Dass die Nutzung von Twitter nicht nur soziologische Millieustudien ermöglicht, sondern insbesondere Erkenntnisse zum körperlichen Selbstverständnis zeitgenösssicher Maschinennutzer, hatte ich bereits in einem bahnbrechenden Artikel ausgeführt. Damals ging es um Brüste.

Jetzt widme ich mich den Zehen.

[Hrhrhr <--- dies gilt dem verdrucksten Gekicher, das ich unter verfehlter Sexualisierung einordne. Das prangere ich noch nicht mal an.]

Es bleibt festzuhalten, dass die uns fernsten Körperteile einer gewissen Vernachlässigung unterliegen. Dreckige Füße sind jetzt nicht sooooo ein Problem, professionelle Fußpflege wird generell doch eher belächelt, während Coiffeure zum Beispiel vergöttert werden.

Auf eine weitere Diskriminierung machte mich dieser Tweet von @rozanna aufmerksam.

Rozanna

Tweet-Link

Gott schuf seinerzeit aus dem Nichts, indem er benamte. Was keinen Namen hat, das existiert nicht. Geringer kann man niemanden schätzen. Wobei man hinzufügen sollte, so das Ergebnis einer Kurzrecherche in Sachen Fußanatomie, dass die Wissenschaft den Zehen Namen gab: I, II, III, IV und V.

Nachdem das individuelle Schicksal geklärt wäre, betrachten wir die Zehen nun als Gemeinschaft. Vereint entwickeln die lustig wackelnden Kollegen unversehens begriffsprägende Kraft. Nach dem Größenverhältnis von Großer Zehe zu zweiter Zehe wird nämlich entschieden, ob du einen ägyptischen, römischen oder griechischen Fuß hast. Details erspare ich mir.

Weil, das zeigen die mit dem folgenden Screenshot dokumentierte, erschütternde Ballung negativer Emotionen auf einen #schwimmflossenzehentweet: das Thema ist heikel, tabuverriegelt, traumatisierend. Von Zehenzwischenräumen will kein Mensch was wissen.

Zehen

[Dieser Screenshot ist nicht gephotoshoppt!]

Es steht fest, dass sich bisher unterdrückte Sehnsüchte nach unmittelbarer Nähe zum fernsten Eigenen in solchen Botschaften materialisieren. Wem gelingt es schon, seine Füße zu küssen? Die Folgen solcher Zwangsferne sind bekannt: Frustration, Aggression. Ich höre daher in all diesen Vorkommnissen den Schrei nach Zehen.

Wie man sieht, ist Twitter der Anwalt alles Unterdrückten, Verachteten, Zukurzgekommenen. Und dass Zehen zu kurz sind, das kann nun wirklich niemand bestreiten.

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Also ich finde: