Twitkrit

Hommage an den Breuer.

Es ist Zeit für ein Geständnis: Ich liebe Peter Breuer. Das ist jetzt nicht so, wie es klingt, sondern noch viel schlimmer – denn immer wieder wird man ja gefragt, welche Twitterer man am liebsten liest, und zu sagen, dass man @peterbreuer gerne liest, ist in etwa so abgefahren, als würde man sich dazu bekennen, dass man Hundewelpen mag und Eis im Sommer. (Heute ist Tag der Bekenntnisse!)

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Der Schrei nach Zehen

Dass die Nutzung von Twitter nicht nur soziologische Millieustudien ermöglicht, sondern insbesondere Erkenntnisse zum körperlichen Selbstverständnis zeitgenösssicher Maschinennutzer, hatte ich bereits in einem bahnbrechenden Artikel ausgeführt. Damals ging es um Brüste.

Jetzt widme ich mich den Zehen.

[Hrhrhr <--- dies gilt dem verdrucksten Gekicher, das ich unter verfehlter Sexualisierung einordne. Das prangere ich noch nicht mal an.]

Es bleibt festzuhalten, dass die uns fernsten Körperteile einer gewissen Vernachlässigung unterliegen. Dreckige Füße sind jetzt nicht sooooo ein Problem, professionelle Fußpflege wird generell doch eher belächelt, während Coiffeure zum Beispiel vergöttert werden.

Auf eine weitere Diskriminierung machte mich dieser Tweet von @rozanna aufmerksam.

Rozanna

Tweet-Link

Gott schuf seinerzeit aus dem Nichts, indem er benamte. Was keinen Namen hat, das existiert nicht. Geringer kann man niemanden schätzen. Wobei man hinzufügen sollte, so das Ergebnis einer Kurzrecherche in Sachen Fußanatomie, dass die Wissenschaft den Zehen Namen gab: I, II, III, IV und V.

Nachdem das individuelle Schicksal geklärt wäre, betrachten wir die Zehen nun als Gemeinschaft. Vereint entwickeln die lustig wackelnden Kollegen unversehens begriffsprägende Kraft. Nach dem Größenverhältnis von Großer Zehe zu zweiter Zehe wird nämlich entschieden, ob du einen ägyptischen, römischen oder griechischen Fuß hast. Details erspare ich mir.

Weil, das zeigen die mit dem folgenden Screenshot dokumentierte, erschütternde Ballung negativer Emotionen auf einen #schwimmflossenzehentweet: das Thema ist heikel, tabuverriegelt, traumatisierend. Von Zehenzwischenräumen will kein Mensch was wissen.

Zehen

[Dieser Screenshot ist nicht gephotoshoppt!]

Es steht fest, dass sich bisher unterdrückte Sehnsüchte nach unmittelbarer Nähe zum fernsten Eigenen in solchen Botschaften materialisieren. Wem gelingt es schon, seine Füße zu küssen? Die Folgen solcher Zwangsferne sind bekannt: Frustration, Aggression. Ich höre daher in all diesen Vorkommnissen den Schrei nach Zehen.

Wie man sieht, ist Twitter der Anwalt alles Unterdrückten, Verachteten, Zukurzgekommenen. Und dass Zehen zu kurz sind, das kann nun wirklich niemand bestreiten.

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Die Timeline wie sie uns gefällt

Wenn das Netz Inhalte für uns vorsortiert, ist das nur scheinbar praktisch. Vielen ist gar nicht bewusst, welche Entwicklung ein durch Algorithmen gesteuertes, vorgefiltertes Internet gerade so einzuschlagen scheint (dazu später mehr).

Nehmen wir hingegen Twitter: hier treffen wir die Auswahl, was wir sehen oder eben nicht sehen. Wir folgen Menschen (manchmal auch Medien, Marken, Institutionen usw.), so lange sie uns – aus welchem Grund auch immer – interessant genug erscheinen. Erfüllt ein Twitterer unsere ganz persönlichen Kriterien irgendwann nicht mehr, wird er halt wieder entfolgt. Wir filtern uns die Timeline zurecht, wie sie uns …widdewidde… gefällt. Theoretisch zumindest. Natürlich sind wir auch tolerant und drücken immer mal wieder beide Augen zu, wenn Irrelevantes in unseren Twitterstrom gespült wird. Aber das, was wir in unseren Timelines so sehen, baut mehr oder minder auf unseren persönlichen Filtern auf. Darin liegt auch schlicht und ergreifend der Erfolg von Twitter.

@PhilNTS hat das heute gut auf den Punkt gebracht:

PhilNTS

[LINK]

Und damit kommen wir auch schon auf den Anfang dieser Twitkrit zurück. Zur Auflösung, was es mit dem durch Algorithmen für uns aufbereiteten Internet auf sich hat. @PhilNTS verlinkt in seinem Tweet einen Artikel auf ZEIT Online, der Aufschluss und gleichsam Anlass zur Sorge gibt: Automatisch vorsortiert.

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Wo bleibt eigentlich die Romantik?

Unsere Timelines sind voll von netzpolitischen Diskursen und Links auf die lustigsten Viralkampagnen. Wir wissen, wo unsere Twitter-Freunde Kaffee trinken, und was ihnen ihre kleinen Brüder erzählen. Aber wo bleibt eigentlich die Romantik?

@BertaHelm erzählt uns eine ganz persönliche Geschichte:

screen-capture-3

[Link]

Dieser Tweet handelt von einem Menschen, an den sich die Autorin offenbar gern erinnert hat. Er berührt uns, weil auch wir uns an ein Musikstück und die Umstände erinnern, zu denen wir das erste Mal unsere Lippen an die eines anderen Menschen drückten. Bemerkenswert ist auch die Wendung zum Schluss: Gemeinhin gelten Mathegenies nicht als die besten Küsser auf dieser Welt. Aber das macht gar nichts. Obwohl man nicht wirklich zueinander passte, war es trotzdem schön.

Was liegt also näher, als sich nach vielen Jahren in den Weiten des Netzes noch einmal auf die Suche nach dem Jungen von damals zu machen? Doch er ist nicht zu finden. Es gibt kein Happy End. Jedenfalls nicht mit dem Mathegenie von damals.

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Trolleranz

Toleranz ist ein wesentlicher Wert in fortschrittlichen Gesellschaften. Mit Toleranz haben wir es geschafft nicht nur soziale Konflikte auf ein mehr oder minder managebares Maß zu reduzieren, sondern durch ständige Penetration der Gesellschaft mit Andersheit, auch ein größeres Maß an gesellschaftlicher Freiheit zu erreichen.

Mit dem Internet hat diese Entwicklung einen enromen Sprung nach vorn getan. Wir brauchen heute noch viel mehr Toleranz als je zu vor, weil das Netz heute eben viel mehr Bereiche zu Tage fördert, in denen wir inkompatibel sind. Bei dem Typen auf der Straße sehe ich nicht, was er für eine politische Einstellung hat. Wenn ich den selben Menschen in den Kommentaren bei Welt.de treffe, dann muss ich damit umgehen lernen.

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New Twitter

kigana

[LINK]

@KiGaNa hat vollkommen recht. Die Gängelei, mit der Twitter versucht, die Nutzer des bisherigen Webinterfaces auf das neue Twitter zu locken, ist aus zwei Gründen sehr ärgerlich. Einmal aus dem Grund, dass das alte Twitter für viele (den Autor dieser Zeilen eingeschlossen) viel besser ist, als das neue. Und zum zweiten, da die penetranten Hinweise auf New Twitter gehörig nerven. Wie man sie abstellen kann, hab ich letztes Jahr im Oktober schon bei der Einführung von New Twitter beschrieben: ‘Try it now!’ abschalten.

Doch Twitter lässt nicht locker, präsentiert immer weiter scheinbare Vorteile des New Twitter, die bei kritischer Hinterfragung überhaupt keinen Sinn machen. Neuester Vorteil: das flexibel aufziehbare Texteingabefeld. Toll, nicht wahr? Ist es nicht ein großartiges Gefühl, die Größe der Box zur Eingabe unserer Tweets so groß machen zu können, wie wir das wollen?

newtwittereingabe

Doch Moment mal, @josh_k_phisher hakt kritisch nach:

josh_k_phisher

[LINK]

Twitter, wie wäre es mit einer Beibehaltung von Old und New Twitter. Dann kann jeder auswählen, was er lieber mag. Eure Nutzungsstatistik müsste euch doch zeigen, dass ihr durch unsinnige Features einen Zwangswechsel zu dem für viele als aufgeblasen empfundenen New Twitter nicht herbeiführen könnt. Twitter, hör auf Deine Nutzer: Try it now!

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