Twitkrit

#S21

Twitter kann viel sein. Ein Nachrichtenkanal, eine Dialogmaschine, ein Unterhaltungsmedium. Kommt darauf an, was man daraus macht.

Twitter kann aber auch ein Podium sein, ein riesiger Runder Tisch, um ein Problem zu diskutieren, eine politische Entscheidung zu begleiten, einen Prozess abzubilden. Das geschieht gerade IMHO zum ersten Mal in beispielhafter Art und Weise bei #S21.

Weiterlesen

Aus Prosa wird Drama: Zur Gattung der Dialog-Tweets

Ob der Begrenzung auf 140 Zeichen ist es auf Twitter oft schwer genug einen kompletten Satz zu übermitteln. Die Schwierigkeit auf limitiertem Raum das zu Erzählende unter zu bringen steigert sich nochmals bei den beliebten Dialog-Tweets. Aus Prosa wird Drama, verteilte Rollen vermitteln eine Situation dialogischer Auseinandersetzung auf engstem Raum der abgezählten Zeichen. Um so beachtlicher ist es daher, dass es sogar Tweets mit Dialog-Charakter gibt, die durch ihre Kürze bestechen. Drei aktuelle Fallbeispiele von @silbermund, @UteWeber und @himmelkreis:

Weiterlesen

Und was ist mit Obst?

Salatgurke
[Link]

Normal ist ja auch so ein schwammiger Begriff. Wir sagen einfach mal vegetabler Fetisch dazu. Haben auch andere. Auch mit anderen Gemüsen (mehr Infos beispielsweise hier). Warum nicht. Gerade wenn vorbildlich dabei verhütet wird. Gesünder kann kaum masturbiert werden. Da gehen sogar Pilze. Aber ob unbedingt auch noch Käse ins Spiel gebracht werden muss?

Lauchzwiebel
[Link]

Weiterlesen

Vom realen Leben im virtuellen

Die Debatte um Google Street View können manche schon nicht mehr hören. Mir geht es da genau so. Populistisch agierende Volksvertreter im ahnungslosen Einklang mit den diffuse Ängste schürenden Boulevardblättern. Alles ärgerlich. Mag man sich gar nicht mehr mit befassen. Sollte man aber. Ohne besserwisserische Arroganz der gut Informierten, sondern mit dem Verständnis für folgenden Sachverhalt, den Kollege mspro so trefflich auf CARTA formuliert: Es gibt kein analoges Leben im Digitalen. Würde der Willy noch leben, würde er vielleicht jetzt in Bezug auf die analoge und die digitale Welt sagen: «Es wächst zusammen, was zusammen gehört».

Weiterlesen

Defaitismus als Chance

Selbsterkenntnis muss was Tolles sein, mir aber auch oft zu anstrengend. So wird es sicher 97,5 Prozent der Weltbevölkerung gehen, ich bin also nicht alleine. Interessant, nicht? Selbsterkenntnis ist aber gar nicht das Thema heute, hier und jetzt.

SONDERN

Es geht vielmehr um die klassische gute Laune. Gute Laune, das ist das, was sich morgens beim Aufstehen wie von alleine einstellt. Oder wenn man den Briefkasten aufmacht oder beim Bäcker in der Schlange steht oder sich im Körper einer Schlange befindet. Oder eben auf der Arbeit. Das mit der guten Laune war natürlich ein Witz, Sie haben es sicher längst bemerkt.

Wenn sich zum Beispiel ein Fremdling in der Früh am Montag den Twitterstream durchliest, wird er feststellen, dass Montag ungefähr so schlimm zu sein scheint wie Hitler oder Nasi Goreng aus der Dose. Außerdem gibt es immer etwas zu meckern. Schlechte Laune wird quasi groß geschrieben. So allgemein. Man könnte und man kann sich allerdings damit heraus reden, dass nur die Einfältigen ein sonniges Gemüt haben. Ein Mensch mit Gefühlen muss ja zwangläufig auch am Alltag zerbrechen, da wollen wir ja alle Rimbaud sein und ein bisschen Nietzsche und natürlich Ren Höek von Ren & Stimpy.

Also daraus ableitend ist es ja voll ocheeso, auch “mal” nicht so gut drauf zu sein. Aufgrund des murmeltiertagartigen strapaziösen, allmorgendlichen Aufstehens und des megagrausamen DenTagüberstehen hat sich bei Frau @Posemukel dann schließlich ein, man muss es leider so sagen, gewisser Defaitismus eingeschlichen. Sie kann es leugnen, aber es nutzt nichts. Doch es ist, wie es ist ,und alles was gesagt werden muss, hat @Posemukel neulich in einem Tweet zusammengefasst. Es ist ein bisschen mehr als Selbsterkenntnis, es ist auch eine Erlösung. Endlich kann man sich sicher sein:

Posemukel

Und jetzt greifen Sie bitte zum Telefonhörer und rufen Sie die entzückende und im Grunde des Herzens liebenswürdige Frau @Posemukel an und sagen Sie ihr, dass alles gut ist und falls es nicht gut ist, dass es dann gut wird. Sagen Sie, Sie seien sich sicher, sagen Sie, Sie hätten das irgendwo gelesen, könnten sich aber nicht mehr erinnern, aber behaupten Sie steif und fest, dass es genauso sein wird, nämlich gut. Sie wird sicher außer sich vor Freude sein.

Weiterlesen

Du sollst dir ein Bildchen machen

Der Avatar, das Profilbild zum Twitteraccount – es gibt kaum ein Thema in Twitterland, das nicht insgeheim für wichtiger gehalten und dennoch so gut wie nie thematisiert wird. Ganz heikles Ding, wie wir uns an dieser empfindlichen Stelle der Öffentlichkeit präsentieren, denn Bilder sind noch weniger steuerbar als Worte, in Bezug auf die Bedeutung und die Interpretationsmöglichkeiten des zumeist hyperkritischen Publikums. Da kommen Kriterien wie “hübsch” und “hässlich” ins Spiel. Wer will schon hässlich sein?

Unternehmen und Leute wie Spreeblick machen es sich einfach, die greifen zu ihrer Logo, Bild- oder Wortmarke. Fall erledigt. Klar, SM-Experten raten natürlich ab – “Echte Menschen sind essentiell bei der dialogorientierten Kommunikation!” – aber Scheiß drauf.

Andere Twitteros verwenden irgendso’n Quatsch als Bildchen, Comicsachen sind beliebt, Schafe, Kinderfotos oder ach, keine Ahnung, alles halt, was sie für witzig, bedeutsam oder auch furchterregnd halten. Die Mehrheit greift auf ein Selbstbild zurück oder Teile davon, was in Ordnung ist. Einfach in die Kamera lächeln, fertig.

Wie heikel das ganze Thema genommen wird, zeigt der Umstand, dass es eine ganze Menge sehr nervöser Twitterleutchen gibt, die ihr Bildchen andauernd wechseln. Mich persönlich nervt das. Ich blick dann auf den ersten Blick nicht mehr durch, wer wer ist im Tweetstrom. Andere haben ihr Bildchen zur Ikone gemacht, auch daran basteln sie ständig rum, als ironisches Zitat ihrer selbst. Das ist schwer verwurbelt, intellektuös. Dann gibts da noch die “Twibbon”-Seuche, also diese Bekenntnisschleifchen für die schlimmeschlimme Sau, die grad durchs Twitterdorf geprügelt wird. Ja, ist okay, muss ich aber nicht haben.

Mitschreiben —> Macht doch, was ihr wollt!

Sympathisch sind mir in diesem Zusammenhang Tweets, wie dieser hier von dem auch ansonsten amüsanten, rotzfrechen, aber nicht zu anstrengendem Account von @steaklight.

steaklight

Genau so ist es doch. Man kann es eh nicht allen recht machen. Mach dein Ding so gut, wie’s geht, du wirst schon Fans kriegen. Die, die es Scheiße finden, sollen sich verpissen. Pff.

Und die netten Piepels, die machen dann auch noch mehr mit deinem Avatar. Mitteleuropäisches Voodoo-Zeug zum Beispiel.

euphoriefetzen

Von mir aus.

Weiterlesen
« Ältere Einträge