Die Rezeption eines erfolgreichen Tweets ist relativ einfach. Hierzu nimmt man 1. ein Tierbaby oder 2. man lässt es ein wenig Menscheln. Will man ganz sicher gehen, garantiert das Zusammenspiel beider Komponenten eine mindestens zweistellige Anzahl an Fav-Sternchen und Retweets.

@i_need_coffee spielt diese Karte ganz souverän:

coffee_bagger
[Link]

Die Autorin bringt diesen Tweet zur Perfektion, indem sie nicht nur die beiden zuvor genannten Erfolgsfaktoren elegant kombiniert, sondern bei dieser Gelegenheiten auch gleich noch die Männerkeule herausholt. Das sitzt.

Ganz offensichtlich bewegt sich @i_need_coffee im Genre der Twiktion – kein Mann würde den ganzen Tag lang einen kleinen scheißenden Hund als niedliches Accessoire mit sich herumtragen, nur um irgendwann zufällig einer Frau zu begegnen, die darauf anspringt. Wäre es nämlich so leicht, einer Frau den Kopf zu verdrehen, trügen schließlich alle Männer immerzu kleine Hundebabys mit sich herum.

Mit der Realität hat dieser Tweet also nichts zu tun – aber die besten Geschichten sind eh meist ausgedacht.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Wolf

Ähm, da steht im Tweed doch ‘mich anbaggern’ und nicht allgemein ‘Frauen anbaggern’!

Das wäre ja nun ziemlich bescheuert, wenn Männer nun kontinentalweit Tierheime plündern würden, nur in der Hoffnung irgendwo dem niedlichen Fräulen I_need_coffee zu begegnen.

Da die Tweedgeberin der Männerwelt allerdings dankenswerterweise eine genauere geographische Bestimmun ihres aktuellen Jagdreviers zur Verfügung stellt, könnte dies natürlich nun auf Sylt durchaus zu einem verstärkten Welpenträgeraufkommen führen, insbesondere in Strandkorbnähe. Das Zurhandhaben einer Chipstüte und ein beträntes Deklamieren von Plath-Gedichten (natürlcih auswendig!) könnte vielleicht zusätzlich die Chance erhöhen mit der holden Wesenheit die Bequemlichkeiten diverser Hamburg-Altonaer Umkleidekabinen kennen zu lernen.

Man sollte allerdings darauf gefasst sein, dass das so vielfach bezirzte Wunderwesen mit durchaus repektabler Beinausstattung diese einer Lieblingshose verunnahbart, deren muster- und farbliche Gestaltung eher an Oberkörpertatoos von Lebenslänglichen in Santa Fu erinnert.

Gepostet von Wolf am 21. Juli 2011 um 17:22.
bosch

@Wolf: Vor allem mal steht das im Tweet.

Gepostet von bosch am 21. Juli 2011 um 17:28.
Wolf

@bosch

Na ja, Interpretationssache.

Für mein Gefühl nimmt sie sich eher selbst auf den Arm ob ihrer Verfänglichkeit für den Canidae-Nachwuchs.

Und der Gebrauch des Hundes als Paarungsgelegenheitenermöglichungsgehilfe ist ja nun doch weithin erprobt und als durchaus dienlich anerkannt – egal welches Geschlecht sich nun an der dunklen Seite der Leine befindet.

Dass das nun nicht allgemeiner Usus ist, liegt m.E. weniger an der allgemeinen Wirkungslosigkeit als vielmehr an einer gewissen Umständlichkeit in der Lebensführung wenn man die Tieranschaffung nur aus diesem Grunde bedächte.

Hm, man sollte mal über ne Website zum Welpen-Sharing nachdenken … puppy-dog-sharing.com

Katzen gehen auch, aber wenn man die im Park an der Leine vorführt gilt man leider oft als Tierquäler.

Gepostet von Wolf am 21. Juli 2011 um 17:50.
Fabs

Nein, das ist keine Interpretationssache. Es steht wirklich im TweeT. :)

TweeD = Entweder ein Textilgewebe oder ein Fluss in England.

Gepostet von Fabs am 21. Juli 2011 um 19:03.
Wolf

@Fabs

OK OK, jetzt hab ich’s endlich kapiert, peinlich, sich so ungeschickt als social-network-non-native zu outen, wo’s ja doch nur zum Kommentareschreiben reicht. … ist ja fast wie im Bikini zur Papstaudience.
Zur Selbstbestrafung und damit ich was fürs Leben lerne: Tweet Tweet Tweet Tweet Tweet I_Tweet_coffee, Tweet, Tweet … (ohne C&P geschrieben!)

Gepostet von Wolf am 21. Juli 2011 um 19:32.
Addliss

Ich hau’ mal meine eigene Krit an dieser TwitKrit raus: Was du, lieber bosch, meinst, ist das Rezept für einen Tweet, nicht die Rezeption. Die Rezeption gibt’s nämlich nur auf Tweet-Leser-Seite, wenn der Tweet schon fertig ist.

Nichts für ungut, ansonsten schöne TwitKrit! :)

Gepostet von Addliss am 23. Juli 2011 um 20:00.
bosch

Lieber Addliss,

wie so oft kann auch hier ein Blick in die geschätzte Online-Enzyklopädie hilfreich sein. Dort heißt es:

“In der Kunstrezeption übernimmt ein Künstler bewusst künstlerische Einfälle, Werkformen und Stile vergangener Kunstepochen. Der Begriff wird aber auch gebraucht für die Art und Weise der Aufnahme von Werken durch die Öffentlichkeit, also des Betrachters, Hörers oder Lesers im Verlauf der Geschichte und beginnt z. B. mit der Interpretation und Wertung des Kunsthistorikers.”

http://de.wikipedia.org/wiki/Rezeption_(Kunst)

Wir hoffen, Ihnen gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

bosch

Gepostet von bosch am 23. Juli 2011 um 23:11.