Dass ich kein großer Fan von Facebook bin, habe ich ja auch hier auf Twitkrit schon mehrfach ausgedrückt.

Und irgendwie spielt sich der Kampf für/gegen zu Guttenberg auch zwischen diesen Fronten ab. Derzeit also #guttbye vs. „Wir wollen Guttenberg zurück„. Es kämpft dort David (wenige hundert Twitterer) gegen Goliath (über 350.000), so könnte man meinen. Aber irgendwie – vielleicht bin ich da auch nur zu tief involviert – ist der Kampf zumindest ausgeglichen in Sachen medialer Impact. Wie kommt das?

Einer der Gründe – da bin ich sicher – ist ein zutiefst literarisch-ästhetischer. Zur Verdeutlichung, hier einige Beispiele von Kommentaren aus der Facebookgruppe:

Sascha Pfaff teilt uns mit:

Kein hit. GUTTI nimmt nur Anlauf und Startet durch. Fast alle BayernsMinisterpräsidenten waren Vorher Verteitiungsmin. guttenberg for Präsident…

Christina Nieth stellt klar:

Ob mit oder ohne Doktortitel!!!!! Herr zu Guttenberg hat es einfach drauf!!!!!!! Was ist mit der Uni???? Mit dem Doktorvater??? Wann werden die zur Verantwortung gezogen????

Dennis Brühl weiß:

Diese Aktion der Opposition war eine reine Hexenjadt!!!!
Nun leider haben sie es geschafft den besten Politiker den wir seid Willi Brandt hatten aus seinen Ämtern zu verjagen!!!!!!!!

Ich lass das einfach mal unkommentiert.

Dagegen konnte Twitter die letzten Wochen mit geballter sprachlicher Finesse aufwarten:

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Nur mal so als Argument, warum es wohl niemals ein Facebookkrit geben wird.


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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Kalzifer

Aber nen fetten „Finde uns auf Facebook“ Button haben *fg* und ein „Gefällt mir“.

Es gibt kein Twitter vs Facebook, es gibt nur noch Vernetzt oder Tot :P

Gepostet von Kalzifer am 02. März 2011 um 14:43.
Michael

Da ist der Facebook „Gefällt mir“ Button unter diesem Posting schon fast peinlich ;-)

Gepostet von Michael am 02. März 2011 um 14:51.
ogmb

Mist, eigentlich wollte ich eine Facebook-Gruppe erstellen: „Wir wollen Guttenberg zurück-treten“. Ich glaub‘ ich lass das dann mal.

Gepostet von ogmb am 02. März 2011 um 15:25.
Benni

Danke fürs Twitkritten.

Was mich jetzt daran iritiert: Kritisieren wir nicht gerade an Gutti, dass er nur Stil ist ohne Inhalt? Immerhin ist Stilsicherheit dass einzige, was er kann. Ok, seine Fans fallen da stark ab und mein Stil ist es ganz sicher nicht, aber dennoch weiß ich nicht so recht ob uns solch bildungsbürgerlicher Dünkel weiter bringt. Die Guttmenschen erkennen zumindest eine Wahrheit, nämlich die Absurdität des Politbetriebs, von mir gerne auch WTF-o-Kratie genannt. Dass sie dann natürlich auf den Erstbesten rein fallen, der genau diese Absurdität auf die Spitze treibt ist irgendwie tragisch. Im Grunde wäre Guttenberg doch der ideale Spitzenkandidat für „Die Partei“.

Gepostet von Benni am 02. März 2011 um 15:57.
mspro

Erst nach meinem Posting gesehen, aber Netzpolitik hatte bereits einen ähnlichen Eintrag und unter diesem Eintrag hat das viel geschätzte @haekelschwein einen grandiosen Kommentar hinterlassen, der hier auch super passt, weswegen ich in hier einfach mal reinguttenberge:

„Es bringt nichts, sich über unpolitische Menschen mit einfacherer Bildung lustig zu machen.
Was sollen die daraufhin tun, plötzlich klug werden? Wie soll das gehen?
Stattdessen muss man sie da abholen und annehmen, wo sie sich emotional und intellektuell befinden. Das ist nicht die abstrakte Welt dröger Politik mit ihren ellenlangen Diskussionen und meterhohen Papierstapeln, sondern es ist die Welt des Events, der Tat, der bewegenden Bilder.
Wer nur Boulevardmedien konsumiert, aber kaum seriöse Zeitungen oder Bücher liest, für den ist alles unterhalb von Superstars, Sensationen und Riesenwirbeln jenseits der Wahrnehmungsschwelle, für den gibt es nur total toll oder total scheiße.
Guttenberg war seit langem der erste Politiker, der es über die Wahrnehmungsschwelle dieser Bevölkerungsgruppe geschafft hat, alle übrigen verschwimmen in ihren Augen in derselben grauen Masse.
Dass er Politiker war, erschien aber nur als Anlass, über ihn zu berichten, nicht jedoch als Inhalt der Boulevardberichte. Deren Konsumenten interessieren sich auch nicht für Politik, sondern für schillernde Prominente.
Guttenbergs Beliebtheit bei dieser Schicht leidet deshalb auch nicht unter seinen Fehlern als Politiker, weil seine Fans gar nicht genau sagen könnten, worin dessen Politik eigentlich besteht, sondern sie sind sich lediglich sicher, dass ein Mensch, der ihnen derart sympathisch ist, auch auf diesem obskuren Feld namens Politik etwas Großes leistet.
Alle Gegenargumente, die Guttenbergs politische Versäumnisse aufzählen, verfangen deshalb nicht. Genauso wenig wie man einer verliebten Teenagerin den nichtsnutzigen Freund ausreden könnte, denn sie liebt ihn ja nicht wegen seines beruflichen Erfolgs. Im Gegenteil verstärkt man in beiden Fällen nur die Anziehung, weil man Trotz erzeugt und ein Bedürfnis, das Objekt seiner Liebe zu verteidigen.
Ein Großteil der Guttenberger scheint mir aus den Gruppen der Nichtwähler und der politisch Uninteressierten zu kommen und sich jetzt erstmals in eine politische Diskussion einzuschalten. Das erklärt auch, warum in vielen Foren so viele Neumitglieder ohne vorherige Beiträge sich für Guttenberg einsetzen. Das ist wohl kein Astroturfing, sondern die haben sich vorher eben nie für Politik interessiert, und jetzt interessieren sie sich zumindest für einen Politiker, allerdings auch nicht wegen dessen Politik, sondern wegen seiner Starqualitäten.
Dadurch unterscheiden sich diese Guttenberger auch von CSUlern. Die CSUler unterstützen Guttenberg, um ihre Politik nicht zu beschädigen. Die Guttenberger unterstützen Guttenbergs (unbekannte) Politik, um Guttenberg nicht zu beschädigen.
Statt Häme über die Guttenberger auszuschütten, sollten sich Bildungsbürger und etablierte Parteien überlegen, wie sie die Alltagspolitik verständlicher, aber auch mal spannender und begeisternder verkaufen könnten, damit nicht nur Buchstabenfresser sich dafür interessieren, sondern auch Menschen mit weniger Abstraktionsvermögen. Warum kann eine Regierungserklärung nicht so mitreißend sein wie eine Apple-Keynote? Man kann doch politische Themen auch mal mit Schwung und Begeisterung verkaufen. Die Boulevardmedien wiederum sollten sich fragen lassen, ob Personalisierung und ständiges emotionales Dauerfeuer der einzige Weg sein muss, die Zielgruppe anzusprechen, oder ob man nicht mal ein paar Gänge zurückschalten kann; wer ständig Überwürztes isst, verliert das Gespür für die feineren Geschmacksnuancen.
Nehmen wir also die Trauer der Guttenberger ernst, sie haben wirklich etwas verloren. Und das Verlorene sollte man ihnen auch zurückgeben, aber nicht in der Person Guttenbergs, sondern indem man ein wenig vom Auftreten und vom Verkäufertalent Guttenbergs in die für viele allzu graue Politikwelt übernimmt. Man kann von Guttenberg durchaus lernen, wie man Begeisterung erzeugt, wie man Tatkraft ausstrahlt, wie man Menschen für sich gewinnt. Das sind Dinge, die auch ehrliche Politiker durchaus plagiieren dürfen, und dabei muss die politische Substanz keineswegs auf der Strecke bleiben.“

Gepostet von mspro am 02. März 2011 um 16:03.
Marlies

Du bist so überheblich,wie du es von Guttenberg meinst.

Gepostet von Marlies am 02. März 2011 um 17:16.
Weltregierung

Facebook – a complicated tool for simple people.
Twitter – a simple tool for complicated people.

Gepostet von Weltregierung am 02. März 2011 um 17:42.
Johannes

Mal davon ab, dass dir eine solche bild-hafte Vereinfachung (Facebook: evil, Twitter: cool) bei anderen Themen sicherlich sauer aufgestoßen wäre, und dass die selektive Auswahl von Facebook-Kommentaren und Tweets natürlich kaum die Wirklichkeit wiederspiegelt: Der viel orginellere Tweet, weil den Bezug zur „Bild“-Schlagzeile herstellend und sowieso viel subtiler, war:

84% der BILD-Leser wollen, dass Dr. Guttenberg wieder als Arzt praktiziert.

(Quelle leider vergessen und zu faul zum Suchen)

Gepostet von Johannes am 02. März 2011 um 18:38.
Johannes

(Der Treppenwitz mit der nicht gemachten Quellenangabe ist mir erst jetzt aufgefallen. Trotzdem nicht lustig.)

Gepostet von Johannes am 02. März 2011 um 18:40.
Frank

Ich find die zugrunde liegende Idee hier ja sehr spannend. Aber letztlich wird entscheidend sein was im gesamten Netzt übrig bleibt.

Gepostet von Frank am 02. März 2011 um 23:45.
SRB

Letzlich muss man sich doch seine Friends / Freunde / Kontakte / Vergfolgten selbst aussuchen und damit steht und fällt die Qualität. Auf Twitter, auf Facebook und im echten Leben.

Gepostet von SRB am 03. März 2011 um 08:47.
B. Mat

Qualität ist ein gutes Stichwort. Wie schaffen es die „Facebook“ Leute eigentlich, sich auf Facebook zurecht zu finden? Dafür bin ich nämlich Intellektuell vielfach nicht in der Lage. Das nur am Rande bemerkt.

Ich glaube, dass viele dieser „Guttenberger“ erst jetzt gemerkt haben, dass die Politik sie seit Jahren für blöd verkauft hat und jetzt nimmt sie ihnen auch noch einen der ihren vermeintlichen Hoffnungsträger weg. Wer ist Schuld daran? Die Medien (ausser Bild). Jeder von uns sollte einen von ihnen in den Arm nehmen und feste drücken, denn wir sitzen trotz großer Unterschiede alle im selben Boot.

Mat

Gepostet von B. Mat am 03. März 2011 um 10:42.
ogmb

Mal abgesehen, dass die obigen Zitate fraglos sehr selektiv gewählt wurden (da war auch eine Menge Stuss unter den Tweets), die interessante Frage ist eigentlich eher die, wie sich die Koalitionen auf die beiden Plattformen (und eine dritte: Wikia) konzentriert haben. Demographische Unterschiede? Wohl kaum, „die Schlauen zu Twitter und die Doofen zu Facebook“ ist doch wohl ein bisschen zu einfach. Dazu ist die Schnittmenge, die beides benutzen, zu gross. Sehr viel plausibler ist, dass die meisten in so einer Krisensituation den Schutz der gleichmeinenden Gruppe suchen, und sobald klar wurde, dass auf Twitter anti- und auf Facebook pro- ein erstes Übergewicht gewinnen konnten, die Nachzügler das Forum gewählt haben, in dem ihre eigene Meinung vorherrschte.

Sehr interessant im selben Zusammenhang sind die Bewertungen, die die (überwiegend satirischen) Rezensionen auf Amazon.de bekommen: Auf Guttis Dissertation gibt es 90% positive Bewertungen, auf der neuen Guttenberg Biographie meist weniger als 50%.

Gepostet von ogmb am 03. März 2011 um 13:01.
mainwasser

Auf Twitter wird doch genauso viel Stuss geschrieben wie auf Facebook und im meinVZ und im Kleingärtnerforum, nur lesen wir diese Leute halt nicht.

Und genau deswegen sind wir in unserer Realitätsblase selbstdarstellerisch-narzisstischer Hobbywortkünstler und Favstar-Twitterer eben kein repräsentativer Durchschnitt der Twitternutzer.

Gepostet von mainwasser am 04. März 2011 um 16:25.
KainerWeissmann

Boah, doch so viele Deutschlehrer hier.

Gepostet von KainerWeissmann am 06. März 2011 um 15:48.
KainerWeissmann

Boah, doch so viele Deutschlehrer hier.

Ein Geschwafel höchster Güte!
Danke Leute, ihr habt einen kleinen Teil meines Abends ausgefüllt!

Gepostet von KainerWeissmann am 06. März 2011 um 15:57.