Der Ungumm

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Als alter Bildungsbürger musste ich schon dem noch älteren Apoll heftigst huldigen vor Freude über dieses Kleinod der Dichtkunst. Wieder einmal beweist sich, das Zwitschern und Dichten beides Musenkinder sind. Aber der Reihe nach.
Irgendwer begann vor einigen Tagen damit, einen Mix aus Wörterbuch- und Phantasiesprache in korrekten Satzbau zu gießen und das Ganze zu twittern. Ah, mag die eine oder der andere nun denken, der übliche Twittermist diesmal in ganzen Sätzen! Äh, antwortet der Twitkritter, nein. Nicht übliches sprachliches Unvermögen, im Gegenteil.
Dann kam @formschub (Ja, der wurde erst vor drei Wochen betwitkrittet. und?) und(!) schuf das Meisterwerk dieses kleinen Wettbewerbs, eben das obige.
Soviel Dada, drei Chinesen, Furz und Flieder, Asterix-Latein für Poser und Fantasy-für-Kinder-Sprech fand sich selten in derart perfekter Form im engen Korsett des Tweets. Eingangs eine im Anklang an Akzentstereotype, Frühlingsblüten und Darmwinde altmodisch romantisch anmutende Zustandsbeschreibung, in der Mitte die klare aber nicht bedrohliche Implikation, deren exakter Bedeutung wir zwar nicht habhaft werden, aber wer hat schon Angst vor einem Verb, das “flümen” heißt? Und der Gurmelwarg? Naja. Habt ihr euch früher ernsthaft vor den Wild- und Grausedruden gefürchtet?
Doch dann: Das Finale wird eingeläutet mit dem alles relativierenden Konjunktionaladverb “DENNOCH” und auf einmal bricht der sanfte regelmäßige Rhythmus der vorigen Silben jäh ab, der Restsatz holpert zum abrupten Schluss und wir haben ein mehr als leise Ahnung, dass ein jeinzender Ungumm keine Freude bringt.
Was uns der Autor damit sagen will? Vielleicht, dass er mit Blödsinn Kunst simulieren kann.
Und was das Gedicht? Das es schön ist.
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Das sagen die Anderen:
Das ist doch total unrealistisch, was der @Formschub da schreibt.
Gepostet von Huck am 27. Mai 2010 um 15:10.Da werden doch Erinnerungen wach!
Auch bei Douglas Adams sind solche Ergüsse zu bewundern.
Dort wo der Vogone “Prostetnik Vogon Jeltz” mit den salbungsvollen Worten zitiert wird:
“Oh zerfrettelter Grunzwanzling
dein Harngedränge ist für mich
Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
Grupp, ich beschwöre dich
mein punzig Turteldrom.
Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
Mit meinem Börgelkranze, wart’s nur ab!”
Mich jedenfalls hat das dazu gebracht, das alte Buch mal wieder hervorzukramen … Per Anhalter durch die Galaxis
In diesem Sinne … Don’t Panic
Gepostet von SammJ am 27. Mai 2010 um 23:30.@SammJ
Stimmt, danke für die Erinnerung!
Gepostet von bjoerngrau am 27. Mai 2010 um 23:40.Douglas Adams hat zwei ganze Wörterbücher in dem Stil rausgebracht, Sven Böttcher hat eine kongeniale deutsche Version davon geschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_tiefere_Sinn_des_Labenz
Tolle Twitteratur! Das ist doch ein fav wert. :)
Gepostet von Addliss am 28. Mai 2010 um 09:44.Meine erste Assoziation war:
“Verdaustig war’s und glasse Wieben
rotterten gorkicht im Gemank;
Gar elump war der Pluckerwank,
Und die gabben Schweisel frieben.”
Aber anlässlich des nahen 25. Mai lagen die Vogonen ja auch nicht so ferne.
Gepostet von KiGaNa am 28. Mai 2010 um 14:19.