Twitkrit

Wenn Trolle getrollt werden, bildet sich ein Schwarzes Loch.

Ist das Internet böse? Voll mit Menschen, die Hass verbreiten, Angriffe starten, mobben? Jein. Das Internet ist ein Spiegel der Welt und die ist gut und böse zugleich. So einfach ist das. Das bedeutet: ja, es gibt hässliche Dinge in diesem Netz. Menschen, die verleumden, beschimpfen. Rassistische Drecksäcke. Menschenhasser. Idioten. Arschlöcher.

In Wahrheit ist es allerdings noch viel komplizierter. Menschen selbst sind komplexe Persönlichkeiten, habe gute und böse Seiten. Die Welt ist nicht trivial wie ein Fantasyroman, in dem die Bösen gegen die Holden kämpfen (und natürlich gewinnen), sondern selbst aufrechte Menschen können zuweilen versagen und ihre eigenen moralischen Grenzen überschreiten.

Die große Frage ist nun, ob die Anonymität bzw der Gebrauch von Pseudonymen eher geeignet ist, die nervigen Seiten von Menschen im Internet hervortreten zu lassen. Das dem so sei behauptet dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Als Beleg dienen sozialphsychologische Studien, die Unterschiede festgestellt haben wollen im Verhalten von Menschen, wenn sie digital anonym kommunizieren und wenn sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen.

Die zentrale These dieses Artikels findet sich bereits im Teaser des Artikels “In der Anonymität des Internets verlieren viele Menschen alle Hemmungen, sie pöbeln und schreiben rüde und hasserfüllte Kommentare. ”

Dieser Satz wurde heute Ausgangspunkt eines Meme auf Twitter. Hier ein paar Beispiele

Was wollen uns diese Tweets nun sagen? Die Botschaft ist: jemand aus den Medien hat mal wieder unser Internet beleidigt. Das empfinden wir als ungerecht, denn das Internet ist gut. Es ist heilig. Es kann per defitionem nicht schlecht sein. Wir wurden daher ganz schlimm getrollt. Und jetzt trollen wir zurück, indem wir darauf hinweisen, dass da draußen, also außerhalb des Web, der Umgangston auch nicht gerade fein ist.

Das finde ich gelinde gesagt merkwürdig. Erinnnert sich noch jemand an den Fall @einAugenschmaus vor ein paar Wochen? Es ging dabei um die Verunglimpfung einer der bekanntesten deutschen Twitterin und inzwischen Kandidatin der BW-Piraten für den Deutschen Bundestag. Seinerzeit verlief die Diskussion ungefähr so: ja, die Beleidigungen gegen @EinAugenschmaus sind unverschämt. Das ist alles ganz schlimm. Das muss aufhören. Wir solidarisieren uns mit dieser hervorragenden Vertreterin einer aufrechten politischen Kommunikation im Web und verurteilen den Pöbelton.

Tja, was nun? Gibt es jetzt Pöbeleien im Web oder nicht? Die Tweets oben sind daher mäßig lustig und Zeugnis einer Ideologie, die die Wirklichkeit ausblendet. Anstatt sich den diskutablen Thesen des SZ-Trolls zu stellen wird zurückgetrollt. Das Ergebnis ist allerdings: Nichts.

Wenn Trolle getrollt werden, bildet sich ein Schwarzes Loch.

Update:
Habe den Bezug zur P-Partei rausgenommen, weil es sich bei den zitierten Tweets vermutlich nicht vollständig um Vertreter derselben handelt.

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Warum Ironie im Internet insbesondere bei Herrn Ponader nicht funktioniert

Herr Ponader ist Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei und auf Twitter extrem aktiv. Vom Gebrauch der Ironie sollte er bei der Formulierung seiner Botschaften allerdings absehen, denn das geht immer öfter schief. Hier warum.

Piraten? Ach ja… Ich mache es gleich mal deutlich, bevor hier jetzt einer anfängt, daran rumzumosern: bin kein Freund von denen. Nicht persönlich nehmen, stehe einem anderen Verein nahe, seit Jahren. Das hat weder was mit aktuellen Positionen und Personen dieses Vereins zu tun, ist mehr so eine historische Sentimentalität. Meine egomanische Politmacke. Was ich selbst politisch denke? Eine verquere Mischung aus sozialer Gerechtigkeit, Internationalismus, ne Prise Marx, ne Prise Nietzsche, ne Prise Anarchismus. Ich habs ja gesagt: verquere Mischung.

Jedenfalls bin ich ziemlich radikaler Demokrat. One Woman, one Vote. Worauf ich ganz ungemütlich abgehe, ist das Ressentiment gegen die Politik im Allgemeinen und Politikerinnen im Besonderen. Ihr kennt das: die da oben machen sich die Taschen voll, einen faulen Lenz und uns gehts schlecht. Kann ich nicht ab.

Meine Gegenrede: Mach den Kram doch einfach selbst! Organisier dir eine Mehrheit und dann bist du dran, es besser zu machen! Viel Spaß!

Deswegen hatte ich für die Piraten zu Beginn eine ziemliche Sympathie. Die haben einfach mal gemacht und sich Mehrheiten organisiert. So muss es sein. Weil ich in Teilen sogar deren Inhalten zustimme, dachte ich mir: okay, sollen die mal machen. Was allerdings von beginn an abstoßend war, ist dieses Gelaber von den “Altparteien”. Habe ich als vielleicht notwendigen Reflex abgebucht: Identität ex negativo. Wenn man selber noch nicht so genau weiß, wer man ist, dann beginnt man erstmal damit, was man nicht ist.

Was ich auch erwartet habe, dass die Black-Box-Piraten, sobald sie mal beginnen notwendigerweise Positionen zu entwickeln, ziemliche Probleme kriegen. Das ist nun eingetreten. Es kristallieren sich Flügel heraus. Das halte ich für völlig normal. Findet man in jeder politischen Bewegung, seitdem es welche gibt. Es geht dabei um die interne Deutungshoheit politischer Begriffe. Wer bestimmt, was die Piraten eigentlich sind? Soziale Bewegung, IT-Selbständigen-Lobby-Verein, Adminpartei, Bürgerrechtsbewegung, Aluhut oder Spackeria? Man weiß es aktuell nicht so ganz genau. Und weil die Piraten sich selbst nicht einig sind, scheinen sie sich nun zu sortieren und bilden Seilschaften. Nix Neues unter der Sonne. Legitim. Mehrheiten organisieren! Das ist nun genau geschehen bei den Piraten unter dem Label “#Kollegium”!

Nun zu Herrn Ponader. Sicherlich ein netter Mensch, traf ihn mal kurz persönlich. Meines Erachtens aber als Politischer Geschäftsführer der Piraten eine Fehlbesetzung. Was macht ein GF einer Partei den ganzen Tag? Es geht um die Organisation des politischen Tagesgeschäfts, also zB mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Vor allem aber geht es darum, den Laden zusammenhalten. Auch wenn’s schwerfällt: ein GF muss Flügel integrieren, irgendwie alle zu ihrem Recht kommen lassen und darf keinen bevorzugen. Moderation ist das Stichwort.

Sagen wir es deutlich: von Herrn Lauer erwartet sowas niemand, der ist ein Wegbeißer, aber Ponader sollte sowas eigentlich leisten. Ponader kann aber aus seiner Haut nicht raus. Das kann man jeden tag auf Twitter besichtigen. Ich kapiere es nicht so genau, was er eigentlich gegen #Kollegium hat, aber gestern sah ich diesen Tweet

Was soll mir als nichtpiratigem Beobachter ein solcher Tweet sagen? Ist #Kollegium jetzt doch nur Verarsche, so ein Propaganda-Trick, wie Ponaders angeblicher Rücktritt (der vom ALG2)? Oder ist das alles nur ironisch gemeint? Denn, um es überhaupt zu verstehen, muss man wissen, dass @ideenkopierer, so kapiere ich das, der Account für die “frechen” Wahlplakate der Niedersachsenpiraten sind, die Markenwerbung teilweise ganz gewitzt plagiieren.

Fassen wir zusammen: Ponaders Tweet behauptet, vermutlich augenzwinkernd, es gäbe #Kollegium gar nicht, sondern das sei nur ein Fake der Plagiatsexperten aus Niedersachsen. Andersrum gesagt: Ponader meint, dass es #Kollegium gar nicht gibt. Dass dieser sich am selben Tag in Frankfurt konstituierende Flügel der Piratenpartei, der ja zumindest diskutable Thesen aufstellt, der zumindest versucht, Mehrheiten zu organisieren, dass dieser gar nicht existiert.

Ich dachte erst so: hm, achso, toll. Jetzt biste denen wieder auf den Leim gegangen. Bis mir dämmerte, nachdem ich nochmal so ein bisschen auf Twitter rumgesucht hatte, dass es vermutlich IRONISCH gemeint war. Ponader will also eigentlich sagen: #Kollegium ist doof und die sollen machen, dass sie verschwinden.

Ich frage mich nun: soll ich Ponaders sämtliche Tweets als ironisch einstufen? Alles unter Ironieverdacht stellen? Was kann ich dem überhaupt noch glauben? Muss ich bei jedem Tweet jetzt hinterherrecherchieren, ob da was dran ist, was der Politische GF der Piratenpartei auf Twitter kommuniziert? Ironie soll ja im Internet nicht funktionieren und ich muss dem leider zustimmen: ja, bei Herrn Ponader funktioniert Ironie ganz und gar kein bisschen überhaupt nicht.

Dass Ponader das wohl so langsam selbst einsieht, dass ihm das ein wenig aus dem Ruder läuft, das zeigt dieser Dialog von heute.

Johannes: Lass es!

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Lesung in Mannheim am 28.Juni 2012

Twitterlesung@StaBi_Mannheim. Mannheim und die Welt erklärt in Twitter.

Bei der „Twitterlesung @StabiMannheim“ präsentiert das Team von Twitkrit, eine Gruppe von Twitteraturkritikern, die besten Tweets des letzten Jahres in Form eines Microliteratur-Vortrags: Es werden die schönsten Perlen deutschsprachiger Twitterkunst hervorgegraben und fast Standup-Comedy-artig vorgetragen. Höhepunkt des Abends ist die so genannte Offlinetweet-Regionalmeisterschaft Kurpfalz: Nach so viel Anregung können die Zuhörerinnen und Zuhörer ihren Gedanken schließlich anhand von Karten freien Lauf lassen – der beste Beitrag wird prämiert. Aber Vorsicht: Nur 140 Zeichen sind erlaubt!

ORT: Zentralbibliothek im Stadthaus N1, Mannheim
Beginn: 19 Uhr

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@baranek
@bjoerngrau
@mspro

Eine Veranstaltung des Literatursommers 2012 der Baden-Württemberg Stiftung
Eintritt frei.

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Das Geschlecht des Faschismus

War Eva Braun Nazieuse? Nooaain, war doch nur ein verführtes Dummchen. War Leni Riefenstahl eine Faschatussi? Achwas, es handelte sich um eine begnadete Künstlerin, die unbedingt ihr geniales Werk in die Welt bringen musste. Die dürfen sowas. War überhaupt jemals eine Frau so eine richtige Faschistin? Vielleicht Frau Goebbels, aber handelte es dabei wirklich um ein weibliches Wesen? Wir wissen es nicht genau. Obwohl, fünf Kinder… Nungut, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jedenfalls liegt es doch ganz klar auf der Hand: Nazis waren Männer. Das ist bis heute nicht anders. Oder ist N*D-Zombie Holger A. aus Sachsen doch getransgendert? Ich will es gar nicht wissen…

Also: Nazis = Männer. Und: Männer = Nazis? Nee, komm, das geht zu weit. Jetzt hört’s mal auf.

Auf jeden Fall: Frauen ≠ Nazis. Das hat @mbukowski auf Twitter erfahren. Und Twitter lügt nie, ihr Deppen.

mbukowski

[Tweetlink]

Puh, bin ich froh, dass ich die Frauen so generell mag und Männer weniger, ich olle Hete. Nachher flirte ich noch 1 Fascho an. Das würde mich betrüben. Bei Frauen dagegen ist man per se auf der richtigen Seite.

Und was ist mit mir? Ich will doch kein Fascho werden *grein*. Wisst ihr was: ich lass mich umoperieren. Nächste Woche. Bestimmt. Sicher ist sicher.

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Der Schrei nach Zehen

Dass die Nutzung von Twitter nicht nur soziologische Millieustudien ermöglicht, sondern insbesondere Erkenntnisse zum körperlichen Selbstverständnis zeitgenösssicher Maschinennutzer, hatte ich bereits in einem bahnbrechenden Artikel ausgeführt. Damals ging es um Brüste.

Jetzt widme ich mich den Zehen.

[Hrhrhr <--- dies gilt dem verdrucksten Gekicher, das ich unter verfehlter Sexualisierung einordne. Das prangere ich noch nicht mal an.]

Es bleibt festzuhalten, dass die uns fernsten Körperteile einer gewissen Vernachlässigung unterliegen. Dreckige Füße sind jetzt nicht sooooo ein Problem, professionelle Fußpflege wird generell doch eher belächelt, während Coiffeure zum Beispiel vergöttert werden.

Auf eine weitere Diskriminierung machte mich dieser Tweet von @rozanna aufmerksam.

Rozanna

Tweet-Link

Gott schuf seinerzeit aus dem Nichts, indem er benamte. Was keinen Namen hat, das existiert nicht. Geringer kann man niemanden schätzen. Wobei man hinzufügen sollte, so das Ergebnis einer Kurzrecherche in Sachen Fußanatomie, dass die Wissenschaft den Zehen Namen gab: I, II, III, IV und V.

Nachdem das individuelle Schicksal geklärt wäre, betrachten wir die Zehen nun als Gemeinschaft. Vereint entwickeln die lustig wackelnden Kollegen unversehens begriffsprägende Kraft. Nach dem Größenverhältnis von Großer Zehe zu zweiter Zehe wird nämlich entschieden, ob du einen ägyptischen, römischen oder griechischen Fuß hast. Details erspare ich mir.

Weil, das zeigen die mit dem folgenden Screenshot dokumentierte, erschütternde Ballung negativer Emotionen auf einen #schwimmflossenzehentweet: das Thema ist heikel, tabuverriegelt, traumatisierend. Von Zehenzwischenräumen will kein Mensch was wissen.

Zehen

[Dieser Screenshot ist nicht gephotoshoppt!]

Es steht fest, dass sich bisher unterdrückte Sehnsüchte nach unmittelbarer Nähe zum fernsten Eigenen in solchen Botschaften materialisieren. Wem gelingt es schon, seine Füße zu küssen? Die Folgen solcher Zwangsferne sind bekannt: Frustration, Aggression. Ich höre daher in all diesen Vorkommnissen den Schrei nach Zehen.

Wie man sieht, ist Twitter der Anwalt alles Unterdrückten, Verachteten, Zukurzgekommenen. Und dass Zehen zu kurz sind, das kann nun wirklich niemand bestreiten.

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Was ist eigentlich… die Favstarmafia?

“Hier ist schon wieder eine Mail,” ruft unser Leserbetreuer Leo quer durch das Großraumbüro, in dem dutzende unserer Redakteure täglich Millionen Tweets verfolgen und auswerten. “So geht das nicht weiter, dazu müssen wir jetzt mal was machen,” meint grummelnd der CvD. “Klemm dich mal dahinter, Baranek.” “Wenn’s sein muss, ich schau mal,” meine ich und packe meine Geräte zusammen.

Tatsächlich erreichen uns jede Woche viele Mails zum Thema Favstarmafia. So fragt zum Beispiel Ronald M. aus Hamburg: “Ab und zu schaue ich mal bei diesem Onlineservice Favstar rein und wundere mich, dass da immer dieselben Leute in den Ranglisten auftauchen. Sind die wirklich so gut?” Konkreter wird Eugenia aus Beuren: “Dauernd lese ich auf Twitter Andeutungen über eine sogenannte Favstarmafia. Meine Frage daher: gibt es die wirklich und wie funktioniert das eigentlich?”

Wie man sich vorstellen kann, gestaltet sich die Recherche in den folgende Wochen alles andere als einfach. Ich telefoniere mit den Experten des Social Media Club und der Tweetakademie, fahre kreuz und quer durch die Republik, ermittle verdeckt an einschlägigen Treffpunkten der selbsternannten digitalen Bohéme. Doch die Mauer des Schweigens ist hoch. Niemand will mit der Sprache rausrücken. Man ergeht sich in Andeutungen, Vermutungen. Man wiegelt ab: “Alles totaler Quatsch, von Neidhammeln gestreut!” – oder sagt achselzuckend einfach gar nichts. Mich beschleicht das Gefühl: es herrscht ein Klima der Angst und des Terrors. Die Ergebnisse sind dementsprechend dürftig, aber es zeichnet sich ein Bild ab.

Gibt es die Favstarmafia überhaupt?

Schon diese Frage ist schwierig zu beantworten. Einen Hinweis gibt dieser Tweet des Anbieters der Plattform, auf der sich die mafiösen Machenschaften angeblich entfalten sollen.

Favstar

[Tweetlink]

Was war passiert? Favstar war offenbar für kurze Zeit nicht erreichbar. Interessant ist der letzte Satz: Gedankt wird den “Germans”, dass sie diesen Ausfall auf Twitter zum sogenannten trending topic gemacht haben. Offenbar hatten viele deutschsprachige Twitternutzer umgehend darauf hingewiesen, dass Favstar offline ist. International war es den Nutzer scheinbar völlig egal, ob Favstar funktioniert oder nicht. Klares Indiz für die Existenz mafiöser Strukturen hierzulande. Der Mafia ihr Betätigungsfeld zu entziehen, macht die Beteiligten extrem nervös. Denn sie können ihre Ziele nicht erreichen.

Was ist das Ziel der Favstarmafia?

Wie jede kriminelle Struktur beruht ihr Entstehen und ihre Verbreitung auf besonderen Umständen. Ohne Alkoholprohibition kein Al Capone. In unserer Zeit speist sich die kriminelle Energie aus den Gesetzen der herrschenden Aufmerksamkeitsökonomie. Auf Twitter gemünzt bedeutet das: wer wenig Follower hat, der gilt rein gar nichts. Der kann seine Botschaften nicht unter die Leute bringen. Wer hingegen tausende Follower hat, ist hoch angesehen, dessen Nachrichten genießen eine große Relevanz. Das Ziel der Favstarmafia ist daher: so viele Follower wie möglich für alle ihre Mitglieder. Das wird erreicht mit einer einfachen Logik: wer viel gefavt wird, der erscheint in vielen Listen oder wird sogar auf Twitter selbst empfohlen. Man scheint interessant zu sein. Die Folge: die Followerzahl wächst konstant und über das übliche Maß hinaus. Die Chance, wiederum viele Sternchen zu erhalten, steigt infolgedessen, was wiederum die Zahl der Follower beeinflusst usw. Eine perfekte Spirale nach oben.

Wie funktioniert die Favstarmafia?

Nach meinen Recherchen muss es sich um eine Verschwörung von mindestens 20, maximal aber 50 Twitternutzern handeln. Diese scheinen untereinander vereinbart zu haben, mehr oder weniger alle Tweets der anderen Mafiosi zu favorisieren. So ist zunächst eine Art Bodensatz entstanden, von dem aus sich das brutale Geschäft hervorragend entwickeln ließ. Die ersten Mitglieder der Mafia tauchten in den Listen auf. Es war dann ein leichtes, weitere Mitglieder nach oben zu bugsieren. Inzwischen scheint es so zu sein, dass sich Favstar fest im Würgegriff dieser Mafia befindet. Newcomer, die sich den Machenschaften verweigern, haben keine Chance.

Wer gehört zur Favstarmafia?

Leider kann ich dazu nichts sagen. Das Problem: es lässt sich nichts beweisen. Es existierten keine Belege, Mails oder Audiodokumente, von Fotos oder Videos ganz zu schweigen. Die Mafia schottet sich perfekt ab. Das Schweigegebot funktioniert. Im Gegenteil: Offenbar sind meine Recherchen den Beteiligten zu Ohren gekommen. Ständig erhalte ich offene Drohungen aus anonymen Quellen. “Schnauze halten, sonst kaufen wir deine VISA-Daten!” – “Wir veröffentlichen deine Logfiles bei YouPorn.” – “Deine Tochter ist bei Facebook. Fotos leaken, gefällig?” Das sind noch die harmloseren Beispiele. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Namen kann, will und darf ich an dieser Stelle nach eingehender Diskussion in der Redaktion daher nicht nennen. Eine interessante Beobachtung kann man allerdings machen: die Mafia scheint von weiblichen Mitgliedern beherrscht zu sein. Frauen stellen vermutlich die Mehrheit. Die männlichen Mitglieder werden eher in die Rolle abhängiger Lustsklaven gedrängt. Übrigens: in den Kommentaren dürfen durchaus Namen genannt werden. Wir garantieren höchste Vertraulichkeit soweit es unsere begrenzte Technik zulässt! Bekanntlich sind keine Daten total sicher. Darauf müssen wir leider hinweisen.

Was kann man gegen die Favstarmafia tun?

Zunächst mal: gesundes Misstrauen gegenüber allen Toplisten, die auf Favstar beruhen. Prüfen Sie die dort vorgestellten Tweets ganz besonders auf Qualität. Handelt es sich um echte sprachliche Perlen mit einer gewissen Originalität und hohem Unterhaltungswert? Oder doch eher um eskapistischen Sprachmüll auf Schenkelklopferniveau? Um halbgare Belanglosigkeiten, die zu surrealen Erkenntnissen aufgeblasen werden, je drastischer, desto besser? Um uralte und wieder aufgewärmte Kalauer? Um Flachwitze? Vertrauen Sie einfach Ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrem natürlichen Geschmacksgefühl. Und faven Sie die Tweets, die Ihnen gut gefallen. So graben wir dieser Pest das Wasser ab!

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