Hachja, unser Twitterversum bietet Schätze echter Kommunikationskunst. Kalaueristen, Politnasen, TV-Trasher, Kuschelbedürftige, Ein- und Auschecker – so kennen und lieben wir es. Zum kleinen Einmaleins der Twitterkundigen gehört die Erkenntnis, dass sich getwitterte Nachrichten in Minutenschnelle tausendfach verbreiten und erheblich Welle machen können. Ohne, dass man was tun muss.

Das ist natürlich den Marketingfritzen nicht verborgen geblieben. Coaches, Berater, Produktmanager, PR-Tanten und Selbstvermarkter haben die Bühne betreten und machen mit. Ich würde diese jetzt nicht in jedem Falle als Spammer bezeichnen. Jedoch sind viele ihrer Nachrichten inhaltsleer, wertlos, nur darauf ausgerichtet, ihre Produkte und Dienstleistungen unter das vermeintlich kaufbegierige Publikum zu bringen. Klick mich und du wirst glücklich – so lautet letztlich die unterschwellige Botschaft.

Diese KollegInnen haben die Angewohnheit, vielen Leuten zu folgen und wieder aus der Timeline zu kippen, wenn nicht zurückgefolgt wird. Der initiale Follow-Klick ist also im Grunde die erste Push-Aktion, mit der die dich zu ködern versuchen, denn man bekommt ja über jede Followingaktion eine E-Mailinfo. Kann nerven. Vor allem, wenn es pentrant wird, einem also dieser dämliche Account folgt, entfolgt, folgt, entfolgt – bis zum Erbrechen.

Nun gibt es im deutschen Twitterversum zwei Schlingel, die diesen Mechanismus auf die Spitze treiben. Ich vermute, fast jeder hat die schon mal zu Gesicht bekommen. Sie heißen Lutz Czieselski und Gert Vollrath. Wohnhaft in Berlin-Köpenick respektive Nürnberg.

Die beiden halten sich für oberschlaue Twitterschlingel. Wenn man die Twittersuche bemüht, findet man etwa 50 Accounts, die die beiden namentlich betreiben. Können aber auch noch mehr sein. Alle Accounts versprechen Reichtum und Erfolg. Die Botschaft lautet: Geld machen mit Internet kann jeder, selbst Doofe.

Hier ein paar dieser Accounts.

Ein Teil der Accounts von Lutz und Gert

Lutz und Gert wollen vor allem eines: Traffic auf ihre kruden Websites leiten, die ich hier nicht verlinken werde. Dort verkaufen sie vermeintlich geldwertes Wissen. Erzählen aber auch ein bisschen über sich. Man erfährt: Czieselsky ist “gelernter Betonwerker” und war mal Staubsaugervertreter. Er berichtet: “Mein Freund Gert und ich bieten einen Kurs für Marketing-Anfänger und -Fortgeschrittene an.” Okay, so richtig scheint der Business nicht zu laufen, denn Czieselsky weist darauf hin, dass er gemäß Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuer auf seinen Rechnungen ausweist. Zu wenig Umsatz. Man soll also von den Erfolglosen lernen, Erfolg zu haben. Ahja.

Ich vermute, die beiden haben dutzende Schrottwebsites laufen. Es dürfte Tage dauern und der Akribie eines Lester Freeman (The Wire) bedürfen, um den ganzen Dschungel dieses Kramladens zu durchdringen. Jedenfalls präsentieren sie sich als Experten von vielerlei: WordPress können sie, Multilevelmarketing, SEO sowieso.

Kurzum: es handelt sich um ein extrem lächerliches Treiben. Sie haben rein gar nix kapiert, wie es funktioniert im Web. Durch dieses massive Auftreten in immer wieder neuen Accounts qualifizieren sie sich selbst dermaßen ab, dass es nur so ein Freude ist.

Ich wollte mit diesem Artikel diesen beiden wackeren Gesellen jedenfalls ein Denkmal setzen. Zum Angedenken und zur Mahnung an die Lebenden. Lutz und Gert sind einmalig. Sie gehören einfach dazu. Ich finde, sie sollten eine Session auf #rp11 machen.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

reinerwein

Leider stellt twitter keine Funktion a la E-Mail-Spamfilter zur Verfügung, den man mit Filterregeln und Filterlisten füttern könnte.

Gepostet von reinerwein am 08. März 2011 um 16:20.
Wolfgang

Mal laienhaft gefragt: Hilft es nicht, die jeweiligen Accounts auf Twitter immer wieder und massenhaft als Spam zu markieren und zu blocken?

Gepostet von Wolfgang am 08. März 2011 um 16:27.
Dentaku

@Wolfgang: Du siehst doch jetzt schon, dass sie dann sofort einen neuen Account aufmachen. Ich gehe davon aus, dass das noch nicht einmal in Handarbeit geschieht.

Gepostet von Dentaku am 08. März 2011 um 16:31.
Rainer

Mindestens GV ist mir auch schon untergekommen. (Passiert mir eigentlich was Schlimmes, wenn ich alle ihre Accounts als Spam markiere?)

Gepostet von Rainer am 08. März 2011 um 16:57.
zeitdimension

Finde ich nicht redlich das Verhalten dieser beiden. Deshalb habe ich auf meiner Seite das Siegel des Ehrenkodex vom Internet-Marketing!

Gepostet von zeitdimension am 08. März 2011 um 17:04.
baranek

Lieber Zeitdimension.
Ja, durch die Verwendung dieses wertvollen Qualitätssiegels bist du natürlich absolut auf der guten Seite der Macht.

Lieber Rainer
Ich denke nicht, dass dir Nachteile entstehen, wenn du solche Accounts als Spam meldest. Andererseits: ist der Mühe einfach nicht wert. Wie Karl Kraus so schön formuliert hat: “Noch nicht mal ignorieren!”

Gepostet von baranek am 08. März 2011 um 17:46.
bonzibuddy

für lutz’ und gerts session sollte in jedem fall noch der webmaster4you und rudolf bogner verpflichtet werden. so zur unterstützung.

Gepostet von bonzibuddy am 08. März 2011 um 18:01.
ParrotSketch

GV ist mir auch schon untergekommen, allerdings nicht auf Twitter. Wär mir wahrscheinlich auch zu kurz.

Gepostet von ParrotSketch am 08. März 2011 um 18:56.
Benni

Kein Tweet! Thema verfehlt!

Gepostet von Benni am 08. März 2011 um 19:15.
baranek

Jetzt auch noch einen Tweet von denen besprechen? Nee, sorry, das geht zu weit…

Gepostet von baranek am 08. März 2011 um 19:31.
Diderot

Ganz nebenbei: der Charakter aus The Wire heißt Freamon, nicht Freeman.

Gepostet von Diderot am 09. März 2011 um 09:06.
baranek

Ah, danke für den Hinweis. Ist phonetisch ja identisch. #freamon

Gepostet von baranek am 09. März 2011 um 09:18.
Name (erforderlich)

Mon dieu. Twitter stell keine Filter zur Verfügung. Herrje. Wie wär’s mit einem brauchbaren Emailclient, der das erledigt? Und wer jetzt “aber dann merke ich ja gar nicht mehr wenn mir wer folgt”, merkste selbst, oder?

Also, bitte: Wenn WIRKLICH was nervt auf Twitter, dann ist es Mentionspam. Denn dagegen ist es deutlich schwieriger, ein Mittel zu finden. Aber armselige Hanseln wie die da oben… ich bitte euch.

Gepostet von Name (erforderlich) am 09. März 2011 um 09:28.
rp

Du schreibst: “Sie haben rein gar nix kapiert, wie es funktioniert im Web.” Aber wenn es trotzdem funktioniert (auch wenn man’s nicht gutheißt)? PR-Twitter-Accounts, die etwa nichts anderes posten als Tweets mit abgeschmackten Kalendersprüchen und dazwischen Eigenwerbung mit Links zu den immergleichen eigenen Websites, haben mitunter Hunderte, ja Tausende Follower.

Gepostet von rp am 09. März 2011 um 10:08.
Princo

Meiner Erfahrung nach bringt das mit dem “als Spam melden” recht wenig, und so nutze ich i.d.R. nur die normale Blockfunktion.

Allerdings setze ich Spammer vorher noch auf eine eindeutig bezeichnete Twitterliste. Twitter-Spammer kontrollieren zwar ihre Follower-Zahlen, aber nicht auf welchen Listen sie stehen.

Manchmal ist nicht gleich erkennbar, ob ein Neufollower ein Spammer ist, und dann schaue ich nach, in welchen Listen der so steht, denn ich bin nicht der Einzige, der das mit den Spam-Listen macht.

Für die Spammer mit eigenem Foto habe ich sogar eine ganz besondere Liste:

http://twitter.com/#!/josh_k_phisher/spammer-mit-fieser-visage/members

Und so macht das sogar richtig Spaß ;-)

Gepostet von Princo am 09. März 2011 um 10:27.
baranek

@rp
Das ist ja gerade der Punkt: die vielen tausenden Follower bringen rein gar nichts und sagen auch nichts. Meist folgt dort nur ein Spammer dem anderen, mein Eindruck. Schau mal, in wie viel Listen die sind. Oder ob die @replys gepostet haben,selber faven oder gefavt werden. Das sind wesentlich aussagekräftigere Indizien als die reine Anzahl der Follower.

Gepostet von baranek am 09. März 2011 um 14:28.
Gerhard

Man muss nur mal die Tweeties unter die Lupe nehmen die um die 3.000 bis 5.000 Follower haben. Ich hab das mal so ungefähr ein Jahr gemacht und außer diversen Tageszeitungen und Magazinen (und selbst die haben oft mehrere Accounts) kaum einen gefunden, der nicht gleich mehrere Accounts hat. Man muss nur etwas Zeit investieren und genau beobachten von wo Empfehlungen.. uups ich meinte RTs, kommen und schon erkennt man viele Zusammenhänge. Aber es sind nicht nur die RTs manche legen sich zig Accounts an um sich einfach selbst zu folgen. Naja wer seinen eigenen Blödsinn lesen möchte ok …

Im Grunde aber alles nichts neues, das gab es vor 10-14 Jahren schon in den diversen Chattrooms, danach in den Foren. Ein Account zum quatschen, einen um den Troll zu spielen und einen oder gleich 20 um zu werben. Solch Phantomaccounts wie “Rob Liebwein” dürften ja noch einigen bekannt sein – auch wenn es tatsächlich einen gab es gab auch genügend Falsche.

Auch nett ist vielleicht für so manch einen wie Twitter Accounts gehandelt werden (siehe Ebay unter … wer hätte es gedacht “Twitter Accounts”).

Also alles nur kalt gewordene Suppe, nur wer das nicht weiß, fällt eben gerne mal drauf rein – daher: “Schöne Idee hier mal ein paar Beispiele näher zu definieren” ;-)

Gepostet von Gerhard am 09. März 2011 um 15:56.
klaus

Zitat Zeitdimension: “Wenn Du früher Metzger gewesen bist und nun eine Backstube eröffnen möchtest : LASSE ES !! Mache das nicht. Wenn Du aber Deine eigene Matzgerei eröffnen möchtest , müssen wir hier überhaupt nicht vom Know How sprechen, Du bringst dieses ja dann mit. Albert Einstein kann sich nicht geirrt haben : Arbeite niemals an Deine Schwächen, stärke immer Deine Stärken, alles andere ist Energieverlust.”

Gepostet von klaus am 09. März 2011 um 20:03.
baranek

@klaus
Großartig. Alles so unglaubliche Deppen.

Gepostet von baranek am 09. März 2011 um 21:57.
PeterPups

Ach schade, da war schon ein anderer Pedant mit der Richtigstellung des Namens am Werk ^^
Schöner Vergleich hier mit Cool Smooth Lester.

Gepostet von PeterPups am 09. März 2011 um 22:02.
Anna

Hach, es könnte ja so lustig sein, wenn es nicht auch traurig wäre: wie die beiden sich nämlich selbst die totale Anti-Werbung geben… indem sie diese Twitter-Aktionen laufen haben und auch durch den Kleinunternehmer-Status… da fragt man sich, ob man nicht doch von der Wahlmöglichkeit Gebrauch machen sollte und freiwillig USt zahlt… aber naja…

Das traurige jedenfalls ist… dass es heutzutage zu viele Deppen gibt, die meinen, sie könnten mal eben durch Rumklickerei, Nichts-Tun und weiter 23 Std/Tag WOW-Spielen reich werden. Und genau die sind es doch, die wahrscheinlich auf solche Experten reinfallen… (denke ich mir jedenfalls, wenn ich bei gutefrage oder sonstigen Frage-Antwort-Seiten lese, wie oft gefragt wird “Wo kann ich mit Internet Geld verdienen”.
Insofern finde ich es völlig angebracht, Leute wie diese hier auch zu nennen und ihnen einen Post zu widmen ;)

Gepostet von Anna am 11. März 2011 um 06:45.