Der Mensch ist ein einfältiges Wesen. Als am 11. September die Flugzeuge in diese Hochhäuser da knallten, wirbelten alle Politiker herum, schauten sich den Tathergang an und verboten Stricknadeln, Rasiermesser und Haarshampoo zur Mitnahme in die Flugzeuge.

Wenn man an genau den einzelnen Stellen ansetzt, an dem die Terroristen einmal die Sicherheit überwinden konnten, hat man was? Genau: gefühlte Bullshitsicherheit. Weil wir eine bestimmte Situation einmal erlebt haben, glauben wir daraus die Zukunft ablesen zu können. Dass andere Terroristen andere Ideen zum Terror haben können, verdrängen wir. Wir glauben, uns darauf vorbereiten zu müssen, dass das Ereignis genau so wieder eintritt. Neue Flugzeuge im Hochhaus gilt es also zu verhindern.

Nassim Nicolas Taleb nennt das einen Black Swan. Wir Menschen sind so gebiased von unserer Erfahrung weißer Schwänen, dass wir die Existenz eines schwarzen Schwans nicht nur ausschließen, sondern an diese Möglichkeit nicht mal denken. Wir denken nicht an schwarze oder weiße Schwäne. Schwäne sind einfach große, weiße Vögel.

Was lernen wir nun daraus? Dass Ereignisse erstens anders und zweitens als man denkt eintreten. Und dass der Mensch in diesen Dingen halt einfach kein guter Entscheider ist. Und dass also das ganze Getue um sich auf ein konkret vorgestellte Zukunft vorbereiten völliger Humbug ist.

Und so ist das auch mit Hitler. Es wird kein neuer Hitler kommen. Es könnte etwas kommen, das vielleicht ähnlich schlimm ist, wie Hitler, aber eben ganz anders. Aber dieses Etwas können wir heute nicht sehen. Vor können wir dessen Anfänge nicht sehen. Denn die beginnen bekanntlich immer auf der Rückseite des Mondes, wie @gregorsedlag weiß:

Bildschirmfoto 2011-06-15 um 15.09.09
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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Adrian Lang

Es haben schon mal Leute nicht die richtigen Ursachen oder Wurzeln gefunden und darum ist nach den Ursachen oder Wurzeln suchen Blödsinn? Tight. DIe Verhältnisse zwischen bürgerlicher Gesellschaft, Demokratie, Kapitalismus, Nationalismus, Rassismus, Patriarchat und Faschismus sind halt doch ein bisschen was anderes als ne Dose Shampoo.

Gepostet von Adrian Lang am 15. Juni 2011 um 14:40.
mspro

Es soll nicht heißen, dass man nicht wachsam sein soll. Es soll heißen, dass man sich nicht auf die bekannten „Anfänge“ kaprizieren soll. Geschichte wiederholt sich nicht. Stattdessen sollte man die neuen Entwicklungen begutachten, neue Bedrohungen identifizieren. Seinen Bias also immer aktuell halten.

Gepostet von mspro am 15. Juni 2011 um 14:45.
Gregor Sedlag

Hallo @mspro, schön, dass Du den Ball aufnimmst. Das Ganze ist natürlich ein privates Meta-Mem aus „Immer wenn x, dann absurdes y“ gemischt mit meinem dunklen Wissen um das finnische Crowdsourcing-SF-Film-Projekt „Iron Sky“, in dem die Nazis sich auf die Rückseite des Mondes zurückgezogen haben und demnächst mal wieder vorbeischauen werden: http://www.ironsky.net/ Plus der allgemein gültigen Autobahn-Diskursregel „Er hat Hitler gesagt.“ Und das irgendwie gleich im Plural virtualis.

Gepostet von Gregor Sedlag am 15. Juni 2011 um 22:33.