Twitkrit

Wenn ich erst der Demografische Wandel geworden bin

Unser heutiger Gastautor @Pausanias beschwert sich nicht nur, dass auf Twitkrit gerade nicht so viel passiert, er ergreift die Initiative und schickt uns einen Gastbeitrag. Wenn er nicht twittert, versucht er, sich in seinem Blog zu benehmen. Wir finden das gut.
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Mein Leben, das geht so ab gerade. Da sind die Kinder, die zu betreuen sind, ich muss mit ihnen reimen und ihnen die Zähne putzen, da ist Politik zu verfolgen und es ist daran teilzunehmen, dann muss gearbeitet und die Buchhaltung gemacht werden, da muss Biofleisch ausgesucht und zubereitet werden und mitten in der Woche spielt plötzlich der BVB wieder in der Champions League – abends! Kurz: Ich befinde mich derzeit in der Rush Hour des Lebens. So sagt man. (Ist nicht eigentlich zur Rush Hour immer am meisten Stau? Naja, steht wohl auf einem anderen Blatt …)

Und manchmal, wenn ich in einem Aufzug mit Spiegel stehe, dann habe ich eine Minute, in der denke ich: Was kommt danach? Wozu diese Hektik, dieser Leistungsdruck, dieses ewige Spülmaschine-Ausräumen-to-Death? Und dann wird mir klar: Unmittelbar nach der Rush Hour des Lebens werde ich der Demografische Wandel sein. Und alle so: Oh Schreck!

Aber der Demografische Wandel wird anders sein als die Fratze, die wir heute allenthalben an die Wand malen, denn ich werde mit meiner Rush Hour des Lebens dafür sorgen, dass meinesgleichen sich anders verhält. Ich und meinesgleichen werden uns, bis wir zum Demografischen Wandel geworden sind, einen Alltag geschaffen haben, der ausgewogen ist, in dem zu gleichen Teilen Arbeit, Familie, Politik und Freizeit ihren Platz gefunden haben werden, wir werden dieses Leben führen, bis wir sterben. Wir werden nicht sechzig Jahre in einem langweiligen Job vertan haben, um danach die letzten dreißig Jahre damit zu verschwenden, gar nichts mehr zu tun. Wir werden die Rush Hour des Lebens zähmen und in einem Strom der Zufriedenheit alt werden. Und dann werden wir was ganz Tolles tun, nämlich das, was @Pia_Poulain vor einiger Zeit mit seherischen Fähigkeiten geweissagt hat:

Twitter    Pia_Poulain  Wenn ich Rentner bin  möch ...

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Von Ökologie und den Menschen

Unser heutiger Gastautor ist Dr. Martin Hermann Oetting. Bekannt ist er auf Twitter und dem Namen @oetting. Manchmal bloggt er, hauptberuflich ist er Twitterlesungsmoderator. Diese Twitkrit liegt bei uns schon bereits seit gefühlten Monaten herum. Wir haben es verschlampt, sie zeitnah zu veröffentlichen, finden sie aber viel zu schade fürs Endlager.
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Die Erkenntnis, dass wir Menschen hier auf Erden nur als Gäste unterwegs sind, ist nicht neu. Sie wird insbesondere dann herumgereicht, wenn wir mal wieder an irgendeiner Stelle Ökosysteme zerstören, Spezies dutzendweise ausrotten, oder irreperable Schäden hinterlassen, die unsere Kindeskinder mit großen Augen ob unserer gnadenlosen Rücksichtslosigkeit werden staunen lassen. Das Thema ist zeitlos.

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Gastkritik: Windowspöbeln

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Gastkritik von @enypsilon- Nicole Y. Männl, die als nebenberufliche Autonärrin und Vorzeigegeekgirl unter 0511web.de ihre Leidenschaften teilt. Doch manchmal haben auch Leidenschaften ihre dunkle, animalische – oft gewalttätige Seite. Nicole entschloss sich, diese bei uns zu veröffentlichen.
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Die Jugend ist ein seltsames Spiel

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Unser heutiger Gastautor ist @zlotylove. Im richtigen Leben macht er Musik und manchmal schreibt er auch darüber. Letzteres am liebsten auf dem wunderbaren Musikblog jahrgangsgeraeusche.de.

Die Jugend ist ein seltsames Spiel. Warten eigentlich heutzutage die Kids ständig auf den Eintritt in die so glamouröse Erwachsenenwelt? Und haben sie ein Recht darauf, sich in ihrem zarten Alter schon mit „unseren“ Themen zu beschäftigen?


So dolle ist dieses Leben nämlich gar nicht. Der Hobbykeller war da schon, wie sagt ihr, cooler. Früher waren Schamhaare noch ein Indiz für den Wechsel und den Sprung ins Verderben oder der Freifahrtschein, um in Kneipen einen Deckel machen zu dürfen. Heute sieht das schon anders aus. Wer die Instyle richtig rum halten kann, betritt das neue Zeitalter in Plateau-Heels. Erfahrung wird weggedisst. Lebenserfahrung steht auf Grabsteinen.

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Über Sinn und unter Sinn des Twitterns

Unser fleißiger Gastautor @wikipeter sinniert heute für uns über das, was dieses Twitter eigentlich ausmacht. Es folgt: Eine Grundsatzrede.

Eigentlich dürfte ich ja gar nicht über dieses Thema referieren. Ich bin ja noch so jung hier, gerade erst neun Monate „dabei“. Aber:

Immer wieder (und damit meine ich sowohl immer als auch immer wieder aufs Neue) werde ich gefragt, was das denn so auf sich habe mit diesem Twittern. Mit dieser ganzen öffentlichkeitsbezogenen Selbst… ähm… kasteiung. Ich muss gestehen, dass mir dazu auch nach dreivierteljähriger Erfahrung selten eine geeignete Ausrede einfällt. Und also sprach Wikipeter:

Twitterer (Twitteratis) nehmen sich Freiheiten heraus, die im Gesellschaftsmodell des beginnenden 21. Jahrhunderts so nicht vorgegeben sind, als da wären:

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Und hinten ist vorn

Eine hochphilosophische, einem traurigen Existentialismus verwandte und geradezu lyrische Gastkritik hat uns @wikipeter zugeschickt:

Wer sich der Fragwürdigkeit des Lebens bewusst ist und trotzdem ein Ziel anstrebt, ist ein Narr oder ein Held. Letztlich ist alles dasselbe. Verzweiflung in ihrer Ur-Natur zwingt uns Rollen auf, die wir nicht zu spielen wünschen; wir sind alle nur Statisten ohne nennenswerte Gage, die Hoffnung ist unser Vorschuss. Wir sind Künstler auf Zeit, meistens miserable, zwangsverpflichtet – und was blüht uns?

Die größten Erkenntnisse führen ins Nichts, wir stehen ärmer da, als wir angefangen haben. Armut ist also steigerungsfähig, und wir sehen uns gezwungen, an die Unendlichkeit zu glauben.

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Glaube gepaart mit Erkenntnis ist dennoch heikel. Der Intellektuelle bedarf der Lüge genau so wie jeder andere mit dem Unterschied: Er kann nicht betrogen werden. Er muss es selbst tun. Das verlangt höchste Kunstfertigkeit, man sollte diesen geistigen Handwerkern höchste Bewunderung zollen.

Und Applaus.

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