Twitkrit

Gesünder leben

Frostschutzmittel im Wein, Würmer im Fisch, Gammelfleisch, BSE, Dioxin im Schwein, Gurken und Sprossen. Wir haben täglich einen neuen Lebensmittelskandal. Wir sind verunsichert. Wir wissen nicht mehr, wovon wir uns ernähren sollen. Einen pragmatischen Ausweg aus der Krise weist uns @fraeulein_tessa:

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Das edle Gesöff erfüllt seinen Zweck ganz fantastisch. In Maßen genossen belebt der in der Flasche gegärte Schaumwein unseren Kreislauf. Dank ihm finden wir überhaupt aus dem Bett heraus. In Massen genossen finden wir andersherum wieder ganz wunderbar hinein.

Wir wollen also fortan immer nur Cremant trinken – und außer durch unseren leichten Schips fallen wir damit in keiner Weise negativ auf. Schließlich geht dem Getränk elitäres Champagnergeschnösel vollkommen ab – und besser als der billige Schaumwein mit Herkunftsbezeichung aus dem Discounter mundet er unserem sensiblen Gaumen ebenfalls.

Falls Heinz Strunk noch einmal ein Buch schreiben muss, empfehlen wir den Titel: Cremant ist mein Fleisch und Gemüse. Prost und guten Appetit!

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Wehret den weißen Hitler-Schwänen

Der Mensch ist ein einfältiges Wesen. Als am 11. September die Flugzeuge in diese Hochhäuser da knallten, wirbelten alle Politiker herum, schauten sich den Tathergang an und verboten Stricknadeln, Rasiermesser und Haarshampoo zur Mitnahme in die Flugzeuge.

Wenn man an genau den einzelnen Stellen ansetzt, an dem die Terroristen einmal die Sicherheit überwinden konnten, hat man was? Genau: gefühlte Bullshitsicherheit. Weil wir eine bestimmte Situation einmal erlebt haben, glauben wir daraus die Zukunft ablesen zu können. Dass andere Terroristen andere Ideen zum Terror haben können, verdrängen wir. Wir glauben, uns darauf vorbereiten zu müssen, dass das Ereignis genau so wieder eintritt. Neue Flugzeuge im Hochhaus gilt es also zu verhindern.

Nassim Nicolas Taleb nennt das einen Black Swan. Wir Menschen sind so gebiased von unserer Erfahrung weißer Schwänen, dass wir die Existenz eines schwarzen Schwans nicht nur ausschließen, sondern an diese Möglichkeit nicht mal denken. Wir denken nicht an schwarze oder weiße Schwäne. Schwäne sind einfach große, weiße Vögel.

Was lernen wir nun daraus? Dass Ereignisse erstens anders und zweitens als man denkt eintreten. Und dass der Mensch in diesen Dingen halt einfach kein guter Entscheider ist. Und dass also das ganze Getue um sich auf ein konkret vorgestellte Zukunft vorbereiten völliger Humbug ist.

Und so ist das auch mit Hitler. Es wird kein neuer Hitler kommen. Es könnte etwas kommen, das vielleicht ähnlich schlimm ist, wie Hitler, aber eben ganz anders. Aber dieses Etwas können wir heute nicht sehen. Vor können wir dessen Anfänge nicht sehen. Denn die beginnen bekanntlich immer auf der Rückseite des Mondes, wie @gregorsedlag weiß:

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Twitkrits tolle Tweets 1105

Freund_innen des freimütigen Favs!

wieder spät, aber wie immer 56 Prozent mafiafrei, meine zehn Lieblingstweets der Lieblingstweets der Twitkritredaktion im Wonnemonat Mai:

Jetztgehtslos
Ich kann nicht, ich muss heute den ganzen Tag auf dem Boden sitzen, weil der Monat kein R mehr hat.
@UteWeber

Schwabenhightech
amazon schickt mails mit dem betreff „kindle. das schönste geschenk zum muttertag“. erheiterung im alemannischen sprachraum.
@FrauZiefle

Ungläubige
Da erfindet Gott eine Religion nach der anderen, um den Menschen das Zinsverbot einzutrichtern, aber sie kapieren es einfach nicht.
@haekelschwein

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Was ist eigentlich… die Favstarmafia?

„Hier ist schon wieder eine Mail,“ ruft unser Leserbetreuer Leo quer durch das Großraumbüro, in dem dutzende unserer Redakteure täglich Millionen Tweets verfolgen und auswerten. „So geht das nicht weiter, dazu müssen wir jetzt mal was machen,“ meint grummelnd der CvD. „Klemm dich mal dahinter, Baranek.“ „Wenn’s sein muss, ich schau mal,“ meine ich und packe meine Geräte zusammen.

Tatsächlich erreichen uns jede Woche viele Mails zum Thema Favstarmafia. So fragt zum Beispiel Ronald M. aus Hamburg: „Ab und zu schaue ich mal bei diesem Onlineservice Favstar rein und wundere mich, dass da immer dieselben Leute in den Ranglisten auftauchen. Sind die wirklich so gut?“ Konkreter wird Eugenia aus Beuren: „Dauernd lese ich auf Twitter Andeutungen über eine sogenannte Favstarmafia. Meine Frage daher: gibt es die wirklich und wie funktioniert das eigentlich?“

Wie man sich vorstellen kann, gestaltet sich die Recherche in den folgende Wochen alles andere als einfach. Ich telefoniere mit den Experten des Social Media Club und der Tweetakademie, fahre kreuz und quer durch die Republik, ermittle verdeckt an einschlägigen Treffpunkten der selbsternannten digitalen Bohéme. Doch die Mauer des Schweigens ist hoch. Niemand will mit der Sprache rausrücken. Man ergeht sich in Andeutungen, Vermutungen. Man wiegelt ab: „Alles totaler Quatsch, von Neidhammeln gestreut!“ – oder sagt achselzuckend einfach gar nichts. Mich beschleicht das Gefühl: es herrscht ein Klima der Angst und des Terrors. Die Ergebnisse sind dementsprechend dürftig, aber es zeichnet sich ein Bild ab.

Gibt es die Favstarmafia überhaupt?

Schon diese Frage ist schwierig zu beantworten. Einen Hinweis gibt dieser Tweet des Anbieters der Plattform, auf der sich die mafiösen Machenschaften angeblich entfalten sollen.

Favstar

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Was war passiert? Favstar war offenbar für kurze Zeit nicht erreichbar. Interessant ist der letzte Satz: Gedankt wird den „Germans“, dass sie diesen Ausfall auf Twitter zum sogenannten trending topic gemacht haben. Offenbar hatten viele deutschsprachige Twitternutzer umgehend darauf hingewiesen, dass Favstar offline ist. International war es den Nutzer scheinbar völlig egal, ob Favstar funktioniert oder nicht. Klares Indiz für die Existenz mafiöser Strukturen hierzulande. Der Mafia ihr Betätigungsfeld zu entziehen, macht die Beteiligten extrem nervös. Denn sie können ihre Ziele nicht erreichen.

Was ist das Ziel der Favstarmafia?

Wie jede kriminelle Struktur beruht ihr Entstehen und ihre Verbreitung auf besonderen Umständen. Ohne Alkoholprohibition kein Al Capone. In unserer Zeit speist sich die kriminelle Energie aus den Gesetzen der herrschenden Aufmerksamkeitsökonomie. Auf Twitter gemünzt bedeutet das: wer wenig Follower hat, der gilt rein gar nichts. Der kann seine Botschaften nicht unter die Leute bringen. Wer hingegen tausende Follower hat, ist hoch angesehen, dessen Nachrichten genießen eine große Relevanz. Das Ziel der Favstarmafia ist daher: so viele Follower wie möglich für alle ihre Mitglieder. Das wird erreicht mit einer einfachen Logik: wer viel gefavt wird, der erscheint in vielen Listen oder wird sogar auf Twitter selbst empfohlen. Man scheint interessant zu sein. Die Folge: die Followerzahl wächst konstant und über das übliche Maß hinaus. Die Chance, wiederum viele Sternchen zu erhalten, steigt infolgedessen, was wiederum die Zahl der Follower beeinflusst usw. Eine perfekte Spirale nach oben.

Wie funktioniert die Favstarmafia?

Nach meinen Recherchen muss es sich um eine Verschwörung von mindestens 20, maximal aber 50 Twitternutzern handeln. Diese scheinen untereinander vereinbart zu haben, mehr oder weniger alle Tweets der anderen Mafiosi zu favorisieren. So ist zunächst eine Art Bodensatz entstanden, von dem aus sich das brutale Geschäft hervorragend entwickeln ließ. Die ersten Mitglieder der Mafia tauchten in den Listen auf. Es war dann ein leichtes, weitere Mitglieder nach oben zu bugsieren. Inzwischen scheint es so zu sein, dass sich Favstar fest im Würgegriff dieser Mafia befindet. Newcomer, die sich den Machenschaften verweigern, haben keine Chance.

Wer gehört zur Favstarmafia?

Leider kann ich dazu nichts sagen. Das Problem: es lässt sich nichts beweisen. Es existierten keine Belege, Mails oder Audiodokumente, von Fotos oder Videos ganz zu schweigen. Die Mafia schottet sich perfekt ab. Das Schweigegebot funktioniert. Im Gegenteil: Offenbar sind meine Recherchen den Beteiligten zu Ohren gekommen. Ständig erhalte ich offene Drohungen aus anonymen Quellen. „Schnauze halten, sonst kaufen wir deine VISA-Daten!“ – „Wir veröffentlichen deine Logfiles bei YouPorn.“ – „Deine Tochter ist bei Facebook. Fotos leaken, gefällig?“ Das sind noch die harmloseren Beispiele. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Namen kann, will und darf ich an dieser Stelle nach eingehender Diskussion in der Redaktion daher nicht nennen. Eine interessante Beobachtung kann man allerdings machen: die Mafia scheint von weiblichen Mitgliedern beherrscht zu sein. Frauen stellen vermutlich die Mehrheit. Die männlichen Mitglieder werden eher in die Rolle abhängiger Lustsklaven gedrängt. Übrigens: in den Kommentaren dürfen durchaus Namen genannt werden. Wir garantieren höchste Vertraulichkeit soweit es unsere begrenzte Technik zulässt! Bekanntlich sind keine Daten total sicher. Darauf müssen wir leider hinweisen.

Was kann man gegen die Favstarmafia tun?

Zunächst mal: gesundes Misstrauen gegenüber allen Toplisten, die auf Favstar beruhen. Prüfen Sie die dort vorgestellten Tweets ganz besonders auf Qualität. Handelt es sich um echte sprachliche Perlen mit einer gewissen Originalität und hohem Unterhaltungswert? Oder doch eher um eskapistischen Sprachmüll auf Schenkelklopferniveau? Um halbgare Belanglosigkeiten, die zu surrealen Erkenntnissen aufgeblasen werden, je drastischer, desto besser? Um uralte und wieder aufgewärmte Kalauer? Um Flachwitze? Vertrauen Sie einfach Ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrem natürlichen Geschmacksgefühl. Und faven Sie die Tweets, die Ihnen gut gefallen. So graben wir dieser Pest das Wasser ab!

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Von mächtigen Tweets

Welche Twitter-Nutzer die Macht haben, Informationen schnell und weitläufig zu verbreiten, fragt man sich zur Zeit in den berühmten Forschungslabors des MIT. Die nicht unspannende Netzwerkanalyse ist Thema auf Technology Review und dort auf deutsch (Wichtiges Gezwitscher) oder englisch (Tracking Down Twitter’s Best Rumor Spreaders) nachzulesen. Die Twitkrit-Redaktion interessiert dieses Thema zwar auch, doch stellen wir ja weniger die Twitterer, als die Tweets in den Mittelpunkt unserer Rezensionen. Statt um mächtige Menschen geht es uns eher um mächtige Tweets. Besser gesagt um machtvolle, herausragende Tweets. Was ist ein mächtiger Tweet? Das kann Vieles sein: eine kluge Einschätzung, ein wortgewandter Aphorismus, eine feine Beobachtung, einfach nur ein witziger Tweet oder eine originelle Verbindung zweier Themen. Von einem mächtigen Tweet der letztgenannten Sorte soll heute die Rede sein.

Eines der Themen, die diese Woche durch unsere Timelines gespült wurden, war die Gesichtserkennung auf Facebook. Wie sie funktioniert, bzw. wie sie nicht funktioniert, hat der geschätzte Kollege Svensonsan eindrucksvoll auf pop64.de untersucht: Das ist die automatische Gesichtserkennung auf facebook. Heute Morgen gab es dann eine passende Twittermeldung zu bestaunen, die es versteht, ein Phänomen aus der Online-Welt nahezu kongenial auf die Offline-Welt zu übertragen. Kommen wir nun also zu dem oben angekündigten Tweet, der eine originelle Verbindung zweier Themen darstellt: die Selbstzweifel bei der intimen Betrachtung zum Start in den Tag, und die automatische Gesichtserkennung auf Facebook. Nicht Stefan Raab hat ihn geschrieben, sondern @nichtstefanraab:

nichtstefanraab

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Sprachkultur im Netz. Heute Twitter, morgen die Ganze Welt!

Viel haben wir schon geschrieben, über die kulturelle Relevanz der 140-Zeichenbegrenzung. So haben wir einst mit @sillium spekuliert, ob es durch Twitter ein Revival des Konjunktivs innerhalb der deutschen Sprache geben wird, weil er so zeichenökonomisch ist.

All das hat schließlich Effekte auf die Kultur. Zunächst auf Twitter, dann im Netz, schließlich im Offline-Leben, in der ganzen Welt! Wer zum Beispiel einen langen Vornamen hat, wird sich nicht nur heute ärgern, dass er auf Twitter so schwer im Tweet zu erwähnen ist, sondern vielleicht auch dereinst sein Kind „Kurt“ oder „Anna“ nennen.

Überhaupt ist die Frage, wie die Twitter-Zäsur in der Sprachkultur fortleben wird. Wie nachhaltig ist der Impact? @benni_b macht sich so seine Gedanken:
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Was man aber festhalten kann, ist, dass bestimmte Sprachwege durch Twitter definitiv nicht beschritten werden. Eine der betroffenen Weiterentwicklung der deutschen Sprache, deren Einführung bereits für den Herbst 2009 geplant war, dann aber aufgrund des enormen Twitterimpacts kurzfristig aufgegeben wurde, ist der sogenannte“Konjunktiv III„.

Kultursprachminister @Herr_Schinka erklärt die Gründe für den Rückzug:
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