Twitkrit

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Geräte zur Paarungszeit

Der moderne Mensch personifiziert seine Geräte, entdeckt erstaunliche Parallelen und entwickelt eine mitfühlende Solidarität. So schreibt @joerghuettmann am Ende des Tages:

joerghuettmann

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Welch sensualisiertes Verhältnis wir zu unseren mobilen Endgeräten entwickeln und wie sehr manche Nutzer sozialer Netzwerke die Interaktionen mit Gefühlen verbinden, zeigt der Tweet von @luzilla:

luzilla

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Und wo es um Gefühle geht, ist die Eifersucht nicht weit. Dass dies auch für unsere geschlechtsreifen Geräte gilt, weiß @gallenbitter:

gallenbitter4

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Google+

Seit gestern herrscht in Teilen der Webgemeinde helle Aufregung. Googles Social Media Dienst Google+ ist da. Plus hier, plus da, hallt es über die Flure des Netzes. Die von den bisher genutzten Services nun schon seit Jahren gelangweilten Early Adopter atmen auf. Endlich wieder was, wo sie als Erste sind. Ein Dienst, der noch nicht von den Normalos genutzt wird und wo in null komma nix die Usual Suspects auftauchen, um zu schauen, ob das was taugt. (Um Missverständnisse auszuschließen: diese Tatsache soll hier nicht verspottet werden. Der Autor dieser Zeilen gehört auch zu den frühen Neugierigen.)

Auch auf Twitter ist Google+ natürlich das Thema der Stunde (s. Twitter search). “Invites haben wollen”- und “Hab Einladung rausgeschickt”-Tweets reichen schon nah an die Spamgrenze ran. Doch wie sieht es mit inhaltlich auf Google+ eingehenden Tweets aus? Die reizvolle Aufgabe den Dienst in 140 Zeichen zu beschreiben und gleichzeitig von den Social-Media-Konkurrenten abzugrenzen, ist bis dato @zeitweise am besten gelungen:

zeitweise

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Die Timeline wie sie uns gefällt

Wenn das Netz Inhalte für uns vorsortiert, ist das nur scheinbar praktisch. Vielen ist gar nicht bewusst, welche Entwicklung ein durch Algorithmen gesteuertes, vorgefiltertes Internet gerade so einzuschlagen scheint (dazu später mehr).

Nehmen wir hingegen Twitter: hier treffen wir die Auswahl, was wir sehen oder eben nicht sehen. Wir folgen Menschen (manchmal auch Medien, Marken, Institutionen usw.), so lange sie uns – aus welchem Grund auch immer – interessant genug erscheinen. Erfüllt ein Twitterer unsere ganz persönlichen Kriterien irgendwann nicht mehr, wird er halt wieder entfolgt. Wir filtern uns die Timeline zurecht, wie sie uns …widdewidde… gefällt. Theoretisch zumindest. Natürlich sind wir auch tolerant und drücken immer mal wieder beide Augen zu, wenn Irrelevantes in unseren Twitterstrom gespült wird. Aber das, was wir in unseren Timelines so sehen, baut mehr oder minder auf unseren persönlichen Filtern auf. Darin liegt auch schlicht und ergreifend der Erfolg von Twitter.

@PhilNTS hat das heute gut auf den Punkt gebracht:

PhilNTS

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Und damit kommen wir auch schon auf den Anfang dieser Twitkrit zurück. Zur Auflösung, was es mit dem durch Algorithmen für uns aufbereiteten Internet auf sich hat. @PhilNTS verlinkt in seinem Tweet einen Artikel auf ZEIT Online, der Aufschluss und gleichsam Anlass zur Sorge gibt: Automatisch vorsortiert.

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New Twitter

kigana

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@KiGaNa hat vollkommen recht. Die Gängelei, mit der Twitter versucht, die Nutzer des bisherigen Webinterfaces auf das neue Twitter zu locken, ist aus zwei Gründen sehr ärgerlich. Einmal aus dem Grund, dass das alte Twitter für viele (den Autor dieser Zeilen eingeschlossen) viel besser ist, als das neue. Und zum zweiten, da die penetranten Hinweise auf New Twitter gehörig nerven. Wie man sie abstellen kann, hab ich letztes Jahr im Oktober schon bei der Einführung von New Twitter beschrieben: ‘Try it now!’ abschalten.

Doch Twitter lässt nicht locker, präsentiert immer weiter scheinbare Vorteile des New Twitter, die bei kritischer Hinterfragung überhaupt keinen Sinn machen. Neuester Vorteil: das flexibel aufziehbare Texteingabefeld. Toll, nicht wahr? Ist es nicht ein großartiges Gefühl, die Größe der Box zur Eingabe unserer Tweets so groß machen zu können, wie wir das wollen?

newtwittereingabe

Doch Moment mal, @josh_k_phisher hakt kritisch nach:

josh_k_phisher

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Twitter, wie wäre es mit einer Beibehaltung von Old und New Twitter. Dann kann jeder auswählen, was er lieber mag. Eure Nutzungsstatistik müsste euch doch zeigen, dass ihr durch unsinnige Features einen Zwangswechsel zu dem für viele als aufgeblasen empfundenen New Twitter nicht herbeiführen könnt. Twitter, hör auf Deine Nutzer: Try it now!

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Von mächtigen Tweets

Welche Twitter-Nutzer die Macht haben, Informationen schnell und weitläufig zu verbreiten, fragt man sich zur Zeit in den berühmten Forschungslabors des MIT. Die nicht unspannende Netzwerkanalyse ist Thema auf Technology Review und dort auf deutsch (Wichtiges Gezwitscher) oder englisch (Tracking Down Twitter’s Best Rumor Spreaders) nachzulesen. Die Twitkrit-Redaktion interessiert dieses Thema zwar auch, doch stellen wir ja weniger die Twitterer, als die Tweets in den Mittelpunkt unserer Rezensionen. Statt um mächtige Menschen geht es uns eher um mächtige Tweets. Besser gesagt um machtvolle, herausragende Tweets. Was ist ein mächtiger Tweet? Das kann Vieles sein: eine kluge Einschätzung, ein wortgewandter Aphorismus, eine feine Beobachtung, einfach nur ein witziger Tweet oder eine originelle Verbindung zweier Themen. Von einem mächtigen Tweet der letztgenannten Sorte soll heute die Rede sein.

Eines der Themen, die diese Woche durch unsere Timelines gespült wurden, war die Gesichtserkennung auf Facebook. Wie sie funktioniert, bzw. wie sie nicht funktioniert, hat der geschätzte Kollege Svensonsan eindrucksvoll auf pop64.de untersucht: Das ist die automatische Gesichtserkennung auf facebook. Heute Morgen gab es dann eine passende Twittermeldung zu bestaunen, die es versteht, ein Phänomen aus der Online-Welt nahezu kongenial auf die Offline-Welt zu übertragen. Kommen wir nun also zu dem oben angekündigten Tweet, der eine originelle Verbindung zweier Themen darstellt: die Selbstzweifel bei der intimen Betrachtung zum Start in den Tag, und die automatische Gesichtserkennung auf Facebook. Nicht Stefan Raab hat ihn geschrieben, sondern @nichtstefanraab:

nichtstefanraab

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Hassknecht

Ich bin ja ein großer Fan von Gernot Hassknecht. Hatte @heutehassknecht schon mal zur Einleitung einer Twitkrit durch Zitierung seines wunderbaren Netzindianer-Tweets missbraucht. Heute soll dem liebenswerten Choleriker aus der ZDF heute-Show (u.a. Deutscher Fernsehpreis, Grimme Preis) eine eigene Twitkrit gewidmet werden. Ok, auch wieder nicht direkt ihm, sondern zwei Tweets zu seiner Person. Oder zu seinem Schauspieler. Doch lest selbst:

Vorgestern war Onkel Hassknecht im ZDF-Morgenmagazin (in der ZDF Mediathek ist der sehenswerte Auftritt nachzuschauen). Im Interview mit Dunja Hayali. Das heißt, das stimmt ja nicht ganz…

heist-zdf-moma

[ZDF-Mediathek]

… An der Einblendung ist es gut zu erkennen: es war nicht Hassknecht, sondern der Schauspieler Hans-Joachim Heist, der in der frühmorgendlichen Sendung zu bestaunen war. Und irgendwie kam einem das alles so ungewohnt vor. Man sah ihn wie einen lieben Onkel da sitzen und wartete die ganze Zeit, dass er – wie in seinen Kommentaren vom Adagio ins Prestissimo risoluto wechselnd – Dunja und die Zuschauer plötzlich LAUT ANBRÜLLEN WÜRDE. Doch nichts dergleichen. Auf seine Rolle angesprochen, antwortete Feist ganz ruhig und gleichsam keck: «Ich bin kein Choleriker». Das behaupten ja die meisten Choleriker von sich.

Auch der heute-Show-Zuschauer @friparvus wundert sich beim Betrachten des Interviews im MoMa-Café, dass der Hassknecht gar nicht wirklich so heißt:

fripavus

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Doch @PierreDumaine weiß, dass der Hassknecht ein guter Schauspieler ist. Des Rätsels Lösung offenbart er in diesem Tweet:

pierredumaine

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Heute Abend um 23:10 Uhr kann man wieder sehen, wie der Hassknecht ist, wenn er nicht schauspielert. Oder auch vielleicht erst nächsten Freitag. Denn das Fernsehpreis-überschüttete heute-Show-Team ist schlau genug, so eine großartige Figur nicht in zu hohen Dosen einzusetzen. Hassknecht-Fans, die gar nicht genug von dem sympathisch rumbrüllenden meinungsstarken Kommentator bekommen können, bleibt ja immer noch die Möglichkeit, ihm auf @heutehassknecht zu folgen. Und zu staunen, wie er die Majuskeln nur so in ihre Timeline schleudert, wenn ihm mal wieder der VERSCHI… KRAGEN PLATZT, IHR DÄMLICHEN VÖGEL!

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