Twitkrit

Das Geschlecht des Faschismus

War Eva Braun Nazieuse? Nooaain, war doch nur ein verführtes Dummchen. War Leni Riefenstahl eine Faschatussi? Achwas, es handelte sich um eine begnadete Künstlerin, die unbedingt ihr geniales Werk in die Welt bringen musste. Die dürfen sowas. War überhaupt jemals eine Frau so eine richtige Faschistin? Vielleicht Frau Goebbels, aber handelte es dabei wirklich um ein weibliches Wesen? Wir wissen es nicht genau. Obwohl, fünf Kinder… Nungut, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jedenfalls liegt es doch ganz klar auf der Hand: Nazis waren Männer. Das ist bis heute nicht anders. Oder ist N*D-Zombie Holger A. aus Sachsen doch getransgendert? Ich will es gar nicht wissen…

Also: Nazis = Männer. Und: Männer = Nazis? Nee, komm, das geht zu weit. Jetzt hört’s mal auf.

Auf jeden Fall: Frauen ≠ Nazis. Das hat @mbukowski auf Twitter erfahren. Und Twitter lügt nie, ihr Deppen.

mbukowski

[Tweetlink]

Puh, bin ich froh, dass ich die Frauen so generell mag und Männer weniger, ich olle Hete. Nachher flirte ich noch 1 Fascho an. Das würde mich betrüben. Bei Frauen dagegen ist man per se auf der richtigen Seite.

Und was ist mit mir? Ich will doch kein Fascho werden *grein*. Wisst ihr was: ich lass mich umoperieren. Nächste Woche. Bestimmt. Sicher ist sicher.

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Der Schrei nach Zehen

Dass die Nutzung von Twitter nicht nur soziologische Millieustudien ermöglicht, sondern insbesondere Erkenntnisse zum körperlichen Selbstverständnis zeitgenösssicher Maschinennutzer, hatte ich bereits in einem bahnbrechenden Artikel ausgeführt. Damals ging es um Brüste.

Jetzt widme ich mich den Zehen.

[Hrhrhr <--- dies gilt dem verdrucksten Gekicher, das ich unter verfehlter Sexualisierung einordne. Das prangere ich noch nicht mal an.]

Es bleibt festzuhalten, dass die uns fernsten Körperteile einer gewissen Vernachlässigung unterliegen. Dreckige Füße sind jetzt nicht sooooo ein Problem, professionelle Fußpflege wird generell doch eher belächelt, während Coiffeure zum Beispiel vergöttert werden.

Auf eine weitere Diskriminierung machte mich dieser Tweet von @rozanna aufmerksam.

Rozanna

Tweet-Link

Gott schuf seinerzeit aus dem Nichts, indem er benamte. Was keinen Namen hat, das existiert nicht. Geringer kann man niemanden schätzen. Wobei man hinzufügen sollte, so das Ergebnis einer Kurzrecherche in Sachen Fußanatomie, dass die Wissenschaft den Zehen Namen gab: I, II, III, IV und V.

Nachdem das individuelle Schicksal geklärt wäre, betrachten wir die Zehen nun als Gemeinschaft. Vereint entwickeln die lustig wackelnden Kollegen unversehens begriffsprägende Kraft. Nach dem Größenverhältnis von Großer Zehe zu zweiter Zehe wird nämlich entschieden, ob du einen ägyptischen, römischen oder griechischen Fuß hast. Details erspare ich mir.

Weil, das zeigen die mit dem folgenden Screenshot dokumentierte, erschütternde Ballung negativer Emotionen auf einen #schwimmflossenzehentweet: das Thema ist heikel, tabuverriegelt, traumatisierend. Von Zehenzwischenräumen will kein Mensch was wissen.

Zehen

[Dieser Screenshot ist nicht gephotoshoppt!]

Es steht fest, dass sich bisher unterdrückte Sehnsüchte nach unmittelbarer Nähe zum fernsten Eigenen in solchen Botschaften materialisieren. Wem gelingt es schon, seine Füße zu küssen? Die Folgen solcher Zwangsferne sind bekannt: Frustration, Aggression. Ich höre daher in all diesen Vorkommnissen den Schrei nach Zehen.

Wie man sieht, ist Twitter der Anwalt alles Unterdrückten, Verachteten, Zukurzgekommenen. Und dass Zehen zu kurz sind, das kann nun wirklich niemand bestreiten.

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Was ist eigentlich… die Favstarmafia?

“Hier ist schon wieder eine Mail,” ruft unser Leserbetreuer Leo quer durch das Großraumbüro, in dem dutzende unserer Redakteure täglich Millionen Tweets verfolgen und auswerten. “So geht das nicht weiter, dazu müssen wir jetzt mal was machen,” meint grummelnd der CvD. “Klemm dich mal dahinter, Baranek.” “Wenn’s sein muss, ich schau mal,” meine ich und packe meine Geräte zusammen.

Tatsächlich erreichen uns jede Woche viele Mails zum Thema Favstarmafia. So fragt zum Beispiel Ronald M. aus Hamburg: “Ab und zu schaue ich mal bei diesem Onlineservice Favstar rein und wundere mich, dass da immer dieselben Leute in den Ranglisten auftauchen. Sind die wirklich so gut?” Konkreter wird Eugenia aus Beuren: “Dauernd lese ich auf Twitter Andeutungen über eine sogenannte Favstarmafia. Meine Frage daher: gibt es die wirklich und wie funktioniert das eigentlich?”

Wie man sich vorstellen kann, gestaltet sich die Recherche in den folgende Wochen alles andere als einfach. Ich telefoniere mit den Experten des Social Media Club und der Tweetakademie, fahre kreuz und quer durch die Republik, ermittle verdeckt an einschlägigen Treffpunkten der selbsternannten digitalen Bohéme. Doch die Mauer des Schweigens ist hoch. Niemand will mit der Sprache rausrücken. Man ergeht sich in Andeutungen, Vermutungen. Man wiegelt ab: “Alles totaler Quatsch, von Neidhammeln gestreut!” – oder sagt achselzuckend einfach gar nichts. Mich beschleicht das Gefühl: es herrscht ein Klima der Angst und des Terrors. Die Ergebnisse sind dementsprechend dürftig, aber es zeichnet sich ein Bild ab.

Gibt es die Favstarmafia überhaupt?

Schon diese Frage ist schwierig zu beantworten. Einen Hinweis gibt dieser Tweet des Anbieters der Plattform, auf der sich die mafiösen Machenschaften angeblich entfalten sollen.

Favstar

[Tweetlink]

Was war passiert? Favstar war offenbar für kurze Zeit nicht erreichbar. Interessant ist der letzte Satz: Gedankt wird den “Germans”, dass sie diesen Ausfall auf Twitter zum sogenannten trending topic gemacht haben. Offenbar hatten viele deutschsprachige Twitternutzer umgehend darauf hingewiesen, dass Favstar offline ist. International war es den Nutzer scheinbar völlig egal, ob Favstar funktioniert oder nicht. Klares Indiz für die Existenz mafiöser Strukturen hierzulande. Der Mafia ihr Betätigungsfeld zu entziehen, macht die Beteiligten extrem nervös. Denn sie können ihre Ziele nicht erreichen.

Was ist das Ziel der Favstarmafia?

Wie jede kriminelle Struktur beruht ihr Entstehen und ihre Verbreitung auf besonderen Umständen. Ohne Alkoholprohibition kein Al Capone. In unserer Zeit speist sich die kriminelle Energie aus den Gesetzen der herrschenden Aufmerksamkeitsökonomie. Auf Twitter gemünzt bedeutet das: wer wenig Follower hat, der gilt rein gar nichts. Der kann seine Botschaften nicht unter die Leute bringen. Wer hingegen tausende Follower hat, ist hoch angesehen, dessen Nachrichten genießen eine große Relevanz. Das Ziel der Favstarmafia ist daher: so viele Follower wie möglich für alle ihre Mitglieder. Das wird erreicht mit einer einfachen Logik: wer viel gefavt wird, der erscheint in vielen Listen oder wird sogar auf Twitter selbst empfohlen. Man scheint interessant zu sein. Die Folge: die Followerzahl wächst konstant und über das übliche Maß hinaus. Die Chance, wiederum viele Sternchen zu erhalten, steigt infolgedessen, was wiederum die Zahl der Follower beeinflusst usw. Eine perfekte Spirale nach oben.

Wie funktioniert die Favstarmafia?

Nach meinen Recherchen muss es sich um eine Verschwörung von mindestens 20, maximal aber 50 Twitternutzern handeln. Diese scheinen untereinander vereinbart zu haben, mehr oder weniger alle Tweets der anderen Mafiosi zu favorisieren. So ist zunächst eine Art Bodensatz entstanden, von dem aus sich das brutale Geschäft hervorragend entwickeln ließ. Die ersten Mitglieder der Mafia tauchten in den Listen auf. Es war dann ein leichtes, weitere Mitglieder nach oben zu bugsieren. Inzwischen scheint es so zu sein, dass sich Favstar fest im Würgegriff dieser Mafia befindet. Newcomer, die sich den Machenschaften verweigern, haben keine Chance.

Wer gehört zur Favstarmafia?

Leider kann ich dazu nichts sagen. Das Problem: es lässt sich nichts beweisen. Es existierten keine Belege, Mails oder Audiodokumente, von Fotos oder Videos ganz zu schweigen. Die Mafia schottet sich perfekt ab. Das Schweigegebot funktioniert. Im Gegenteil: Offenbar sind meine Recherchen den Beteiligten zu Ohren gekommen. Ständig erhalte ich offene Drohungen aus anonymen Quellen. “Schnauze halten, sonst kaufen wir deine VISA-Daten!” – “Wir veröffentlichen deine Logfiles bei YouPorn.” – “Deine Tochter ist bei Facebook. Fotos leaken, gefällig?” Das sind noch die harmloseren Beispiele. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Namen kann, will und darf ich an dieser Stelle nach eingehender Diskussion in der Redaktion daher nicht nennen. Eine interessante Beobachtung kann man allerdings machen: die Mafia scheint von weiblichen Mitgliedern beherrscht zu sein. Frauen stellen vermutlich die Mehrheit. Die männlichen Mitglieder werden eher in die Rolle abhängiger Lustsklaven gedrängt. Übrigens: in den Kommentaren dürfen durchaus Namen genannt werden. Wir garantieren höchste Vertraulichkeit soweit es unsere begrenzte Technik zulässt! Bekanntlich sind keine Daten total sicher. Darauf müssen wir leider hinweisen.

Was kann man gegen die Favstarmafia tun?

Zunächst mal: gesundes Misstrauen gegenüber allen Toplisten, die auf Favstar beruhen. Prüfen Sie die dort vorgestellten Tweets ganz besonders auf Qualität. Handelt es sich um echte sprachliche Perlen mit einer gewissen Originalität und hohem Unterhaltungswert? Oder doch eher um eskapistischen Sprachmüll auf Schenkelklopferniveau? Um halbgare Belanglosigkeiten, die zu surrealen Erkenntnissen aufgeblasen werden, je drastischer, desto besser? Um uralte und wieder aufgewärmte Kalauer? Um Flachwitze? Vertrauen Sie einfach Ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrem natürlichen Geschmacksgefühl. Und faven Sie die Tweets, die Ihnen gut gefallen. So graben wir dieser Pest das Wasser ab!

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Erdbeeren mit Sekt

Vorschlag zur Güte: ihr folgt mal @habichthorn

Wusss? Warumemmdössjettsss?

Pass mal auf: du willst es doch auch. Qualitätstweets. Also grundsätzlich mit ein bissi Sprachgefühl und sauberer Orthografie locker hingeschlenzte, schnörkellose Privatnachrichten. Natürlich aus einem spannenden Leben. Dein’s ist ja so öde.

Kannste haben. Also fast. Man muss es natürlich spannend finden, dieses aufstrebende grüne Milljöh im wutverwürgten Ländle. Stuttgart also. Hier ist jetzt, ich beurteile das aus eigener Anschauung, weder so richtig der Hund verfroren, noch geht voll die Post ab. Ist son Mittelding. Frau von Habicht mittenmang hineingeschleudert von irgendwoher, jedenfalls non-suebe, in grüne Politik, als Mitarbeiterin selbiger Fraktion im BW-Landtag. Welche bekanntermaßen grade nach der Macht greift, diese zumindest teilweise organisiert. Von diesen Erlebnissen im grünroten Politiklabor kann @habichthorn naturgemäß wenig detailliertes raushauen. Verbeitet wird daher aus diesen Vorgängen nur was presseöffentlich ist. Dafür recht früh.

Wobei, wenn ich mir den so anschaue…

habichthorn

[Tweetlink]

Stelle mir so vor, die verteilen da gerade in der sich bildenden grünroten Regierung so einiges an Jobs. So ein Politikwechsel will ja auch in der zweiten und dritten Ebene abgebildet werden. Weisse Bescheid.

Um Politik gehts es bei habichthorn allerdings meist nur am Rande. Denn: be aware of heavy tweeting! Die Timeline hat einiges an Durchsatz. Es wird fröhlich replied und rumgememt – kurzum: hier ist ein kommunikativer Mensch am Werk, der gerne grillt, Bier trinkt und es faustdick hinter den gewaschenen Ohren hat. Dazu eine Prise Mutterwitz. Wer so was mag, kann folgen. Die anderen, die sollen sich was schämen.

habichthorn

habichthorn

habichthorn

[Tweetlinks 1, 2, 3]

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Wichtige Dinge

Bevor…
ich von den wirklich wichtigen Dinge auf Twitter berichte, also zum Beispiel über die Twitter-Familie eines ehemaligen deutschen Tennisprofis, nationalem Sportdenkmals und seiner komplizierten Beziehungswelt, wollen wir uns dem Alltag auf Twitter zuwenden.

Genauer gesagt…
geht es um den feststofflichen Teil des Lebens, der nicht so funktioniert, wie er soll. Die Dinge enttäuschen doch generell. Beweise werden täglich auf Twitter geliefert, wenn Updates #epicfailen, iProdukte Daten horten, Bikes geklaut sind. Die Dinge bieten zweifelsohne Lust, sogar Nutzen, zu oft aber Verdruss. Sie erstaunen uns und halten überraschende Situationen bereit. Letzeres lese ich in diesem Tweet von @katti.

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Die nächste Lesung kommt bestimmt!

Twitkrit macht Twitterlesungen! Was das? Die besten Tweets aus den letzten Wochen werden präsentiert in einem launigen Lichtbildvortrag. In Kürze bestimmt auch in deiner Stadt.

Wer sich infomieren möchte über die letzte Lesung auf der re:publica X!, der klickt mal hier.

Es gibt noch mehr Artikel über zurückliegende Lesungen. Kommen in Kürze hier drauf.

Wer eine Lesung mit uns organisieren möchte, schreibt an kritiker@twitkrit.de

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