassische Websites ungefähr zehn über Twitter. Der Tweet zur Aktion am 23. April auf Spreeblick gegen Netzsperren war an diesem Tag der global am häufigsten geretweetete Tweet. Ich bin tweetlos, not so much. Gottseidank. Und „geretweeteter Tweet“ ist schriftbildlich übrigens mehr als hochinteressant, meine Augenbrauen durchbrechen grade meinen nicht mehr vorhandenen Haaransatz. Aber das nur am Rande.

Bereits im zweiten Posting nahm dann PickiHH die bis heute belanglose Belanglosigkeitsdiskussion auf’s Korn und zog hierzu einen hervorragend konnotierten Tweet von Frederic Valin heran, der die Diskussion in Nietzsches Tonlage sang. Auf Twitter. Solche Dimensionen sind Twitter-Kritikern [nicht mit den Twitkrittern zu verwechseln!] selbstverständlich fremd, denn die drehen sich meist nur um ihr eigenes Biotop aus totem Holz, mit dem sie nach Virtuellem werfen und sich wundern, dass sie das physisch Unfassbare nicht treffen. Logik sucht man in der Belanglosigkeitsdebatte leider vergebens.

Und dann, natürlich und nicht seit gestern, entdeckte Twitkrit den Sex.
Wahrscheinlich weil er sellt, aber auch Spaß macht, habe ich mir sagen lassen. Und deshalb schließe ich an dieser Stelle und danke Twitkrit für folgende Weisheit von Herrn Weiss, die ohne hier im täglichen
Informationsreissendemfluß untergegangen wäre:

marcel
[Link]


Die Twitterse

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