Twitkrit

Too Much Information

Eine Frage, sich sich der gemeine Twitterer immer wieder stellt, ist: Wo beginnt too much information? Ich, als Frei-Schnauzetwitterer, habe das schon oft an den Kopf geworfen bekommen, zum Beispiel als ich vom Geruch meines Urins nach einem Spargelmahl twitterte, der in seinem Aroma … lassen wir das.

Gerade gestern kam ich wieder in so eine Verlegenheit, darüber nachzudenken, was geht und was nicht. Ich hatte die Google Bildersuche, die man jetzt auch mit einer URL zu einem Bild als Suchanfrage bestücken kann, ausprobiert. Und zwar mit meinem Twitterprofilbild. Ich wollte schauen, wie weit da die Gesichtserkennung andere Bilder von mir findet, aber unter “optisch ähnliche bilder” warteten andere Überraschungen: Nämlich der ein oder andere Blowjob.

Blowjobs, die aussehen wie ich? GEIL! Gerade wollte ich anfangen, ein Meme daraus zu basteln: #blowjobslookalike – du twitterst ein Blowjobbild, von dem Google meint, dass es aussieht wie dein Gesicht. Der Tweet war bereits fertig, inklusive einem Link zum entsprechenden Bild, da überfielen mich Zweifel. Schnell brachte ich noch ein #nsfw an. Aber auch das löste die Hemmung nicht. Also ließ ich es.

Nun bin ich ein freiheitliebender Mensch, besonders was meine Redefreiheit angeht, und es ist ein blödes Gefühl, etwas nicht zu sagen oder zu twittern, um andere nicht damit zu belästigen. Aus diesem Grund habe ich damals eigentlich die “Filtersouveränität” erfunden. Sie ist meine in der Filterfähigkeit des Anderen realisierte, absolute Redefreieheit, und so antwortete ich unlängst auf Formspring auf die Frage, wo “too much information” anfängt folgerichtig mit: dort, wo follow aufhört.

Aber natürlich ist es schwierig, das Filtern. Selbst auf Twitter. Wenn ich jahrelang immer anständigen Kram getwittert habe und auf einmal mit Penisbildern komme, dann hilft kein Filter gegen dieses Ereignis. Der Abonnent muss schließlich wissen, auf was er sich einlässt.

Und da kommt mir wieder die Idee der “Cannels statt Circles” in den Kopf. Wenn ich jetzt einen eigenen Channel für “Not Safe For Work” eröffnete und bediente, würde jeder wissen, was ihn dort erwartet. Die Idee ist jetzt übrigens bereits umgesetzt, auf ne Art. Und zwar in Subjot. Da hab ich ihn einfach mal realisiert, meinen #nsfw-Channel.

So ist das nämlich. Es braucht nur feiner granulierte Filterung auf Twitter. Überhaupt, sollte man alles ganz genau einstellen können, damit sich die Filtersouveränität des Anderen um so speziefischer entfalten kann. Und zwar als Channel, als abonnierbaren Content, nicht als Privacyeinstelltung des Senders. Sonst passiert das hier:

Bildschirmfoto 2011-08-17 um 11.12.22
[Link]

PS: Ich wünsche Subjot gutes Gelingen und ein schöneres Interface!

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Von Nachrichten und Menschlichem

Wir zeigen hier auf Twitkrit nicht bloß einzelne Tweets, die wir für besonders gelungen halten, sondern werfen – sozusagen auf der Metaebene – durch Tweetvorstellung immer wieder gerne einen Blick auf die Frage: Was machen wir alle hier auf Twitter eigentlich? Warum verfassen wir Nachrichten in maximal 140 Zeichen und weshalb lesen wir sie – größtenteils – so gern. Letzteres soll heute anhand von zwei Tweets verdeutlicht werden:

Da haben wir Twitter als Nachrichtenersatz. Darin mag vielleicht nicht der Hauptgrund liegen auf Twitter unterwegs zu sein, doch Meldungen herkömmlicher Medien entlocken dem gemeinen Twitterer häufig nur noch den Kommentar: «Ach, die bringen das erst jetzt?». Ein gutes Twitter-Netzwerk ist womöglich noch kein Ersatz für die “alten” Medien, doch @Judetta spricht vielen von uns aus dem Herzen, wenn sie schreibt:

judetta

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Allen an Literatur Interessierten dürfte der folgende Tweet von @gallenbitter gefallen. Wenn ihr eure eigene Twitterrezeption mal kritisch hinterfragt, dürftet ihr im Vergleich von Timeline- und Roman-Lesen auf eine ähnliche Einschätzung kommen. Vorausgesetzt, die Auswahl der Twitterer, denen ihr folgt, gibt das her. Mir geht es jedenfalls wie @gallenbitter. So mancher Twitterer kommt mir – vielleicht auch deshalb, weil ich ihn nicht im realen Leben kenne, weil er also nur als virtuelle Figur einen Platz in meinem Bewusstsein einnimmt – so nah. Näher als so manche Romanfigur im besten Falle:

gallenbitter5

[LINK]

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Das Geschlecht des Faschismus

War Eva Braun Nazieuse? Nooaain, war doch nur ein verführtes Dummchen. War Leni Riefenstahl eine Faschatussi? Achwas, es handelte sich um eine begnadete Künstlerin, die unbedingt ihr geniales Werk in die Welt bringen musste. Die dürfen sowas. War überhaupt jemals eine Frau so eine richtige Faschistin? Vielleicht Frau Goebbels, aber handelte es dabei wirklich um ein weibliches Wesen? Wir wissen es nicht genau. Obwohl, fünf Kinder… Nungut, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jedenfalls liegt es doch ganz klar auf der Hand: Nazis waren Männer. Das ist bis heute nicht anders. Oder ist N*D-Zombie Holger A. aus Sachsen doch getransgendert? Ich will es gar nicht wissen…

Also: Nazis = Männer. Und: Männer = Nazis? Nee, komm, das geht zu weit. Jetzt hört’s mal auf.

Auf jeden Fall: Frauen ≠ Nazis. Das hat @mbukowski auf Twitter erfahren. Und Twitter lügt nie, ihr Deppen.

mbukowski

[Tweetlink]

Puh, bin ich froh, dass ich die Frauen so generell mag und Männer weniger, ich olle Hete. Nachher flirte ich noch 1 Fascho an. Das würde mich betrüben. Bei Frauen dagegen ist man per se auf der richtigen Seite.

Und was ist mit mir? Ich will doch kein Fascho werden *grein*. Wisst ihr was: ich lass mich umoperieren. Nächste Woche. Bestimmt. Sicher ist sicher.

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Twitter vor 20 Jahren

Die Frage, wie haben wir eigentlich kommuniziert, ehe es Twitter gab, lässt sich wunderbar mit einem Comic beantworten. Da ist eben ein spanischer Comic in meine Timeline gespült worden, der genau das leistet und der eine wunderbare Analogie zu vergangen Tagen herstellt. Er löst zudem noch auf, worauf die Grundstruktur der Twitter-Kommunikation aufbaut. Keine Angst, spanische Sprachkenntnisse sind ob des eingesetzten internationalen Twitterfachvokabulars nicht vonnöten. Der Hinweis gebende Tweet kommt von @alvaroplz (der sich im Profilfoto im rotem Höschen am Strand präsentiert, doch das tut nichts zur Sache):

alvaroplz

[LINK]

Der Text lautet ins Deutsche übertragen: «Sehr gut!/Twitter vor 20 Jahren (Coomic)» und führt auf diesen aufschlussreichen Co(o)mic:
Twitter vor 20 Jahren.

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Abwechslung erfreut

Chuck Norris, Deine Mudda, I put dieses in jenes. Wir können es langsam nicht mehr hören. Warum also nicht einmal eine Variation in den Strom der kurzen Nachrichten einbringen?

@peterglaser zeigt, dass es auch anders geht:

peterglaser
[Link]

Chuck Norris und Deine Mudda hätten es nie hinbekommen.

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hoch21′s Law

Immer wenn wir in Diskussionen nicht weiter wissen, kommt zwangsläufig ein Nazi-Vergleich (vgl. Godwin’s Law). In den Urzeiten des Netzes, als man noch in sogenannten Foren miteinander diskutierte, galt eine Diskussion gewöhnlich als beendet, sobald besagter Vergleich in den digitalen Raum gesetzt wurde.

Was aber nun, wenn sich Parteien gegenüberstehen, die ihre Konflikte auch nach dem obligatorischen Nazi-Vergleich nicht beilegen, sondern einander immerfort bezänken wollen? Für sie haben wir jetzt etwas Neues: Das @hoch21-Law.

Missliebige Personen, werden demnach einfach mit Elefanten vergleichen:

hoch21_elefantenfrauen
[Link]

Der diesem Tweet innewohnende Vergleich birgt ein Empörungspotential in sich, von dem Godwin nicht einmal in seinen kühnsten Inglourious-Usenet-Träumen zu träumen gewagt hätte. Dass es in diesem Falle ausgerechnet eine Frau trifft, ist – wie der Autor einhellig mit seiner Männergruppe besprochen hat – natürlich eine riesige Gemeinheit. Nach all den Genderdebatten, Gleichstellungsgesetzen und Frauenquoten halten wir den pauschalen Vergleich von Frauen mit Elefanten für unzulässig und weisen ihn aufs Schärfste zurück.

Dennoch hat dieser Tweet auch inhaltlich seine gute Seite: Allen misogynen Tendenzen zum Trotz wird dem sorgfältigen Rezipienten aufgezeigt, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern gar nicht so groß sind, denn naturgemäß sind auch Männer wie Elefanten – nämlich tot, wenn man sie erschießt.

Jetzt, da die Geschlechter versöhnt sind, wollen wir aus diesem Tweet den Nutzen ziehen, und künftig, wenn wir nicht mehr weiter wissen, immer noch einen obendrauf setzen: Wir lassen uns Elefantenvergleiche nicht nehmen. (Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.)

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