Herr Ponader ist Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei und auf Twitter extrem aktiv. Vom Gebrauch der Ironie sollte er bei der Formulierung seiner Botschaften allerdings absehen, denn das geht immer öfter schief. Hier warum.

Piraten? Ach ja… Ich mache es gleich mal deutlich, bevor hier jetzt einer anfängt, daran rumzumosern: bin kein Freund von denen. Nicht persönlich nehmen, stehe einem anderen Verein nahe, seit Jahren. Das hat weder was mit aktuellen Positionen und Personen dieses Vereins zu tun, ist mehr so eine historische Sentimentalität. Meine egomanische Politmacke. Was ich selbst politisch denke? Eine verquere Mischung aus sozialer Gerechtigkeit, Internationalismus, ne Prise Marx, ne Prise Nietzsche, ne Prise Anarchismus. Ich habs ja gesagt: verquere Mischung.

Jedenfalls bin ich ziemlich radikaler Demokrat. One Woman, one Vote. Worauf ich ganz ungemütlich abgehe, ist das Ressentiment gegen die Politik im Allgemeinen und Politikerinnen im Besonderen. Ihr kennt das: die da oben machen sich die Taschen voll, einen faulen Lenz und uns gehts schlecht. Kann ich nicht ab.

Meine Gegenrede: Mach den Kram doch einfach selbst! Organisier dir eine Mehrheit und dann bist du dran, es besser zu machen! Viel Spaß!

Deswegen hatte ich für die Piraten zu Beginn eine ziemliche Sympathie. Die haben einfach mal gemacht und sich Mehrheiten organisiert. So muss es sein. Weil ich in Teilen sogar deren Inhalten zustimme, dachte ich mir: okay, sollen die mal machen. Was allerdings von beginn an abstoßend war, ist dieses Gelaber von den “Altparteien”. Habe ich als vielleicht notwendigen Reflex abgebucht: Identität ex negativo. Wenn man selber noch nicht so genau weiß, wer man ist, dann beginnt man erstmal damit, was man nicht ist.

Was ich auch erwartet habe, dass die Black-Box-Piraten, sobald sie mal beginnen notwendigerweise Positionen zu entwickeln, ziemliche Probleme kriegen. Das ist nun eingetreten. Es kristallieren sich Flügel heraus. Das halte ich für völlig normal. Findet man in jeder politischen Bewegung, seitdem es welche gibt. Es geht dabei um die interne Deutungshoheit politischer Begriffe. Wer bestimmt, was die Piraten eigentlich sind? Soziale Bewegung, IT-Selbständigen-Lobby-Verein, Adminpartei, Bürgerrechtsbewegung, Aluhut oder Spackeria? Man weiß es aktuell nicht so ganz genau. Und weil die Piraten sich selbst nicht einig sind, scheinen sie sich nun zu sortieren und bilden Seilschaften. Nix Neues unter der Sonne. Legitim. Mehrheiten organisieren! Das ist nun genau geschehen bei den Piraten unter dem Label “#Kollegium”!

Nun zu Herrn Ponader. Sicherlich ein netter Mensch, traf ihn mal kurz persönlich. Meines Erachtens aber als Politischer Geschäftsführer der Piraten eine Fehlbesetzung. Was macht ein GF einer Partei den ganzen Tag? Es geht um die Organisation des politischen Tagesgeschäfts, also zB mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Vor allem aber geht es darum, den Laden zusammenhalten. Auch wenn’s schwerfällt: ein GF muss Flügel integrieren, irgendwie alle zu ihrem Recht kommen lassen und darf keinen bevorzugen. Moderation ist das Stichwort.

Sagen wir es deutlich: von Herrn Lauer erwartet sowas niemand, der ist ein Wegbeißer, aber Ponader sollte sowas eigentlich leisten. Ponader kann aber aus seiner Haut nicht raus. Das kann man jeden tag auf Twitter besichtigen. Ich kapiere es nicht so genau, was er eigentlich gegen #Kollegium hat, aber gestern sah ich diesen Tweet

Was soll mir als nichtpiratigem Beobachter ein solcher Tweet sagen? Ist #Kollegium jetzt doch nur Verarsche, so ein Propaganda-Trick, wie Ponaders angeblicher Rücktritt (der vom ALG2)? Oder ist das alles nur ironisch gemeint? Denn, um es überhaupt zu verstehen, muss man wissen, dass @ideenkopierer, so kapiere ich das, der Account für die “frechen” Wahlplakate der Niedersachsenpiraten sind, die Markenwerbung teilweise ganz gewitzt plagiieren.

Fassen wir zusammen: Ponaders Tweet behauptet, vermutlich augenzwinkernd, es gäbe #Kollegium gar nicht, sondern das sei nur ein Fake der Plagiatsexperten aus Niedersachsen. Andersrum gesagt: Ponader meint, dass es #Kollegium gar nicht gibt. Dass dieser sich am selben Tag in Frankfurt konstituierende Flügel der Piratenpartei, der ja zumindest diskutable Thesen aufstellt, der zumindest versucht, Mehrheiten zu organisieren, dass dieser gar nicht existiert.

Ich dachte erst so: hm, achso, toll. Jetzt biste denen wieder auf den Leim gegangen. Bis mir dämmerte, nachdem ich nochmal so ein bisschen auf Twitter rumgesucht hatte, dass es vermutlich IRONISCH gemeint war. Ponader will also eigentlich sagen: #Kollegium ist doof und die sollen machen, dass sie verschwinden.

Ich frage mich nun: soll ich Ponaders sämtliche Tweets als ironisch einstufen? Alles unter Ironieverdacht stellen? Was kann ich dem überhaupt noch glauben? Muss ich bei jedem Tweet jetzt hinterherrecherchieren, ob da was dran ist, was der Politische GF der Piratenpartei auf Twitter kommuniziert? Ironie soll ja im Internet nicht funktionieren und ich muss dem leider zustimmen: ja, bei Herrn Ponader funktioniert Ironie ganz und gar kein bisschen überhaupt nicht.

Dass Ponader das wohl so langsam selbst einsieht, dass ihm das ein wenig aus dem Ruder läuft, das zeigt dieser Dialog von heute.

Johannes: Lass es!

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Sven

Was soll mir dein langer Eintrag jetzt eigentlich vermitteln? Ironie funktioniert deswegen nicht im Internet, weil nicht jeder denselben Wissenstand hat, weil jeder andere Assoziationen hat und nicht, weil der Ponader es nicht kann. Das ist bei Witzen dasselbe, der eine versteht sie, der andere nicht. Das ist nichts negatives, denn wenn jeder alles Wissen würde, wenn jeder dieselben Informationen hätte und wenn jeder dasselbe Denken würde, wäre das leben langweilig.

Ich persönlich finde den vorletzten Tweet von ihm witzig und ich kann da durchaus die Ironie raus lesen.

Gepostet von Sven am 16. Dezember 2012 um 16:24.