Bei uns im Vereinsheim der Postprivacyapologeten haben wir eine Redensart:

“Wenn man alles mögliche von sich preis gibt, dann trifft man am Ende sich selbst.”

Das ist natürlich Papperlapapp, denn die Redensart habe ich mir in diesem Augenblick ausgedacht und selbstredend hat der Postprivacyapologeten e.V. noch gar kein Vereinsheim. (Noch im Bau. Glas. Natürlich!)

Aber dennoch finde ich diesen von mir vor einer Minute ausgedachten Spruch irgendwie gut, denn er zeigt vor allem eins: eine transparente Gesellschaft ist vor allem eine, die sich selbst im SPIEGEL Spiegel betrachtet. Und nun hat man die Entscheidung das ganz schrecklich zu finden oder irgendwie ganz toll.

Und auf einmal kommt Wikileaks und zeigt uns: die Wahrheit ist weder toll, noch schrecklich, sondern vor allem eins: banal.

Der Spiegel, in den wir schauen wird uns vor allem zeigen, wie banal alles ist. Wir, die Anderen, die ganze Welt – einfach alles. Statt Weltverschwörung bekommen wir billige Lästereien, statt düsterer Pläne bekommen wir Peinlichkeiten. Irgendwas sagt mir, dass es der Welt mit unseren persönlichen Geheimnissen nicht anders gehen wird.

Aber zurück zu Wikileaks und wem es den Spiegel vorhält.

Da wäre zunächst die Gesellschaft: Weder unsere Minister, noch die hochgezüchteten amerikanischen Superdiplomaten sind irgendwie schlauer als wir. Die kochen alle nur mit abgestandenen Wassern, was uns ermöglicht, uns selbst in den Dokumenten wiederzuentdecken und uns auf die Schulter zu klopfen, dass wohl auch wir dieses Land regiert bekommen würden.

Das wäre der erste Spiegel.

Und natürlich den Massenmedien: Die Depechen über eitle Außenminister und zaudernde Merkels sind selbst aber auch nichts als gesammelte Gemeinplätze, die uns nun als aufregende Geheimnisse präsentiert werden. Von eben jenen Massenmedien aus denen die von den Amerikanern gesammelte Berichterstattung stammt, die sie also selbst produzierten.

Das wäre der zweite Spiegel.

Und wie reagiert Twitter?

Da ist man sich völlig uneins. Manche bewerten den Leak als druchaus spektakulär:

Bildschirmfoto 2010-11-29 um 17.59.50
[Link]

Andere analysieren die euphemistische Wortwahl:

Bildschirmfoto 2010-11-29 um 18.00.02
[Link]

Mancheiner reflektiert die Bedeutung der Dokumente für die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik:

Bildschirmfoto 2010-11-29 um 17.59.43
[Link]

Aber niemand, außer @kchkchkch erkannte das eigentlich erstaunliche:

Nämlich den dritten Spiegel:

Bildschirmfoto 2010-11-29 um 17.48.46
[Link]

Dann müssen wir ja nur noch herausfinden, wie man einzelne Diplomaten entfollowen kann.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

hade

habt ihr alle überhaupt irgendwas von dem leak mitbekommen, ausser den kleinen appetizern, die gestern mittag schon rumgingen? da kam schon einiges mehr als die einstufung irgendwelcher deutscher politiker, diverse brisante absprachen der us-regierung mit anderen, die definitiv erklärungsnor bringen, und die nächsten tage wird da auch noch mehr kommen.

Gepostet von hade am 30. November 2010 um 00:20.