Vor drei Jahren kürte die Intiative Deutsche Sprache gemeinsam mit der Stiftung Lesen den schönsten ersten Satz eines Romans. Er stammte aus Günter Grass “Der Butt” und lautete: “Ilsebill salzte nach.” Ein wahrlich schöner, prägnanter Satz. Ein außergewöhnlicher Frauenname und eine angenehme Tätigkeit, das Essen, schaffen die Vorraussetzung für die Würdigung. Drei Worte reichten 1977 aus, um noch 30 Jahre danach einen Preis zu gewinnen.

Heute ist das Leben wahrlich komplexer. Mit ein paar Krümeln Salz wäre es nicht mehr getan, den Leser hinter dem Streuer hervorzulocken. Wir leben in einer Welt, in der sich die Menschen rund um die Uhr Gedanken über Überforderung, Datenschutz und Social Networks machen, anstatt einfach einen Drink zu nehmen. Von einfachem Nachsalzen wollen wir hier gar nicht reden.

Der Twitterat @jensbest denkt Grass mit seinem Tweet konsequent weiter:

screen-capture

[Link]

Er salzt nicht mehr einfach nach, was bei den allermeisten Getränken ja auch gar nicht erforderlich ist, sondern zeigt uns deutlich die Rastlosigkeit des Menschen in einer Welt, die geprägt von unterschiedlichen Checkin-Systemen ist. Mit einem einfachen Satz führt er uns die Nachteile der Barrieren zwischen den Menschen auf unterschiedlichen Plattformen in Sozialen Netzwerken vor Augen: Vor lauter Checkins bleibt die Kehle des Twitteraten trocken, während seine Begleitung schon leicht betrunken dazu drängt, die nächste Location aufzusuchen.

@jensbest zeigt uns, wie ein Roman im Zeitalter des Web 2.0 beginnen könnte. Einen Preis wird er für diesen Tweet indes in dreißig Jahren wohl kaum noch erhalten: Foursquare, Gowalla, Friendticker, Brightkite und Qype werden dann längst Internetgeschichte sein. Salz hingegen wird es auch im Jahr 2040 noch geben.

Kommentieren

Also ich finde: