Twitkrit

Lorioteske Bilder

Von Loriot war bisher auf Twitkrit kaum die Rede. Ein Missstand, der nach 40 Monaten beseitigt gehört. Kollege @bosch hat ihn immerhin mal indirekt ins Spiel gebracht [12/2008: Früher war (nicht) alles besser]; Gastautor @saschalobo erwähnte ihn zurecht als Komiker, der in Deutschland keinen ebenbürtigen Nachfolger habe [05/2009: @saschalobo macht übern teich].

Gut, mittlerweile gibt es Loriot auch auf Twitter. Nicht live, aber in homöopathischen Dosen aus dem Archiv. Einmal am Tag bringt er ein Lächeln ins Gesicht der Loriots-Fans, die dem Account @loriot_vicco folgen. Um ein tagesaktuelles Beispiel anzuführen: heute ging es um meine Heimatstadt Saarbrücken. Der Klassiker ist sogar mit Loriot’schem Bewegtbild verlinkt (wer’s anschauen mag, sollte sich beeilen, die Filme verschwinden manchmal recht schnell von der Videobühne):

loriot_vicco

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Natürlich wäre es wunderbar, twitterte der gute Loriot, bzw. sein Schöpfer Victor von Bülow, selbst. Doch immerhin wird den jungen Menschen sein Œuvre auf diesem Weg näher gebracht. Und außerdem gibt es die begnadeten Twitterer, die lorioteske Bilder in unseren Köpfen schaffen, etwa, wenn sie von den Tücken des Alltags berichten. Echte Freunde der Komik Loriots sehen die passenden Bilder dazu vor dem geistigen Auge. Solch einen Loriot-Sketch provozierenden Tweet hat heute @lotterleben geschrieben:

lotterleben

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Niesl-O

Der Mensch ist ein Gewöhnungstier, so sagt man. Viel zu schnell nimmt man Dinge als gegeben hin: Das Regenwetter im Sommer, überfüllte Straßenbahnen, den Menschen, der nachts im Bett neben einem liegt. Erst, wenn plötzlich etwas anders ist, fällt uns das auf. @da_niesl geht es beim Getränkekonsum so:

niesl-o

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Beruhigend, wenn jemand in der Nähe ist, der einem sofort sagen kann, was nicht stimmt. Noch besser ist allerdings, wenn diese Person auch Abhilfe zu verschaffen mag.

(Pro-Tipp: Wodka-O schmeckt noch besser, wenn man den Wodka durch Campari ersetzt.)

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Keine Ottermeinung

Die vierte Macht im Staate regiert. Wir leben in einer Diktatur der Medien, können nicht mehr aus dem Hause gehen, ohne dass uns ein Mikrofon vor die Nase gehalten wird: Google+, Norwegen, Amy Winehouse. Zu allem müssen wir jederzeit eine qualifizierte Meinung in Richtung Poppschutz abspulen können.

Damit muss Schluss sein. Wir können nicht mehr. Wir sind vor lauter Interviews müde geworden. Endlich fängt jemand an, sich diesem Meinungsstress zu entziehen. Eigentlich ist es ganz einfach. Man braucht nur zu sagen, dass man zu diesem oder jenem Thema gerade einmal keine Meinung hat. Schon bald wird man nie wieder etwas gefragt werden. So wie @bangpowwww:

ottermeinung
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@bangpowwww durchbricht mit größtmöglicher Radikalität den scheinbar endlosen und offensichtlich sinnlosen Kreislauf von Fragen und Antworten. Dafür zollen wir ihr Respekt und sagen artig Danke.

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Twitter ist auch Philosophie

Twitter ist zu einem guten Teil auch Philosophie. In unserem Twitterbuch hatte ich die Ehre (Pflicht… Verantwortung… you name it) das Kapitel Philosophie zu betreuen. Es gibt Menschen, die reflektieren in ihren Kurzmitteilungen (meist) kritisch ihr Handeln in unterschiedlichsten Lebensbereichen. Es geht auf Twitter in der Tat immer mal wieder philosophisch zu. Und das macht neben all den anderen Funktionen des Microbloggens einen nicht unwichtigen Teil seines Reizes aus. Sowohl für die Sender als auch für die Empfänger der philosophischen Tweets.

Was suchen wir auf Twitter? Etwa die Wahrheit? Oder doch eher die Fiktion? Ist es die Suche nach Autonomie, die uns hier umtreibt, oder gar die nach dem Sinn des Lebens? Ich mag besonders Tweets, die innehalten im Strom des alltäglichen Treibens und ganz unverhofft die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns nicht nur stellen, sondern gleichsam an den Leser den Appell richten, sich diese Frage doch einmal selbst zu stellen. So fragt zum Beispiel @_die_katrin sich und uns:

diekatrin

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Abschließend noch ein Hinweis für die Freunde der Weisheit: Die philosophischen Begriffe sind oben im Text verlinkt, weil seit heute das Online-Wörterbuch der Philosophie von @utb_stuttgart frei im Netz zugänglich gemacht wurde.

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Relikte

Von manchen Dingen denkt man stets, man sei sie endlich los, weil sie ja Relikte längst vergangener Zeiten sind. Nie wieder Gedichte unter Weihnachtsbaum aufsagen, Zahnspange tragen oder mündliche Prüfungen haben. Auch im Internet gibt es solche Dinge: Niemand trauert Windows 95 hinterher. Oder AOL-CDs. Andere Misslichkeiten halten sich indes hartnäckig. So finden wir in unserem geliebten Internet noch immer ganz viel Flash und der @popkulturjunkie manchmal sogar noch Schlimmeres:

pop_musi
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Webseiten, bei deren Aufruf ungefragt Geräusche ertönen, sind eine der verachtenswertesten Erscheinungen im WWW. Und wenn selbst ein der Popkultur äußerst zugeneigter Surfer diesen Zustand beklagt, dann sollten sich Seitenbetreiber einfach mal an Peter Lustig und der Atomkraft-Branche orientieren: Abschalten!

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Hundeinhalt

Die Rezeption eines erfolgreichen Tweets ist relativ einfach. Hierzu nimmt man 1. ein Tierbaby oder 2. man lässt es ein wenig Menscheln. Will man ganz sicher gehen, garantiert das Zusammenspiel beider Komponenten eine mindestens zweistellige Anzahl an Fav-Sternchen und Retweets.

@i_need_coffee spielt diese Karte ganz souverän:

coffee_bagger
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Die Autorin bringt diesen Tweet zur Perfektion, indem sie nicht nur die beiden zuvor genannten Erfolgsfaktoren elegant kombiniert, sondern bei dieser Gelegenheiten auch gleich noch die Männerkeule herausholt. Das sitzt.

Ganz offensichtlich bewegt sich @i_need_coffee im Genre der Twiktion – kein Mann würde den ganzen Tag lang einen kleinen scheißenden Hund als niedliches Accessoire mit sich herumtragen, nur um irgendwann zufällig einer Frau zu begegnen, die darauf anspringt. Wäre es nämlich so leicht, einer Frau den Kopf zu verdrehen, trügen schließlich alle Männer immerzu kleine Hundebabys mit sich herum.

Mit der Realität hat dieser Tweet also nichts zu tun – aber die besten Geschichten sind eh meist ausgedacht.

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