Twitkrit

#rp11 ist geschafft! Wir nicht!

Wir haben es überlebt, wir sind glücklich – es hat alles soweit geklappt mit der Twitterlesung auf der re:publica XI. Klar, so ein paar Macken gabs, Versprecher, nervöse Hakeleien auf der Präsentation, was solls. Dafür gabs dann den Failwhale in die Fresse. Währenddessen und hinterher. So sind wir.

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Geld verdienen mit Twitter III

Wir werden hier so langsam zum Zukunftsstrategieberatungsinstitut, aber das ist auch gut so. Denn, brotlose Kunst beiseite, es geht immer ums Eingemachte. Um Gurken. Um das, was satt macht. Alles andere ist Schnickischnacki. Konfetti.

Während es im ersten Teil unserer kleine Miniserie um abschreckende Beispiele ging und im zweiten Teil um das Schicksal von Stars wie Gaddafi und Sheen, wenden wir uns heute einem moralischen Aspekt zu.

Denn die Welt ist so geordnet, dass es gutes Geld gibt und böses.

Das gute ist zum Beispiel jener letzte Eurocent, den die verharmte Witwe aus dem Portmonee nestelt, um ein verbilligtes Brötchen vom Vortag beim Discounter zu erwerben. Oder BAföG, das ist auch gut. Vom Arbeitslosengeld II ganz zu schweigen. Alles gut.

Böses Geld ist das, das Miethaie und Börsenspekulanten in Tausenderbündeln in Spielbanken zum Fenster rausschmeißen, zum Beispiel. Oder für Koks und Nutten ausgeben. Geht gar nicht.

Geld ist also nicht an sich verwerflich. Klar, Asketen werden dem widersprechen, aber die sollen mal in ihren Hütten bleiben und die Fresse halten. So funktioniert Kapitalismus nicht.

Zurück zur Kohle.

Ob Geld gut oder böse ist, leitet sich einzig allein davon ab, WIE es erworben wurde. Banker machen Geld mit Geld. Eindeutig böse. Wussten die schon im Mittelalter und gläubige Moslems noch heute. Oder nehmen wir so eine Tuningbude, in der ungewaschene Macker mit Lust Karren aufmotzen zu rasenden Spritschleudern. Mit Lust! Bööööse!

Alles Bio hingegen ist gut! Macht nix kaputt, ist ungiftig, lecker irgendwie, schädigt nicht. Tiere nicht, Menschen nicht, Pachamama nicht, passt. [Ähm Moment, meine Biozigaretten... ach, egal]. Biobusiness ist also guuuut.

Was hat das jetzt mit Twitter zu tun? Das hier.

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Lutz und Gert, die oberschlauen Twitterschlingel

Hachja, unser Twitterversum bietet Schätze echter Kommunikationskunst. Kalaueristen, Politnasen, TV-Trasher, Kuschelbedürftige, Ein- und Auschecker – so kennen und lieben wir es. Zum kleinen Einmaleins der Twitterkundigen gehört die Erkenntnis, dass sich getwitterte Nachrichten in Minutenschnelle tausendfach verbreiten und erheblich Welle machen können. Ohne, dass man was tun muss.

Das ist natürlich den Marketingfritzen nicht verborgen geblieben. Coaches, Berater, Produktmanager, PR-Tanten und Selbstvermarkter haben die Bühne betreten und machen mit. Ich würde diese jetzt nicht in jedem Falle als Spammer bezeichnen. Jedoch sind viele ihrer Nachrichten inhaltsleer, wertlos, nur darauf ausgerichtet, ihre Produkte und Dienstleistungen unter das vermeintlich kaufbegierige Publikum zu bringen. Klick mich und du wirst glücklich – so lautet letztlich die unterschwellige Botschaft.

Diese KollegInnen haben die Angewohnheit, vielen Leuten zu folgen und wieder aus der Timeline zu kippen, wenn nicht zurückgefolgt wird. Der initiale Follow-Klick ist also im Grunde die erste Push-Aktion, mit der die dich zu ködern versuchen, denn man bekommt ja über jede Followingaktion eine E-Mailinfo. Kann nerven. Vor allem, wenn es pentrant wird, einem also dieser dämliche Account folgt, entfolgt, folgt, entfolgt – bis zum Erbrechen.

Nun gibt es im deutschen Twitterversum zwei Schlingel, die diesen Mechanismus auf die Spitze treiben. Ich vermute, fast jeder hat die schon mal zu Gesicht bekommen. Sie heißen Lutz Czieselski und Gert Vollrath. Wohnhaft in Berlin-Köpenick respektive Nürnberg.

Die beiden halten sich für oberschlaue Twitterschlingel. Wenn man die Twittersuche bemüht, findet man etwa 50 Accounts, die die beiden namentlich betreiben. Können aber auch noch mehr sein. Alle Accounts versprechen Reichtum und Erfolg. Die Botschaft lautet: Geld machen mit Internet kann jeder, selbst Doofe.

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Alles im Griff

Wiederhole diesen Hinweis gerne: es geht um die res publica, “Republik, die”. Öffentliche Sache. Soso…

Es gibt Menschen, die sich einsetzen für dieses Öffentliche, die delegiert werden von anderen Menschen, um in deren Namen zu handeln. Wir kennen diese Menschen als Politiker. Sie sollen die öffentliche Sache organisieren. Dafür sorgen, dass endlich mal was gutes im Fernsehen kommt; dass die Straßenbeleuchtung funktioniert; dass uns nicht jeder dahergelaufene Depp auf die Fresse haut.

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Nerdismus, Geißel unserer Zeit?

Ismen sind die Geißel unserer Zeit. Gut, heutzutage geht’s eigentlich soweit, aber die 100 Jahre davor, puuh, das war schon teilweise recht heftig. Viel Mord und Totschlag im Namen der Ismen, way too much.

Verständlich daher die Tendenz: Wir haben die Schnauze voll von Ismen und zwar von A – wie Abolitionismus – bis Z – wie Zynismus. Die Wikipedia zählt hunderte auf, einer schlimmer als der nächste.

Was macht einen richtigen Ismus aus? Es handelt sich um ein Gedankengebäude, eine fixe Idee von der Welt. Diese wird jener übergestülpt. Wenn die Erscheinungen der Welt nicht in den Ismus passen, dann wird die Welt eben passend gemacht. Das kann okay sein, beim Alkoholismus zum Beispiel, hat aber auch schon Millionen Menschenleben ausgelöscht. Die passten dem Ismus nicht in den Kram, um es mal völlig verharmlosend auszudrücken. Fazit: Die Ismen sind nicht gerade bekannt für eine tolerante Grundhaltung, für leben und leben lassen.

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