Im Zuge der Veröffentlichung des Twitterbuches tauchten sie allenthalben auf: Plagiate. Tweets, die von dem einen getwittert wurden, auf die der andere einen Anspruch erhob, ihn als erstes getwittert zu haben. Wir sammeln diese Dinge immer noch.

Nun ist es so, dass selbst wir – die wir nun wirklich gottgleich von oben das gesamte Twittergeschehen mit an Allwissenheit grenzender Beobachtungsgabe verfolgen – nicht alles sehen können. Und sind wir nach wie vor dankbar für jeden Hinweis. Bitte reportet an kritiker@twitkrit.de wenn ihr sowas habt.

Es ist auch nicht das erste mal, dass wir (auch hier) darüber gestolpert sind und dann gibt es ja noch das recht erfolgreiche Plagiat im großen Stil als Twitterer und überhaupt scheint es auf Twitter da wenig Hemmungen zu geben, so dass man manchmal von seinen eigenen Followings – ich sag mal: überrascht ist.

Im Zuge der Überlegungen zum Twitterbuch tauchte natürlich die Frage auf. Nein, es sieht nicht so aus, als seien Tweets urheberrechtlich geschützt (Es gibt noch kein Urteil, aber soviel ich weiß, schätzen die Juristen die Schöpfungshöhe der Tweets als zu gering ein (Warum eigentlich? (Und was qualifiziert Juristen überhaupt dazu sowas pauschal einschätzen zu können/dürfen?))) . Aber machen wir uns nichts vor: es wäre schlimm, wenn Tweets ein Urheberrecht hätten. Jeder Retweet müsste genehmigt werden, jede Twitkrit wäre anzumelden. In einer Welt von urheberrechtlich geschützten Tweets möchte keiner von uns twittern.

Und dennoch ist da ein Stich, ein Schmerz und ein Ärger, wenn jemand Ruhm, Ehre, Retweets und Favs einkassiert, für einen Tweet, den er selber nicht erdachte und dabei auch keine Credits gibt. Warum ärgert uns das? Wird uns etwas genommen? Wird der Ruhm des Plagiators von unserem Ruhm abgezogen? Nein, das ist alles nicht der Fall.

Was allerdings passiert, ist: der Link, die Idee, der Witz findet weitere Verbreitung als vorher. Klar, ein Retweet des entsprechenden Tweets hätte es natürlich auch getan. Aber da mir weder etwas genommen wird, der Tweet aber mehr Leute erreicht, die sich darüber freuen, ist die moralische Bilanz des Plagiats durchaus positiv. Der sich ärgernde Autor jedoch steht als grüner, eifersüchtiger Gnom da, der aus reiner Missgunst – ja, aus purem Geiz – auf seine Referenz pocht.

Wir haben hier auf Twitter die Chance auszuprobieren, wie eine Welt ohne Urheberrecht funktioniert, weil es das hier tatsächlich nicht gibt. Wir können hier proben, wie wir mit unserer Eifersucht und Missgust umgehen können und ob wir es überhaupt können. Und wann und warum wir daran scheitern.

Wofür ich allerdings kein Verständnis habe: warum ausgerechnet so ein mittellustiger Tweet wie dieser hier Land auf, Land ab kopiert wird (in chronologischer Reihenfolge):

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Kommentieren

Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Geistige Gemeingüter - Graubrot

[…] dass ich davon wusste, hat parallel zu all dem mein geschätzter Kollege @mspro bei Twitkrit zu den angeblichen und realen Plagiatfällen in unserem Twitterbuch geschrieben und dabei kühn behauptet, Twitter sei ein schönes Laboratorium […]

Gepostet von Geistige Gemeingüter - Graubrot am 20. September 2010 um 22:53.
bosch

@Andreas: Niemand muss dafür bezahlen, denn niemand ist gewzwungen, das Buch zu erwerben.

Du kannst Dir Dein eigenes Twitterbuch zusammenstellen, in dem Du Dir Deine Lieblingstweets der letzten zweieinhalb Jahre zusammenstellst (falls Du in den Suchergebnissen so weit zurückkommen solltest) und das dann mit dem von Dir selbst angefertigten Kartoffelstempel ausdruckst.

Gepostet von bosch am 20. September 2010 um 23:05.
mp3

Da sieht man wieder einmal wie wichtig das Leistungsschutzrecht ist.

Gepostet von mp3 am 20. September 2010 um 23:26.
function

Und im Übrigen ist das Urheberrecht, Plagiarismus, Twitter und ihr alle Hitler!

Gepostet von function am 21. September 2010 um 01:39.
mspro

@function du wolltest doch nur dem German Psycho einen inneren Reichsparteitag bescheren, gib’s doch zu, du Goebbels!

Gepostet von mspro am 21. September 2010 um 01:42.
der glanz der anderen | DENKDING

[…] noch mehr edit, über ein jahr später nach erscheinen eines tatsächlichen büchleins die debatte a… var flattr_wp_ver = '0.71'; var flattr_uid = '1685'; var flattr_cat = 'text'; var flattr_tle = 'der glanz der anderen'; var flattr_dsc = '[/caption] und wieder twitter. diesesmal aber keine allgemeine lobhudelei auf das tolle, kreative, neue, schnelle, alle können alles multiplikationsding. heute gab es vielmehr eine diskussion über "retweet" (rt) und "protected accounts". letzteres sind accounts, die nur für follower zu lesen sind. damit hat der accountinhaber die volle kontrolle über seine reichweite: er taucht nicht in suchmaschinen auf und wird nirgendwo einfach zitierbar sein. wenn jedoch einer seiner follower einen tweet per rt weitergibt, ist er im selben moment doch öffentlich und kann beliebig weitergegeben werden. den meisten followern ist aber nicht klar, was alles in diesem "protected" steckt, wenn sie einem protected account folgen. vor allem: die meisten twitter-clients, wenn nicht sogar alle, zeigen es überhaupt nicht an. wozu eigentlich überhaupt rt? mit rt kann ich meinen followern per klick etwas weiterreichen, was ich spannend, lustig oder lesenswert finde, soweit die funktionalität. nun zur funktion. wenn ic'; var flattr_tag = 'twitter'; var flattr_url = 'http://www.denkding.de/?p=469'; var flattr_lng = 'de_DE'; […]

Gepostet von der glanz der anderen | DENKDING am 21. September 2010 um 10:00.