Der Tweet – der Duden – das Blog
Die Debatte, ob man sich wegen der Wahl des falschen bestimmten Artikels für das Substantiv Blog noch ärgern soll (ihr wisst schon: Anfänger wählen statt der korrekten Formulierung “das Blog” all zu häufig “der Blog”), soll hier gar nicht aufgemacht werden.
Viele haben sowieso resigniert und meinen der falsche Artikel sei gar nicht mehr aufzuhalten. Andere, mit noch weniger Respekt für die Sprache, erdreisten sich sogar auf den Duden hinzuweisen und entgegen gerne: “Aber im Duden steht doch, dass beides korrekt ist!”. Ich schlage dann immer mit dem Kopf auf den Tisch auf (und ja, es tut jedes Mal verdammt weh). Früher habe ich bei der Gelegenheit immer auf einen wunderbaren Tweet von Steffen Büffel hingewiesen, den ich gerade nicht mehr zur Hand habe. [Pause – der Autor zieht sich zu einer kurzen Webrecherche zurück - Ende der Pause.] Habe den in der Twitterzeitrechnung uralten Tweet von @mediaocean aus dem Monat Dezember 2008 wieder gefunden.
Seit heute habe ich – gemeinsam mit den mehr als Hundert Retweetenden – einen neuen Lieblingstweet zur Verteidigung von “das Blog”, der das absurde Duden-Argument der falschen Artikel-Verwender so wunderbar vorführt:
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@sixtus, wir danken Dir.

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Das sagen die Anderen:
Danke, danke, danke.
Gepostet von uli am 20. Mai 2011 um 15:50.Als Schweizer bin ich zwar mit einem seltsamen Sprachgefühl gesegnet; verwende aber entgegen der Gewohnheiten meiner Landesgenossinnen und -genossen meist die deutschen Formen (»die Mail, das Blog«). Aber ich verstehe nicht, welchen Sinn es hat, eine dieser Formen als richtiger als eine andere zu bezeichnen. Es gibt keine Gesetzestafeln, auf welche Gott auserwählte Twitter-Menschen die richtigen Artikel zu neuen Begriffen notieren lässt – vielmehr ist immer das richtig, was Menschen verwenden. Und wenn viele Menschen »Blog« zu dem sagen, was eigentlich »Post« heißt – dann heißt das halt bald mal »Blog« und nicht mehr »Post«. Ein Problem mag ich dabei nicht sehen – außer, dass eine Elite dann halt einfach nicht mehr die korrekte Sprachverwendung für sich gepachtet hat.
Gepostet von Philippe Wampfler am 20. Mai 2011 um 16:09.Der Herr Wampfler hat es auf den Punkt gebracht. Danke dafür.
Gepostet von Dario am 20. Mai 2011 um 16:13.@uli: Nicht wahr? ;)
@Philippe Wampfler: So kann man das natürlich auch sehen.
Gepostet von textundblog am 20. Mai 2011 um 16:14.Ehrlich gesagt, finde ich den Tweet nicht so grandios. Duden und BGB sind überhaupt nicht vergleichbar und das Element “gesetzlich ist aber Ekeligkeit XY erlaubt” kann man in hundert andere Streitpunkte einsetzen.
Mal ganz abgesehen davon, dass man Regelungen darüber, wie oft man sich waschen soll, niemals im BGB finden würde – dort geht es um Beziehungen zwischen BürgerInnen untereinander, nicht um individuelle Verhaltensweisen.
Gepostet von klyonrad am 20. Mai 2011 um 16:41.Schöner Beitrag, schöner Blog!
Gepostet von Michalis am 20. Mai 2011 um 16:43.Gibt es irgendeine festgelegte Regel, welchen Artikel Wörter haben müssen, die Ihren Ursprung im Englischen haben? (Zur Erinnerung: Alle englischen Substantive, Eigennamen ausgenommen, sind sächlich.) Ich habe jedenfalls keine eindeutige Regelung gefunden.
Gepostet von mysha am 20. Mai 2011 um 17:15.Wenn der Duden also ausdrücklich beide Versionen erlaubt, welchen plausiblen Grund gibt es dann, diese dann nicht auch zu verwenden? (Bei dem BGB-Vergleich fallen mir durchaus einige nachvollziehbare Gründe ein, sich nicht nur einmal jährlich zu säubern.)
Warum das Blog nicht der Blog ist…
…
Gepostet von Literatur bei novolit.de | Stilvoll - Frisch - Unangepasst! am 21. Mai 2011 um 15:46.Bei dieser Gelegenheit: Tod all jenen, die bräuchte (richtig: brauchte) und gewunken (richtig: gewinkt) sagen.
Nein, bleiben wir ernst. Sprache entwickelt sich, wenn auch zum vermeintlich Schlechteren. Der Duden erlaubt der Blog nicht, denn der Duden ist kein präskriptives Wörterbuch (mehr. Lange Zeit fühlte man sich in Mannheim vermutlich wie der Nabel der deutschen Sprachwelt). Der Duden hält heutzutage lediglich beschreibend fest, dass viele Menschen zu deinem, meinem und dem Ärgernis vieler Anderer der Blog sagen.
Gepostet von Julius am 21. Mai 2011 um 16:27.Danke Julius, dass Du das mit dem Tod noch einmal relativiert hast ;-) und dass du – ähnlich wie Sixtus – eine gute Einordnung für den Duden gibst, den viele schon seit langem nicht mehr Ernst nehmen (können).
Gepostet von textundblog am 21. Mai 2011 um 16:45.Ich finde es ja immer erheiternd, dass sich Leute über “der Blog” aufregen und dann “die Uniform Resource Locator (URL) sagen, oder “der Trojaner”, obwohl es eigentlich “das trojanische Pferd” ist (und damit auch noch den Sinn entstellen).
Spache lebt und richtet sich nicht nach richtig oder falsch, sondern nach dem was die Marktschreier vorgeben und die breite Masse dann akzeptiert. Früher oder später richten sich die Regeln danach aus.
Das muss man (wie auch ich) nicht mögen aber akzeptieren. Dagegen anzukämpfen ist wie die Rächtschreiprephorm zu ignorieren oder immer noch darauf zu bestehen Wörter wie Photographie so zu schreiben.
Gepostet von Maex am 21. Mai 2011 um 16:55.Wer böse ist könnte jetzt behaupten, das alles dient nur dazu, die Schreibfehler der “Dummen” zu legalisieren und sie ein bisserl besser zu machen und die “Gescheiten”, die es immer richtig gemacht haben, ein bisserl dümmer zu machen, denn jetzt machen sie es falsch und damit sind wir alle ein bisschen gleicher.
[...] von Mario Sixtus habe ich ja bereits zitiert, ein weiterer, der in die gleiche Kerbe haut, wird bei Twitkrit in einem Artikel zitiert, der in seiner Überheblichkeit, was die Ausschließlichkeit der [...]
Gepostet von Ja gut, aber … » DER Blog oder DAS Blog? – revisited am 21. Juni 2011 um 22:31.[...] eine Zeugnis der Sprachpraxis, nicht, dass etwas erlaubt oder verboten wäre. Insofern ist dieser Tweet etwas unpassend, da der Duden eben keinen Gesetztescharakter hat. Er ist auch nicht der heilige [...]
Gepostet von Vermännlichung des Blogs • veni vidi scripsi am 25. August 2011 um 14:42.