Dichtung und Wahrheit
Für die Leser fiktiver Literatur liegt ein Großteil des Reizes in der Diskrepanz zwischen Dichtung und Wahrheit. Nicht erst seit dem guten alten Goethe. Je nach Erzählsituation macht uns ein allwissender Autor auf die Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit oder zwischen realer und Gedanken-Welt der Protagonisten aufmerksam, oder ein Ich-Erzähler lässt uns am Gegensatz zwischen Ist und Soll teilhaben.
Selbiges gilt auch – in ebenso ganz unterschiedlichen Ausprägungen – für Twitter. Wir lesen etwa die Tweets der Menschen, die wir kennen, und beobachten den wechselnden Grad der Differenz zwischen Dichtung und Wahrheit, oder wir sind Teilhaber am getwitterten Geständnis, dass zwischen Dichtung und Wahrheit manchmal Welten liegen. Für Letzteres sei exemplarisch der wunderbare Tweet von @atomazing genannt:

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Das sagen die Anderen:
Also ich mag mich täuschen, aber ich meine, den Tweet gab’s schon mal vor anderthalb Jahren?
Gepostet von Frau Elise am 03. Dezember 2010 um 21:06...ich nehne immer alles für bare Münze ! Alle Menschen sind gut !
Gepostet von 3ich3 am 03. Dezember 2010 um 21:25.Vielleicht stimmt der Tweet in zwei Jahren immer noch.
Gepostet von Sammelmappe am 05. Dezember 2010 um 19:58.Was werde ich ein Freudenfest veranstalten am Tage an dem der letzte “Twitterer-haben-keinen-Sex”-/ “Twitterer-sind-sozial-inkompetent”-/ “Twitterer-haben-keine-Freunde”-/ “Twitterer-hängen-ständig-in-diesem-Internet-rum-und-gehen-nie-raus”-Witz gemacht ist und niemand mehr über selbige lacht.
Gähn.
Gepostet von Paul Neuhaus am 07. Dezember 2010 um 10:30.