Twitkrit

Twitter-Therapie

Wir alle kennen das: auf die – häufig aus dem Off – gestellte Frage «Warum twitterst Du eigentlich?», kann man Nicht-Twitterern nur schwer mit leicht nachvollziehbaren Argumenten antworten. Viele wollen das auch gar nicht (mehr). Wer die mit besorgt-therapeutischem Blick gestellte Frage der Analog-Freunde doch zu beantworten versucht, endet meist mit dem Rat: «Probier’s halt selbst mal aus!».

Zum Thema Twitter und Therapie hat in diesen Tagen Herr @Graupause einen denkwürdigen Tweet veröffentlicht:

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Der Ungumm

Ungumm
[Link]

Als alter Bildungsbürger musste ich schon dem noch älteren Apoll heftigst huldigen vor Freude über dieses Kleinod der Dichtkunst. Wieder einmal beweist sich, das Zwitschern und Dichten beides Musenkinder sind. Aber der Reihe nach.

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Nachrichten von der hässlichen Seite der Welt

Fans, will jemand sowas wirklich haben? War es nicht letztlich doch eine weise Entscheidung von Facebook, dieses Wort aus dem internen Sprachgebrauch zu streichen? Ich meine Ja. Wir erinnern uns: Fan kommt von “Fanatiker”, was der Duden als “blinder, rücksichtsloser Eiferer” definiert. Nach diesem Tweet heute hier darf man dem sehrsehr unbedingt zustimmen.

Bieber-Fan 2

Was ist passiert? Wir erinnern uns: Justin Bieber (JB) ist ein Teenager, ein 17-jähriger Kanadier, der mit einem dünnen Stimmchen ausgestattet ist und Popmusik vorträgt, die an Seichtigkeit kaum zu übertreffen ist. Gut, er hat Erfolg, seine Veröffentlichungen stürmen die Charts. Popdreck bleibt das trotzdem. Mit eben diesen beschmeißen die Fanatiker, die Bieber-Eiferer, den Sender Pro7 und zwar wegen diesen Beitrags im Boulevardmagazin TAFF.

Harmloser, leicht ironischer Beitrag. Aber Achtung, Bieber hat Fans. Die fallen jetzt gerade massenweise über den Sender her. Zum Beispiel mit sowas.

Bieber-Fan 1

Noch Fragen? Der Mob ist los. Fans? Ich will keine haben.

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Wortspielverliebter Neologismus

Die heutige Twitkrit ist einer wunderbaren Twitterin gewidmet und behandelt eine von ihr gewählte Abwandlung der Bezeichnung «in Deckung gehen». Der Begriff «Deckung», der aus dem militärischen stammt und den wir heute meist im übertragenen Sinn verwenden, wird in der Wikipedia wie folgt definiert:

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Sie sollen zur Hölle fahren mit ihrem scheißhektischem Ding

Das Leben – ein einziges großes Abenteuer! Unerwartete Wendungen, die wir nicht eingeplant, Vorgänge, die wir nicht auf dem Zettel hatten. Die Kaffeedose ist doch leer, die Milch ist abgekackt, das Messer rutscht ins Fleisch ab oder ein DENIC-Route-Server fällt aus. Irgendwas ist halt verdammt immer.

Oft wird behauptet, diese Wendungen des Alltags sind das Salz in der Lebenssuppe, aber ist dem wirklich so? Suchen wir das Abenteuer wirklich? Ist die Überhöhung ungewisser Umstände nicht vielmehr das Fügen in die Schicksalhaftigkeit der Geschehnisse? Geht nicht vielmehr von den Routinen, dem immer Gleichen, eine beruhigende, labsalende Wirkung aus? Denn wir haben es uns irgendwie nett eingerichtet in dieser Welt, ein Plätzchen erobert, und wenn wir da herausfallen, dann tut das manchmal ganz schön weh. Wie geprügelte Kinder ziehen wir uns daher gerne auf das Altbekannte zurück. Auch wenn uns das manchmal etwas langweilig erscheint.

Twitter trägt trotz aller gehetzt wirkenden Nachrichtenhuberei offenbar einen gehörigen Teil dazu bei, wie Luisante festgestellt hat.

Luisante

Dazu muss man wissen, dass der Herr Wimbauer ein Verleger, Publizist und vor allem Versandantiquar ist, der uns tagtäglich über seinen Lebenslauf informiert. Der ist nicht geprägt von Sensationen, Skurrilitäten und extremen Vorfällen. Vielmehr von immer wiederkehrenden Alltagstätigkeiten. Da werden Bestellungen abgearbeitet, Bücher verpackt, dem Mahnwesen gehuldigt. Abends gibt es selbstgefertigtes Vegetarieressen – “100 % Bio wie immer” – und um Punkt 22 Uhr den schon fast sprichwörtlichen “Wein-nach-ten”.

Nun ist ja einer der Hauptvorwürfe gegen Twitter, dass all die veröffentlichten Kurznachrichten mit alltäglichen Vorgängen unbekannter Menschen unsinnig sind, nicht relevant, vielmehr total banal, was mit Absicht nach “total Banane” klingt. Das ist natürlich nicht ganz falsch, was die Inhalte an sich betrifft, gleichwohl Unfug, wie Luisante zu Recht nachgewiesen hat.

Das gleichmäßige Pulsieren unserer Timeline wird zu einem Stück Alltagsrhythmus. Alles ist gut, wenn es ist wie immer. Wenn es lauter wird, hektisch, chaotisch, dann wissen wir gleich: irgendwas ist passiert da draußen. Meistens nicht sehr angenehm. Deshalb brauchen wir diese Alltäglichkeiten, um ein bisschen Halt zu finden in diesem scheißhektischen Ding, das sie Welt nennen. Oder moderne Zeiten. Sie sollen zur Hölle fahren.

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