Tja, da denkste nix böses, dummdidumm, und dann auf einmal das hier: BÄMM!

@oetting

Tweet-Link

Uuuuups, das musste ich erstmal sacken lassen. Ein kleiner Tweet, in dem eine Menge behauptet wird. Das muss aufgedröselt werden. In Einzelteile.

Zunächst ein Satz zu der Frage: Was ist eigentlich Instagramm? Sagen wir es so: du knipst was, du bearbeitest das Bild, du haust es raus, über die Kanäle deiner Wahl. Gleichzeitg ist Instagramm noch eine Community für sich, eine kleine Welt der Knipser. Technisch gesehen ein App für iPhone.

Herr Oetting meint nun, man soll das nicht benutzen. Er ruft zum Boykott auf. Nein, warte, eigentlich ist es durch den zweiten Satz sogar noch etwas härter: Lerne, was du nicht kannst. Ich mein, wer etwas kann, muss es nicht lernen, logisch. Deshalb sagt Oetting also: du bist ein fotografischer Volltrottel und du bleibst einer, wenn du Instagram benutzt.

Ich lehne sowas ab. Herrgott, Instagram wird mit Mobiltelephonen benutzt. Was soll man da lernen? Motivauswahl? Nunja, wer langweilig fotografiert, also untalentiert ist, der wird das nie gut hinkriegen, auch wenn er weiß, wie sich die Tiefenschärfe mit Blende und Belichtungszeit manipulieren lässt. Was aber am Smartphone eh nicht geht.

Gut, was man lernen könnte zur verbesserten Nutzung von Instagram, ist die ästhetisch perfekte Nutzung der Filter. Aber die sind es ja eigentlich, die Oetting nerven: jeder Depp kann knipsen und mit Hilfe einer subjektiven Auswahl von Ausschnitt und Filter ein Werk erzeugen, das irgendwie künstlerisch wertvoll aussieht. Farbverfremdungen, Kontrastspielereien, Kanalgetrickse – das sind die Zutaten im Instagram-Spiel.

Wie gesagt: es sieht so aus, als sei es künstlerisch wertvoll. Oettings These: Instagram verleitet dazu, Bildmüll herzustellen, der beansprucht, er sei wertvoll.

Ich behaupte weder Insta-Kram sei Kunst noch das Gegenteil. Mir ist das scheißegal.

Instagram demokratisiert die ästhethische Bildmanipulation, die Smartphones die Produktion. Man braucht keine höllenteure Profiausrüstung, kein Studium, kein jahrelanges Expertentum, um Ergebnisse zu erzielen, die anschaubar sind.

Ich glaube, für Oetting ist das Barbarei, der erste Schritt in den Untergang. Oetting proklamiert die Dominanz traditionsgepimpter Gewerke und Unmengen an Spezialwissen. “Hey, du Schlamperknipser, lern erstmal was, nerv mich nicht mit deinem Schrott!” – ich finde diese Haltung nicht gut.

Was ich gut finde, dass uns Twitter immer die Möglichkeit gibt, den eigenen Standpunkt zu überdenken, weil wir gegenteilige kennenlernen. Erst wissen wir gar nicht, was uns an dem rausgehauenen Tweet stört, aber dann lässt uns der Gedanke nicht los.

Danke daher an Oetting. Ich mag Instagram jetzt noch mehr. Ich liebe die Webknipserei. Außer ihr fotografiert euere Schoßtiere. Das geht mir auf den Sack.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Susi

Ach, immer dieses Entweder-oder! Man kann doch beides machen nutzen mögen?

Ich finde Instagram eine niedliche Spielerei. Wenn es denn funktioniert. Tut es nämlich nicht immer. Das ist nämlich mein Kritikpunkt. Aber vielleicht liegt es auch an mir – und ich kann weder Instagram noch “richtig fotografieren”?

Weia. :-)

Gepostet von Susi am 05. April 2011 um 09:58.
René

Wollte schon gefällt mir drücken, aber dann kamen die letzten zwei Sätze. :P

Gepostet von René am 05. April 2011 um 09:59.
kkanzler

Hört einfach auf jeden Scheiss mit euren billigen Handycams zu fotografieren, oder falls ihr das tatsächlich braucht, behaltets für euch.
Ansonsten: Kauft euch ne Cam!

freundliche, aber entnervte Grüße ;)

P.S.: Ne gute digitale Kompaktkamera kostet deutlich weniger als eins von den eierlegenden Wollmilchsau-Ich-soll-eigentlich-telefonieren-Geräten.

P.P.S.: Schoßtiere gehen allen auf den Sack!

P.P.P.S.: Das sollte so ne halbkritische, trotzdem lustige Antwort werden, falls es nich geklappt hat – kein Wunder, ich verdaue grade den hirnfreien Innenminister

Gepostet von kkanzler am 05. April 2011 um 10:06.
Benni

Ich hätte nix gegen Instagramm, wenn das Ergebnis nicht einfach Scheiße und langweilig aussähe. Ich finde normale unmanipulierte Handyfotos besser. Immer.

Also Demokratisierung durch Smartphoneknippserei -> super!

Ästhetische Entstellung durch Instagram -> Bäh!

Gepostet von Benni am 05. April 2011 um 10:56.
weipah

Kauft euch einfach teures DSLR-Equipment und shared eure 12-Megapixel-Bilder über Twitter! Aber bitte SOOC und ohne Effekte!

Diesen Instra-crap kann man sich echt nicht angucken. picplz is eh viel toller.

Gepostet von weipah am 05. April 2011 um 10:58.
Andreas (@zumpe)

Mein Gott! Ich mag keine fundamentelle SW Malerei. Und wenns jemanden auf den Sack geht soll er es sich nicht ansehen. Und die Verallgemeinerung das wer solch ein APP nutzt nichts von Fotografie versteht könnte man mit einem Blick über den Tellerrand relativieren.

Ach ja, mir geht Katzencontent auch tierisch auf den Sack. Aber ich würde nicht auf die Idee kommen zu versuchen es den Machern zu verbieten. Klick und weg… Fertig.

vg
Andreas

Gepostet von Andreas (@zumpe) am 05. April 2011 um 11:06.
scholt

instagram, der Gaddafi der demokratischen Smartphoneknippserei. Just sayin’

Gepostet von scholt am 05. April 2011 um 16:37.
baranek

@scholt Hä? Das ist ja auch nur so dahingesagt, weils so schön bedeutungsschwer daherkommt. In Wahrheit rhetorische Matschepampe.

Gepostet von baranek am 05. April 2011 um 16:44.
Foodfreak

Ich finde Instagram Bilder ganz nett. Und wem es Spass macht: feel free. Niemand muss sich das ansehen, oder?

Mehr als die fotografische Seite finde ich aber die rechtliche Seite von Instagram überdenkenswert, Wie viele der Nutzer haben eigentlich die TOS gelesen und wissen dass sie quasi alle Rechte an ihren Bildern an Instagram abtreten? Auch wenn es nur niedrig auflösende Bilder sind, ist das als a priori Setting für meine Begriffe schon etwas fett…

Gepostet von Foodfreak am 06. April 2011 um 15:00.
Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf

[...] “Zunächst ein Satz zu der Frage: Was ist eigentlich Instagramm? Sagen wir es so: du knipst was, du bearbeitest das Bild, du haust es raus, über die Kanäle deiner Wahl. Gleichzeitg ist Instagramm noch eine Community für sich, eine kleine Welt der Knipser. Technisch gesehen ein App für iPhone.” Twitkrit: Pläadoyer für die Schlamperknisper [...]

Gepostet von Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf am 10. April 2011 um 12:35.