Anlässlich des Tages der Liebenden zeigte der deutsch-französische Kultursender ARTE im vergangenen Jahr eine Dokumentation über einen japanischen Bondagekünstler. Unkommentiert konnte man in dem Film sehen, wie junge hübsche Mädchen Schlange standen, um sich von einem älteren Herrn, der in seiner Bedächtigkeit an den bonsaizüchtenden Karatetrainer Mister Miyagi erinnerte, an die Decke fesseln zu lassen: Ein Mädchen kam, machte sich nackig, wurde gefesselt, dann wieder entfesselt. Dann ging das Mädchen und das nächste kam etc.

Sicherlich ist diese Art des Vergnügens nicht jedermanns Sache, und es war auch eine etwas eigenartige Beziehung, in der Künstler und Gefesselte zueinander standen. Dennoch war es schön anzuschauen,obwohl ansonsten nichts weiter passierte; schließlich befand man sich auf ARTE und nicht auf RTL 2: Es war mehr Kunst als Sex.

In Eingedenk des besonderen Datums musste man beim Betrachten der Dokumentation unweigerlich auch an andere Verwendungsmöglichkeiten von Stricken im Zusammenhang mit einem möglichen tragischen Beziehungsende denken: Es ist schon praktisch, wenn man sich mit dem Seil zu einem späteren Zeitpunkt an einen Baum hängen kann, wenn die Zeit der fesselnden Liebesspiele erst einmal vorbei ist.

Ebendiesen Gedanken nimmt @peterbreuer_ in seinem Tweet auf:

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Selten wurde uns die Unverdaulichkeit von Buchstabensuppen so plastisch vor Augen geführt wie in diesem Tweet. Aber er hat auch etwas Beruhigendes: Zeigt doch der zweite Teil, dass auch ein jeder eher unromantische Pragmatiker – im übertragenen Sinne – ein passendes Beil für seinen Kopf finden kann. Das spendet allen dem Zynismus verfallenen Twitterern Hoffnung. Gleichzeitig wird vor der Gefahr, dass Liebe auch kopflos machen kann, eindringlich gewarnt. Das macht diesen Tweet so wertvoll.

Wer es weniger mit Seilen oder Beilen hat, kann es heute ganz herkömmlich mit Blumen und Pralinen versuchen – das ist vollkommen in Ordnung.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

German Psycho

Klar: Wäre dieselbe Sendung auf RTL2 gelaufen, hätte sie jeder als pornographisch angesehen. Kommt ja heute nicht mehr auf den Inhalt an, sondern ausschließlich auf den Absender.

Ich bin aber ÄUSSERST froh, daß es dieser Beil-Tweet zur Twitkrit geschafft hat. Den kann man gar nicht stark genug hervorheben.

Gepostet von German Psycho am 14. Februar 2011 um 11:22.
Richard K. Breuer

Schau mal einer an. Hübsch. Im Übrigen wurde bereits in Wien letztes Jahr versucht, mit Bondage im Kunstraum der Secession die Aufmerksamkeit des sonst so gelangweilten Kunst-Publikums zu gewinnen und konnte nebenbei oder hauptsächlich mediale Aufmerksamkeit generieren. Ich würde sagen: Yep. Hat funktioniert.

Gepostet von Richard K. Breuer am 14. Februar 2011 um 13:23.
Valentinstag 2011 | boschblog.de

[...] Plötzlich wacht man auf und es ist schon wieder Valentinstag. Man kann nicht jedes Jahr einen Wurstbrief erhalten, denke ich, und hinterlasse im Twitteraturkritikblog ein paar flüchtige Zeilen über Fesselspiele und Kopflosigkeiten. [...]

Gepostet von Valentinstag 2011 | boschblog.de am 14. Februar 2011 um 15:19.