Alles Langeweile, was nicht Saufen und Huren ist
Jeder Autor kennt das Problem: wie stellt man im Text Langeweile dar, ohne dass das Lesen der Langeweile für den Leser langweilig wäre? Unzählige wissenschaftliche Abhandlungen beschäftigen sich mit dieser Frage. Doch ich will hier niemanden mit einem zu weiten Exkurs in die Literaturkritik …ähäm… langweilen. Machen wir’s also kurz: ein Zitat aus der Wissenschaft und dann ein Tweet, der zeigt, wie einfach so was auf Twitter geht. Et voilà:
Valentin Mandelkow schreibt in der Einleitung seiner Untersuchung «Der Prozess um den “ennui” in der französischen Literatur und Literaturkritik»:
Sören Kierkegaard ahnte vermutlich nicht, welchen Nachruhm seine Vorstellung erleben sollte, Gott habe die Welt aus lauter Langeweile geschaffen. […] Moravia machte, Kierkegaard ebenso variierend wie Sartre, die “noia” zur Hauptfigur einer Genesis; die wurde letzlich jedoch nicht geschrieben, weil der Autor von eben jener “noia” gelähmt wurde. Liselotte von der Pfalz glaubte, daß die Franzosen alles für Langeweile halten, was nicht Saufen und Huren ist.
[…]
Diese Aufzählung könnte relativ beliebig erweitert werden, um die Feststellung zu untermauern, daß die Langeweile – in ihrer vagen, “noia” ebenso wie “ennui” umfassenden Version – das Grundbefinden des Daseins ist, und zwar in erster Linie des Daseins als Katastrophe.
Kurz gesagt bringt @RocketJane die “ennui” auf den Punkt:
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