Wiederhole diesen Hinweis gerne: es geht um die res publica, “Republik, die”. Öffentliche Sache. Soso…

Es gibt Menschen, die sich einsetzen für dieses Öffentliche, die delegiert werden von anderen Menschen, um in deren Namen zu handeln. Wir kennen diese Menschen als Politiker. Sie sollen die öffentliche Sache organisieren. Dafür sorgen, dass endlich mal was gutes im Fernsehen kommt; dass die Straßenbeleuchtung funktioniert; dass uns nicht jeder dahergelaufene Depp auf die Fresse haut.

So ein Politiker hat eine Menge zu tun. Weil wir ihm etwas abgetreten haben, was eigentlich uns gehört, unsere Teilmacht als Teil vom Ganzen, deshalb soll er mal sagen, was er so tut, dieser Politiker jetzt also. Rechenschaft ablegen. Soll das Öffentliche öffentlich tun und machen.

Dazu eignet sich Twitter perfekt. Ein schneller, überall einsatzbereiter Kanal. Hat sich bewährt. Um mitzuteilen, dass er Dieter Bohlen rausgeschmissen und stattdessen im TV jetzt die Banksy-Doku läuft. So richtige Machtsachen halt. Wen’s interessiert, der hängt sich dran. Man kann den dann sogar zutexten, den Politiker, dem seine Meinung geigen. Was halt grade für Aufreger anliegen. Die scheißaufwendige Verordnung zur Entsorgung von Pressspanplatten. Die verdammtunsinnige Helmpflicht für Segways. Den Typen verhaften, der uns neulich auf die Fresse gegeben hat. Sorgen, die uns alle bewegen eben.

Einige deutsche Politiker nutzen Twitter. Um Öffentlichkeit herstellen? Naja, das jetzt eher nicht so. Sie berichten nicht wirklich, was sie machen und was sie umtreibt. Einer dieser Politiker, ja, er war sogar einer der ersten, die sich hier reingewagt haben, ist der hessische SPD-Vorsitzende und Oppositionspolitker Thorsten Schäfer-Gümbel. Der berichtet aus seinem Leben, jaja. Hautnah bis du dabei, wie sich Macht materialisiert. Sieht man zum Beispiel an diesem Tweet.

tsg

Tweetlink

Freut mich zu hören! Alles im Griff! Na dann… Aber was ist passiert? Was wurde mit wem geredet? Man weiß es nicht. Hat der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der hessischen SPD-Bürgermeister angerufen und dazu geraten, einen voraussichtlichen Antrag des Unterbezirkes Hessen-Süd im Landesvorstand abzulehnen? Andernfalls könne man nicht die Kandidatin XYZ als neue Schatzmeisterin unterstützen? Worauf TSG dann den UB-Vorsitzenden angerufen hat, um ihn zu bitten, sich das mit dem Antrag nochmal zu überlegen bzw. diesen einen Absatz doch so zu ändern, dass…

Ja, so geht das mit dem Öffentlichen. Jetzt erstmal einen Kaffee.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

stomen

“Aber jetzt ist mal wieder alles im Griff.” – Ein Satz, bei dem man Angst bekommen sollte. Denn die Formulierung “mal wieder” deutet schon an, was Sache ist … nämlich eine Ausnahmen. Ergo: Der (ungewollte) Kontrollverlust ist die Regel, aber durch intensives Allgemeinplatzerei gewinnt TSG mal kurzfristig Durchblick und Oberhand. Das ist schon einen Jacobs Uralt wert. Und nach dem koffeinhaltigen Heißgetränk ist alles wieder snafu. Prost.

Gepostet von stomen am 22. Februar 2011 um 19:19.