Twitkrit

Der Klick als hypermediales Satzzeichen

Führt ein Dienst ein neues Feature ein, hat das meist Vor- und Nachteile. Der Service selbst, geht natürlich davon aus, dass die Vorteile überwiegen, sonst würde er die neue Funktion ja nicht bringen. Irgendwann hat Twitter das Feature eingeführt, ein in einem Tweet verlinktes Bild gleich gemeinsam mit dem Text anzuzeigen, ohne dass man extra noch auf den Bilderlink klicken muss. Das ist für Viele praktisch, zerstört aber womöglich einen vom Autor intendierten Überraschungsmoment, oder zumindest einen kleinen Spannungsbogen, den er zwischen Text- und Bildinformation aufbaut. Gleiches gilt für Videos, was etwa das beliebte Rickrolling gehörig erschwert.

Ein Tweet, an dessen Beispiel ich die Pause zwischen Text und Bild zeigen möchte, ist der folgende von @Heartcore, in dem er eine Frage stellt, die durch das im Anschluss an das Fragezeichen gesetzte Ausrufezeichen gleichsam eine Aussage darstellt: «Wie kann etwas nur so perfekt sein?!»:

heartcore

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Man liest diesen Satz und fragt sich gespannt: Was meint er wohl, was da so perfekt sein möge? Der besonne Leser überlegt vor dem Klick erst einmal, was es wohl sein könnte, was @Heartcore da so ins Schwärmen bringt. Ein, zwei Vermutungen werden angestellt, und erst dann klickt man auf das wunderschöne Bild und kann nicht anders, als ihm sofort recht zu geben.

Praktisches Feature hin oder her, ein Nachteil wird hier deutlich: durch die direkte Bildanzeige, die übrigens auch mittels Browser-Add-Ons oder in verschiedenen Twitter-Clients erwirkt werden kann, wird die vom Tweetautoren beabsichtigte Pause in der Informationsaufnahme des Rezipienten aufgehoben. Was verloren geht: der Klick als quasi hypermediales Satzzeichen der Netzautoren.

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Schreib den wahrsten Tweet, den du kennst

Wir haben in der Vergangenheit – und nicht nur in dieser Woche ;-) – schon häufig aufgezeigt, was auf Twitter alles möglich ist und warum Menschen twittern. Die heutige Twitkrit setzt diese Reihe anhand zweier Tweets fort, von denen zunächst nur einer die Bedingung zu erfüllen scheint, Aufschluss über die Motivation für’s Twittern zu geben:

Twitter-Beobachter @Schrngg liefert mit der Gegenüberstellung von Microblogging vorm Monitor und Alltags-Kontemplation am Fenster einen sehr treffenden Vergleich:

schrngg

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Die kleine grammatikalische Schwäche möge man dem Autor nachsehen. Auch das gehört zu Twitter: beim Kasus mal daneben hauen. Sprachliebhabern wird manchmal etwas Toleranz abverlangt. Und jene, die darüber nicht verfügen, liegen dann halt kopfschüttelnd am virtuellen Fensterbrett und stöhnen ein «Tsssz – das muss doch ‘von gegenüber’ heißen!» in ihre Timeline.

Der zweite Tweet zeigt nur vordergründig eine Motivation zum Twittern auf. @jkuri teilt uns darin mit, was er gerade liest:

jkuri

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Doch in dem verlinkten Hemingway’schen Text liegt eine zweite und dritte Motivation versteckt, warum manche von uns twittern. In «Paris – Ein Fest fürs Leben» (aus dem Englischen übersetzt von Werner Schmitz) schrieb Hemingway:

Du brauchst nur einen einzigen wahren Satz zu schreiben. Schreib den wahrsten Satz, den du kennst.

Das kann man auch wunderbar auf Twitter übertragen und ich denke, bei so manchem liegt auch hierin eine Motivation:

Du brauchst nur einen einzigen wahren Tweet zu schreiben. Schreib den wahrsten Tweet, den du kennst.

Wem das zu übertrieben scheint, oder wer diese Motivation auf keinen Fall persönlich teilt, der mag sich in den Zeilen vor diesem Zitat wieder erkennen:

Es war wunderbar die vielen Treppen in dem Bewusstsein hinunterzusteigen, dass ich mit der Arbeit gut vorangekommen war. Ich arbeitete immer, bis ich etwas geschafft hatte, und hörte immer auf, wenn ich wusste, wie es weitergehen würde. Auf diese Weise konnte ich sicher sein, am nächsten Tag weiterzukommen. Aber manchmal, wenn ich eine neue Geschichte anfing und nicht in Schwung kam, saß ich vor dem Kamin und quetschte die Schalen der kleinen Orangen über der Flamme aus und sah ihrem blauen Funkenstieben zu. Oder ich stand auf und schaute über die Dächer von Paris und dachte…

Da haben wir es: auch Hemingway betrieb astreine Prokrastination: Übertragen auf heute: Twittern und arbeiten. Weiter twittern, irgendwann wieder weiter arbeiten. Und aus dem Fenster schauen. Und irgendwann schreiben wir den wahrsten Tweet, den wir kennen.

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Hanns Guck in die Luft – Reloaded

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Der Struwwelpeter: Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft, Wikipedia

So war er, der Hans. Guckte in die Luft und stürzte allenthalben. Oder wie 1845 Heinrich Hoffmann im Struwwelpeter schrieb: «Vor die eignen Füße dicht, Ja, da sah der Bursche nicht,…». Da sich in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten die Gefahren für den modernen Hanns beträchtlich erhöht haben, bedarf die Aufmerksamkeitsdefizitstörung zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer Neuinterpretation. Heutzutage haben wir es mit Sturzgefährdeten zu tun, die gebannt in ihre mobilen Endgeräte glotzen. «Immer’s Handy vorm Gesicht, Ja, da sah der Bursche nicht, …». Etwas zeitgemäßer hat es @dunkeltron – stilecht via Twitter for Android – auf den Punkt gebracht:

dunkeltron

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Quote, Pathos und Filtersouveränität

Die heutige Twitkrit ist nur oberflächlich betrachtet an der Quote orientiert und pathetisch. Also nicht gleich weg klicken, sollten Euch die Tweets nicht zusagen. Danke, Ihr lest also offenbar weiter. Los geht’s:

Kommen wir zur Quote: herz_vs_kopf hat gestern einen Tweet geschrieben, der in weniger als einem Tag mehr als 100 mal geretweetet wurde. Kommt also sehr gut an der Tweet. Was so erfolgreich ist, kann nicht ganz schlecht sein. Ist es auch nicht:

herz-vs-kopf

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Was für Kinder gilt, darf getrost auch auf Erwachsene angewendet werden (und ist sicher auch so gedacht). Ich finde auch, dass Facebook-Nutzer mehr so am Rechner sitzen und weniger von unterwegs aus facebooken (obwohl das ja dank entsprechender Apps durchaus möglich wäre). Der mobil geteilte Content wird eher getwittert. Wenn die Voraussagen stimmen, dass bereits 2015 mehr Anwender mobil als stationär am Desktop ins Netz gehen werden, dann dürfte Twitter ja immer mehr Menschen gegen die Pfosten laufen lassen. Wir werden es sehen.

Nun zum Pathos-Tweet. Obwohl, so pathetisch ist der gar nicht, ich finde ihn einfach nur schön. Geschrieben von @serotonic:

serotonic

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Schön ist ja ein weiter Begriff, der von jedem einzelnen Menschen ganz subjektiv interpretiert wird. Schön ist – und das ist Konsens – positiv besetzt, aber wie gesagt individuell interpretierbar. Ich kann zum Beispiel etwas sehr schön finden, weil es mich interessiert. Lesen wir also «schön» als «interessant», steht da: «Das Internet ist interessant, weil Ihr interessant seid.». Dieser Tweet verdeutlicht somit recht gut, dass wir uns dank Filtersouveränität weitgehend unser eigenes Netz zusammenbauen. Die Sozialen Netze sind das beste Beispiel dafür. Das Internet ist, wenn wir so wollen, schön, weil wir unsere Filter auf schön geschaltet haben. Wenn wir es nicht nur schön haben wollen, nehmen wir in unsere Filter auch das Hässliche, das Unbequeme, das Störende mit auf und finden auch das schön. Versteht Ihr, was ich sagen will? Ja? Schön!

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Katzen

Katzen sind ein Dauerbrenner auf Twitter. Ein Thema, um das wir auch auf Twitkrit nicht ‘rum kommen (wollen). Vor Jahren hatten wir schon über LOL, Katzen geschrieben und fachliche Einblicke im Gastartikel von Internetkatzenexperte Svensonsan erhalten. Katzen sind im Web und auf Twitter aktueller denn je. Leute machen Katzenscannerbilder (Got a cat? Got a scanner?) und veröffentlichen Katzentweets am laufenden Twitterband. Eine kleine Auffrischung mit Tweets von @Regendelfin und @fragmente:

regendelfin

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fragmente1

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fragmente2

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