Twitkrit

Hundeinhalt

Die Rezeption eines erfolgreichen Tweets ist relativ einfach. Hierzu nimmt man 1. ein Tierbaby oder 2. man lässt es ein wenig Menscheln. Will man ganz sicher gehen, garantiert das Zusammenspiel beider Komponenten eine mindestens zweistellige Anzahl an Fav-Sternchen und Retweets.

@i_need_coffee spielt diese Karte ganz souverän:

coffee_bagger
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Die Autorin bringt diesen Tweet zur Perfektion, indem sie nicht nur die beiden zuvor genannten Erfolgsfaktoren elegant kombiniert, sondern bei dieser Gelegenheiten auch gleich noch die Männerkeule herausholt. Das sitzt.

Ganz offensichtlich bewegt sich @i_need_coffee im Genre der Twiktion – kein Mann würde den ganzen Tag lang einen kleinen scheißenden Hund als niedliches Accessoire mit sich herumtragen, nur um irgendwann zufällig einer Frau zu begegnen, die darauf anspringt. Wäre es nämlich so leicht, einer Frau den Kopf zu verdrehen, trügen schließlich alle Männer immerzu kleine Hundebabys mit sich herum.

Mit der Realität hat dieser Tweet also nichts zu tun – aber die besten Geschichten sind eh meist ausgedacht.

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Berlinscheiß

Berlin ist so cool, so sexy, so aufregend etc. Schließlich gibt es dort die geilsten Clubs, den heißesten Latte macchiato und die aufregendsten Projekte etc. Zuweilen nervt es aber auch gewaltig (hier kann man es hören, dort kann man es lesen).

Auch @carhartl ist die zunehmende urbane Uniformität nicht entgangen:

carhartl  In Mitte kann man sich bal ...

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Aber wer etwas genauer hinsieht, wird feststellen, dass Berlin mehr zu bieten hat als manikürte Agentur-Mütter, die tagsüber Espressovariationen aus großen Gläsern trinken und abends in ihren SUVs zu Vernissagen gondeln, um dort Prosecco aus langstieligen Gläsern zu schlürfen. Dafür müsste man allerdings die Bereitschaft mitbringen, die Ortsteile Prenzlauer Berg und Mitte zu verlassen.

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Kreisler weitergedacht

“Wie schön wäre Wien ohne Wiener?”, frug einst unser misanthropischer Lieblingsösterreicher Georg Kreisler. Aber das war in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals gab es noch kein Twitter. Noch nicht einmal Internet. Nur Rechenschieber, Magnetbänder und Lochkarten und dergleichen.

Mehr als drei Jahrzehnte dauerte es, bis @habichthorn diesen wunderbaren Gedanken weiterdachte:

habicht_menschen

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Man könnte das jetzt alles ganz leicht als Satire abtun. – Aber Georg Kreisler meint es ernst, @habichthorn meint es ernst und wir meinen es natürlich auch ernst.

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Falsche Versprechungen

Diese Menschen, was soll man immerzu mit ihnen reden? Am besten über das Wetter, darauf kann man sich schnell einigen, während man auf verregneten Sommerfesten steht. In der linken Hand ein Gläschen Prosecco, in der rechten Hand der kleine Teller mit den Schnitten darauf. Schon wieder vermisst man die dritte Hand, um einen Regenschirm aufzuspannen, weil es doch hierzulande im Sommer immerzu vom Himmel schüttet. Und so steht man da, auf diesem Sommerfest, mit Prosecco und Schnittchen und Menschen, mit denen man gar nicht reden will. Insgeheim wünscht man sich schon lange, dass alles bald vorbei gehen möge.

Das tut auch @gallenbitter:Twitter    gallenbitter  »Guck nur  das Wetter… die ...

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Aber auch hinsichtlich des erhofften Weltunterganges werden wir immerzu enttäuscht und auch im nächsten Jahr werden wir uns dann voraussichtlich bei Prosecco und Schnittchen auf Sommerfesten mit Menschen über das Wetter unterhalten müssen. Schlimm, das.

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Wo bleibt eigentlich die Romantik?

Unsere Timelines sind voll von netzpolitischen Diskursen und Links auf die lustigsten Viralkampagnen. Wir wissen, wo unsere Twitter-Freunde Kaffee trinken, und was ihnen ihre kleinen Brüder erzählen. Aber wo bleibt eigentlich die Romantik?

@BertaHelm erzählt uns eine ganz persönliche Geschichte:

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Dieser Tweet handelt von einem Menschen, an den sich die Autorin offenbar gern erinnert hat. Er berührt uns, weil auch wir uns an ein Musikstück und die Umstände erinnern, zu denen wir das erste Mal unsere Lippen an die eines anderen Menschen drückten. Bemerkenswert ist auch die Wendung zum Schluss: Gemeinhin gelten Mathegenies nicht als die besten Küsser auf dieser Welt. Aber das macht gar nichts. Obwohl man nicht wirklich zueinander passte, war es trotzdem schön.

Was liegt also näher, als sich nach vielen Jahren in den Weiten des Netzes noch einmal auf die Suche nach dem Jungen von damals zu machen? Doch er ist nicht zu finden. Es gibt kein Happy End. Jedenfalls nicht mit dem Mathegenie von damals.

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Gesünder leben

Frostschutzmittel im Wein, Würmer im Fisch, Gammelfleisch, BSE, Dioxin im Schwein, Gurken und Sprossen. Wir haben täglich einen neuen Lebensmittelskandal. Wir sind verunsichert. Wir wissen nicht mehr, wovon wir uns ernähren sollen. Einen pragmatischen Ausweg aus der Krise weist uns @fraeulein_tessa:

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Das edle Gesöff erfüllt seinen Zweck ganz fantastisch. In Maßen genossen belebt der in der Flasche gegärte Schaumwein unseren Kreislauf. Dank ihm finden wir überhaupt aus dem Bett heraus. In Massen genossen finden wir andersherum wieder ganz wunderbar hinein.

Wir wollen also fortan immer nur Cremant trinken – und außer durch unseren leichten Schips fallen wir damit in keiner Weise negativ auf. Schließlich geht dem Getränk elitäres Champagnergeschnösel vollkommen ab – und besser als der billige Schaumwein mit Herkunftsbezeichung aus dem Discounter mundet er unserem sensiblen Gaumen ebenfalls.

Falls Heinz Strunk noch einmal ein Buch schreiben muss, empfehlen wir den Titel: Cremant ist mein Fleisch und Gemüse. Prost und guten Appetit!

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