Ulla und die Sache mit dem Wagen.
Es gibt sie noch, die gute Werbung, straight auf den Punkt, dicht dran am Zeitgeschehen. So gesehen gestern bei Sixt, in unendlich vielen Tweets verlinkt mit folgender Seite:
Es gibt sie noch, die gute Werbung, straight auf den Punkt, dicht dran am Zeitgeschehen. So gesehen gestern bei Sixt, in unendlich vielen Tweets verlinkt mit folgender Seite:
In der Schule, damals, erinnert ihr euch auch noch? Also, jedenfalls sagten uns die lustigen schlechtgekleideten Erwachsenen in ihren karierten Sakkos, dass wir das meiste hier für’s Leben lernen würden. Und dass das lebenslange Lernen auch unser Leben lang nicht aufhören würde.
Dass es hier in unserem Land eine Art Zeugungsstreik der nicht werden wollenden Väter gäbe, und überhaupt, dass sie sich nicht kümmern würden, das haben wir alles mal gehört. Da gibt es dann Gespräche darüber, “warum wir keine Väter mehr werden wollen.”
Alles Pustekuchen. Da gibt es eine Horde junger Männer, die das ganz großartig finden, die Sache mit dem Vatersein. Die morgens in den Kindergarten fahren, und abends die Welt erklären. Dann sind es die kleinen Abschiede, die schwerfallen – wie bei to01:

Dann sind es die kleinen, ungewöhnlichen Reinigungsmethoden, die unser Herz spontan aufgehen lassen – für Herrn bjoerngrau und seinen Graugnom, das kleine Flusensieb.

Und es sind die vergeblichen Erziehungsversuche, die ghostdog19 seinem kleinen Ad-Mini angedeihen lassen will:

Vermutlich klingt das halt nur schlecht, die Generation Vater. Statt den üblichen Freitag-Taschen könnten sie dann eine Freitag-Wickeltasche mit spuckabwischbaren LKW-Planen tragen und – ach. Braucht es alles nicht, denn es läuft ja auch so. Manchmal wie ein kleiner Staubsauger, aber hey, Dreck reinigt den Magen, an dieser Stelle bitte nicht kleinlich sein.
Es gibt diese Tage, an denen einen die leise Ahnung beschleicht, dass irgendwas im Gange ist. Dass die Welt etwas im Schilde führt. Dass Dinge passieren, die einem leicht spanisch vorkommen. Hier ist doch was. Das müssen doch auch die anderen merken. Dass heute irgendwie nicht alles ist wie sonst.
Die Ursache dafür ist einem erstmal unbekannt, es ist eher so ein unerklärliches Gefühl. Dass irgendwas in der Luft liegt. Die ganze Zeit schaut man sich um, ob nicht jemand hinter einem geht, oder ob nicht gleich irgendwo eine versteckte Kamera auftaucht, und das ganze als einen sehr schlechten Witz mit einer miesen Pointe auflöst.
Vor allem in Berlin sollte man zur Zeit aufmerksam sein, wie @puppiges zeigt:

Es hatte ja auch früher niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten. Trotzdem kann sowas jederzeit aus Versehen passieren. Zur Zeit würde es einen ja auch nicht wirklich wundern. Das wäre eine hübsche Idee für Zensursula, diese ganzen Netzaktivisten und anderen digitalen Ferkel hinter ein analoges Stopschild aus Stein zu bringen. In Zukunft lohnt es sich jedenfalls, den Durchsagen des S-Bahn-Fahrers noch etwas genauer zuzuhören.
Der eine oder andere dürfte es schon mitbekommen haben – mein gesteigertes Interesse an gewissen, auf den ersten Blick niveaulosen, Fernsehsendungen. In Wirklichkeit ist das alles ganz anders – und das beste Beispiel ist eine meiner absoluten Favoritensendungen – „Bauer sucht Frau“. Hierbei spielt vor allem ein gewisses soziologisch ausgerichtetes Interesse eine Rolle, denn RTL schafft es jedes Jahr, ganz erstaunliche Fälle hinter irgendwelchen Strohballen hervorzucasten.
Es gibt da diesen Film namens „Eve und der letzte Gentleman“, mit Brendan Frasier, und die Geschichte geht irgendwie so: Ein Wissenschaftler schließt sich und seine schwangere Frau während der Kubakrise für 35 Jahre in einem Bunker ein, da er Angst vor einem Atomkrieg hat. Die Frau bringt da unten einen Jungen zur Welt, und in diesem Bunker wächst dieser zu einem absolut wohlerzogenen Gentleman heran. Nach Ablauf der 35 Jahre kommt er dann auf die Welt, die natürlich total roh und komisch ist, und dann gibt es da noch eine Frau, und irgendwie stolpert sich der letzte Gentleman dann so durch die Realität, mit einem Happy End.
Mit den Bauern ist das mit der Sozialisation in einem sozialen Vakuum ähnlich, nur irgendwie auch anders herum. Der absolute Härtefall war Bauer Jürgen – auf einem Hof am Arsch der Welt aufgewachsen, die einzige Frau, mit der er je mehr als nur ein Wort gewechselt hat, war seine Mutter – und mit 40 hatte er immer noch keine Freundin gehabt. So ähnlich sah er auch aus. Da kam dann Inga Bause in sein Leben, und mit RTL die dicken Scheinwerfer. Auf dem Hoffest traf Jürgen sich mit zwei Damen, die ihm einen Brief geschrieben hatten. Die eine ziemlich groß und schlank, die andere etwas kleiner und dicker. Als die Entscheidung näherrückte, welche der beiden mit ihm für eine Woche auf den Hof sollte, sagte die große Frau von sich aus, dass sie sich das mit Jürgen nicht vorstellen konnte. Also saß der Bauer neben seiner übrig gebliebenen Kandidatin, und nachdem diese meinte, dass jetzt wohl nur noch sie beide übrig wären, sagte er: „Naja, ein bisschen dünner wäre halt schon schön.“ Sie weinte daraufhin große Krokodilstränen, und seine hilflosen Versuche, irgendwas zu retten, machten alles nur noch schlimmer. Leider wollte sie nicht mehr mit ihm auf den Hof, obwohl er sie doch so nett noch fragte.
Im Verlauf des Abends lernte er dann eine Kandidatin kennen, die von einem anderen Bauern eine Abfuhr bekommen hatte, aber gerne bereit war, stattdessen mit Jürgen auf den Hof zu fahren. Mit dieser auch recht, sagen wir, aparten Dame, verbrachte er eine sehr platonische Woche. Doch vor einem Jahr trat Julia in sein Leben, nachdem sie ihn damals im Fernsehen gesehen hatte. Das wurde dann alles ganz toll mit Jürgen und Julia, und diesen November bekommen sie ihr erstes Baby.
Ohne RTL hätte der sympathische Ackerbauer Jürgen sicher keine Chance auf ein Happy End gehabt. Er stand auf Darwins Liste sozusagen nicht mal mehr drauf. In zwischenmenschlichen Beziehungen absolut unvermittelbar. Jetzt stellt er schonmal den „Stubenwagen“ auf, und sucht mit seiner phlegmatischen Frau einen Namen für das Kind, von dem er auf dem Ultraschallbild mal so genau gar nichts erkennen konnte. Dass die Frau, na sagen wir mal, etwas anders ist, bringt @luzilla auf den Punkt:

Dass der Ackerbauer Jürgen, na sagen wir mal, auch selbst ein bißchen komisch ist, sagt @Steffipunkt sehr schön in ihrem Tweet:

Ab September geht es für neue Bauern auf die Suche nach dem großen Glück. Da wird es viel zu erleben geben, wie das @haekelschwein und @riot36 schonmal schön in der Vorschau zeigen:



Für alle intellektuellen Nicht-Fernseher, die das hier gelesen haben: nein, hier wird jetzt nicht immer über Fernsehen geschrieben. Die Staffel geht ja auch erst im September los.
Tagsüber sitzt man da wie ein Hamster in seinem Laufrad, und wenn man ein bisschen Glück hat, steht ein Bildschirm im Käfig. Da kann man dann ein wenig daddeln, während man für den großen Laufradgeber Strom und andere Mehrwerte erzeugt. Das ist ein wenig mühsam, gelegentlich. Manchmal ist es spannend, aber eher selten, und ab und zu denkt man an das Geld auf dem Konto, das einem die Miete, das Essen, das Internet und den Strom für das Internetgerät bezahlt. So geht das ganz gut, und zwischendurch, wenn man das Glück hat, auch im Hamsterrad einen Internetanschluss zu haben, kann man mal schnell das World Wide Web aufmachen und dann nicht nur auf Spiegel.de rumsurfen und auf Bild.de rumklicken. Ne. Man kann auch die aktuellen Befindlichkeiten seiner selbst in seinen Twitterstream herausposaunen.
Spannender als die eigene Befindlichkeit ist dann nur noch das Zusammenspiel mit den anderen anwesenden Arbeitstieren im Käfig. Im Hamsterrad ist man vielleicht alleine, wenn jeder ein eigenes hat; aber im gesamten Käfig wird man meistens mit anderen Tieren zusammengepfercht wie sonst nur die kleinen Brathendl in der Legebatterie. Die lieben Kollegen, das ist ein ähnlich großartiges Twitterthema wie die lieben Nachbarn. Bei manchen liebgewonnen Streamteilnehmern sieht man die Kollegen schon ganz plastisch vor sich, man kennt sie wie die eigenen Käfigbewohner, und manchmal, da sieht man auf der Straße jemanden und denkt: Das ist doch bestimmt der Kollege vom Dingsbums. Gelegentlich, da haben die anderen Käfiginsassen auch noch ihre ganz besonderen Befindlichkeiten. Und davon haben dann alle was, wie der wunderbare Tweet von @eigenart zeigt:

Wunderbarerer als das ist es nur noch, wenn man die anderen Kollegen kennt. Also so per Du. In Wiesbaden, da gibt es ja ein kleines Nest von Leuten, weißte Bescheid, ne. Die leben da alle in kleinen Zweiergruppen mit ihren Hasen zusammen, und tagsüber, da lassen sie die Hasen alleine und gehen zusammen ins Hamsterrad. Das ist besonders schön. Und der @kcpr sagt auch wieso:

Zum Glück ist aber nicht in jedem Hamsterkäfig das lautstarke Abspielen von Popmusik gestattet.