„Hier ist schon wieder eine Mail,“ ruft unser Leserbetreuer Leo quer durch das Großraumbüro, in dem dutzende unserer Redakteure täglich Millionen Tweets verfolgen und auswerten. „So geht das nicht weiter, dazu müssen wir jetzt mal was machen,“ meint grummelnd der CvD. „Klemm dich mal dahinter, Baranek.“ „Wenn’s sein muss, ich schau mal,“ meine ich und packe meine Geräte zusammen.

Tatsächlich erreichen uns jede Woche viele Mails zum Thema Favstarmafia. So fragt zum Beispiel Ronald M. aus Hamburg: „Ab und zu schaue ich mal bei diesem Onlineservice Favstar rein und wundere mich, dass da immer dieselben Leute in den Ranglisten auftauchen. Sind die wirklich so gut?“ Konkreter wird Eugenia aus Beuren: „Dauernd lese ich auf Twitter Andeutungen über eine sogenannte Favstarmafia. Meine Frage daher: gibt es die wirklich und wie funktioniert das eigentlich?“

Wie man sich vorstellen kann, gestaltet sich die Recherche in den folgende Wochen alles andere als einfach. Ich telefoniere mit den Experten des Social Media Club und der Tweetakademie, fahre kreuz und quer durch die Republik, ermittle verdeckt an einschlägigen Treffpunkten der selbsternannten digitalen Bohéme. Doch die Mauer des Schweigens ist hoch. Niemand will mit der Sprache rausrücken. Man ergeht sich in Andeutungen, Vermutungen. Man wiegelt ab: „Alles totaler Quatsch, von Neidhammeln gestreut!“ – oder sagt achselzuckend einfach gar nichts. Mich beschleicht das Gefühl: es herrscht ein Klima der Angst und des Terrors. Die Ergebnisse sind dementsprechend dürftig, aber es zeichnet sich ein Bild ab.

Gibt es die Favstarmafia überhaupt?

Schon diese Frage ist schwierig zu beantworten. Einen Hinweis gibt dieser Tweet des Anbieters der Plattform, auf der sich die mafiösen Machenschaften angeblich entfalten sollen.

Favstar

[Tweetlink]

Was war passiert? Favstar war offenbar für kurze Zeit nicht erreichbar. Interessant ist der letzte Satz: Gedankt wird den „Germans“, dass sie diesen Ausfall auf Twitter zum sogenannten trending topic gemacht haben. Offenbar hatten viele deutschsprachige Twitternutzer umgehend darauf hingewiesen, dass Favstar offline ist. International war es den Nutzer scheinbar völlig egal, ob Favstar funktioniert oder nicht. Klares Indiz für die Existenz mafiöser Strukturen hierzulande. Der Mafia ihr Betätigungsfeld zu entziehen, macht die Beteiligten extrem nervös. Denn sie können ihre Ziele nicht erreichen.

Was ist das Ziel der Favstarmafia?

Wie jede kriminelle Struktur beruht ihr Entstehen und ihre Verbreitung auf besonderen Umständen. Ohne Alkoholprohibition kein Al Capone. In unserer Zeit speist sich die kriminelle Energie aus den Gesetzen der herrschenden Aufmerksamkeitsökonomie. Auf Twitter gemünzt bedeutet das: wer wenig Follower hat, der gilt rein gar nichts. Der kann seine Botschaften nicht unter die Leute bringen. Wer hingegen tausende Follower hat, ist hoch angesehen, dessen Nachrichten genießen eine große Relevanz. Das Ziel der Favstarmafia ist daher: so viele Follower wie möglich für alle ihre Mitglieder. Das wird erreicht mit einer einfachen Logik: wer viel gefavt wird, der erscheint in vielen Listen oder wird sogar auf Twitter selbst empfohlen. Man scheint interessant zu sein. Die Folge: die Followerzahl wächst konstant und über das übliche Maß hinaus. Die Chance, wiederum viele Sternchen zu erhalten, steigt infolgedessen, was wiederum die Zahl der Follower beeinflusst usw. Eine perfekte Spirale nach oben.

Wie funktioniert die Favstarmafia?

Nach meinen Recherchen muss es sich um eine Verschwörung von mindestens 20, maximal aber 50 Twitternutzern handeln. Diese scheinen untereinander vereinbart zu haben, mehr oder weniger alle Tweets der anderen Mafiosi zu favorisieren. So ist zunächst eine Art Bodensatz entstanden, von dem aus sich das brutale Geschäft hervorragend entwickeln ließ. Die ersten Mitglieder der Mafia tauchten in den Listen auf. Es war dann ein leichtes, weitere Mitglieder nach oben zu bugsieren. Inzwischen scheint es so zu sein, dass sich Favstar fest im Würgegriff dieser Mafia befindet. Newcomer, die sich den Machenschaften verweigern, haben keine Chance.

Wer gehört zur Favstarmafia?

Leider kann ich dazu nichts sagen. Das Problem: es lässt sich nichts beweisen. Es existierten keine Belege, Mails oder Audiodokumente, von Fotos oder Videos ganz zu schweigen. Die Mafia schottet sich perfekt ab. Das Schweigegebot funktioniert. Im Gegenteil: Offenbar sind meine Recherchen den Beteiligten zu Ohren gekommen. Ständig erhalte ich offene Drohungen aus anonymen Quellen. „Schnauze halten, sonst kaufen wir deine VISA-Daten!“ – „Wir veröffentlichen deine Logfiles bei YouPorn.“ – „Deine Tochter ist bei Facebook. Fotos leaken, gefällig?“ Das sind noch die harmloseren Beispiele. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Namen kann, will und darf ich an dieser Stelle nach eingehender Diskussion in der Redaktion daher nicht nennen. Eine interessante Beobachtung kann man allerdings machen: die Mafia scheint von weiblichen Mitgliedern beherrscht zu sein. Frauen stellen vermutlich die Mehrheit. Die männlichen Mitglieder werden eher in die Rolle abhängiger Lustsklaven gedrängt. Übrigens: in den Kommentaren dürfen durchaus Namen genannt werden. Wir garantieren höchste Vertraulichkeit soweit es unsere begrenzte Technik zulässt! Bekanntlich sind keine Daten total sicher. Darauf müssen wir leider hinweisen.

Was kann man gegen die Favstarmafia tun?

Zunächst mal: gesundes Misstrauen gegenüber allen Toplisten, die auf Favstar beruhen. Prüfen Sie die dort vorgestellten Tweets ganz besonders auf Qualität. Handelt es sich um echte sprachliche Perlen mit einer gewissen Originalität und hohem Unterhaltungswert? Oder doch eher um eskapistischen Sprachmüll auf Schenkelklopferniveau? Um halbgare Belanglosigkeiten, die zu surrealen Erkenntnissen aufgeblasen werden, je drastischer, desto besser? Um uralte und wieder aufgewärmte Kalauer? Um Flachwitze? Vertrauen Sie einfach Ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrem natürlichen Geschmacksgefühl. Und faven Sie die Tweets, die Ihnen gut gefallen. So graben wir dieser Pest das Wasser ab!


Kommentieren

Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Gallenbitter

Fred, wirf die Betonmischmaschine an. Hier hat jemand ein Paar Schuhe bestellt.

Gepostet von Gallenbitter am 13. Juni 2011 um 18:22.
Dentaku

Gut, dass das mal aufgedeckt wird. Ein Skandal. Unhaltbare Zustände.

Gepostet von Dentaku am 13. Juni 2011 um 18:44.
hoch21

Leider ist das der letzte Text von baranek, da er unglücklicherweise bald einen Unfall gehabt haben und dann nur noch Mett sein wird. Aus Gründen.

Gepostet von hoch21 am 13. Juni 2011 um 19:36.
Huck

Hahahahaha!!! Uuuh! Helau!

Gepostet von Huck am 13. Juni 2011 um 19:45.
Julius

Ich sage ja schon bereits seit Langem: Frieden schaffen ohne Faven!

Gepostet von Julius am 13. Juni 2011 um 20:03.
mspro

Lieber Baranek, danke für den Text. Aber keine Namen nennen? Hast du etwa Angst vor Fav-Entzug?

Gepostet von mspro am 13. Juni 2011 um 20:10.
T3o

Hä?
Hab ich da was verpasst? Wo ist denn da der Zweck? Warum sollte irgendjemand son Aufwand betreiben um bei favstar oben zu sein? Seit wann zahlen die in Dollar aus?
Und eine der Bedingungen für die sog. „Aufmerksamkeitsökonomie“ ist das man „was zu erzählen“ hat… Wenn man ne „Mafia“ braucht um oben mitzuspielen ist das wohl nicht der Fall oder?
Ansonsten halt ich es mit mspro…

Gepostet von T3o am 13. Juni 2011 um 20:31.
Katjaberlin

jetzt weiß @bangpowwww endlich wohin mit den pferdeköpfen.

Gepostet von Katjaberlin am 13. Juni 2011 um 20:53.
baranek

Na…hamen? Seid ihr wahnisnnig? Das kann ich meiner Familie nicht antun.

@t30 Ja, das erschließt sich schlichteren Gemütern nicht auf Anhieb. Das ist allerdings auch das Gefährliche an diesen Leuten.

Gepostet von baranek am 13. Juni 2011 um 21:00.
mainwasser

Ich kenne keinen Herrn Favstar, ich habe ihn nie gesehen, ich werde ihn nie gesehen haben, und jetzt hören Sie bitte auf zu fragen, ich habe Kin… äh Topfpflanzen.

Gepostet von mainwasser am 13. Juni 2011 um 21:57.
Nils

Ausgerechnet die Twitkritter prangern mafiöse Strukturen auf Twitter an? Das hat was.

Gepostet von Nils am 14. Juni 2011 um 09:14.
baranek

@mainwasser Was soll diese kryptische Bemerkung eigentlich? Irgendwelche Beschwerden?

Im übrigen ist es schon lustig, was aus so einem von vorne bis hinten satirisch zusammengeschmiertem Artikel, der ein bekanntes Fun-Mem unverforen und eigentlich voll billig auswalzt, so an Nektar gezogen wird. Ich sage es hier nochmal ganz deutlich: der Glaube, ich würde mit diesem Artikel eine angeblich existierende oder informelle FavstarMafia kritisieren, ist Schwachsinn. Dieser Artikel macht sich im Gegenteil lustig über diejenigen, die glauben, es gäbe ein solche. Das einzige, was wirklich ernst gemeint ist: die meisten Tweets, die bei Favstar in den Toplisten auftauchen, sind Dreck, Scheißzeug, billige Flachwitze, Mario-Barth-Niveau. Massengeschmack halt. (Meine Güte, jetzt muss man seine Artikel auch noch erklären. Wahrscheinlich ist er einfach zu gut geschrieben.)

Gepostet von baranek am 14. Juni 2011 um 12:49.
der_handwerk

Wer ist dieser baranek? Zu welcher Familie gehört er? Ist der einer von Typen, drüben aus Jersey? Auf jeden Fall gehen wir erstmal alle auf die Matratzen!

Gepostet von der_handwerk am 14. Juni 2011 um 20:26.
moritzadler

Der Pallenberg hätte ausgepackt. Und Namen genannt. Und einen Tsunami verursacht. Jahaaa!

Gepostet von moritzadler am 14. Juni 2011 um 23:34.
@Danielbunk

23 Uhr: Revolution gegen die Favstarmafia.
24 Uhr: Aufräumen.

Gepostet von @Danielbunk am 28. August 2011 um 11:43.
EstebanSonor

Die Familie war immer gut zu dir.
Du hättest schweigen sollen..

War ich nicht immer gut zu dir und deiner Familie?

Gepostet von EstebanSonor am 09. Oktober 2011 um 12:06.
Ralle

Zufällig stieß ich auf Ihren Artikel und kann nur sagen: Ich wusste es! Habe es immer gewusst! Diese sog. „Twitter-Elite“ die sich gegenseitig pushen und ihre geheimen Twitter-Treffen abhalten, ist eine mafiöse Gruppierung.

Es ist unfassbar, das solche Methoden hierzulande möglich sind und niemand was unternimmt! Mal ehrlich, unsereins muss sich für viel Geld die vielen Follower bei dubiosen Anbietern kaufen und sich mit gefakten und gekauften Massenaccounts bei Favstar selbst hochpushen. Sonst hat man gegen diese Elite doch keine Chance!

Mir ist klar, dass Sie in Ihrem Kommentar darauf hinweisen, Ihr Artikel sei nur Satire. Aber ich weiß natürlich, dass Sie sich nur schützen wollen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was man Ihnen angedroht hat!

In diesem Sinne, alles Gute!
Ralle

Gepostet von Ralle am 21. August 2012 um 06:08.