Ich mag ja selbstwironische Tweets. Heute zwei Beispiele aus dieser weit verbreiteten Spezies der Microblogging-Meldungen. Einer steht für sich selbst, der andere zwar auch, aber zu dem schreib ich noch ein bisschen mehr.

Da hätten wir als Erstes diesen wunderbaren Tweet von @Bastian_twitter:

bastian_twitter

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Was will uns der Autor damit sagen? Nun das, was da steht: Er ist alleine. Und er ist online. Alleine online, die arme Sau. Zumindest in dem Moment, in dem er das niederschreibt. Worin hier die Ironie liegt – oder die Twironie, wie wir Twitteraturwissenschaftler gerne sagen –, brauche ich nicht zu erläutern.

Trotzdem kurz etwas zur Begriffsklärung, denn Twitkrit ist schließlich ein (pseudo-)wissenschaftliches Online-Magazin. Auch wenn wir in der Woche, in der @DRadioWissen an den Start gegangen ist, deren Motto («Hirn will Arbeit») nicht dadurch konterkarieren möchten, dass wir auch noch die einfachsten Zusammenhänge erklären. Doch die ins Spiel gebrachten Begriffe sollten schon erläutert werden:

Was ist eigentlich Ironie? Eine der gängigsten Definitionen von Ironie besagt ja, dass sie darin bestünde, das Gegenteil von dem zu sagen, was man meine. Angewandt auf den auf dem Seziertisch liegenden Tweet, haben wir auch schon die wunderbare Ironie: das Gegenteil ist also gemeint: der Autor ist zwar online, aber alleine ist er deshalb noch lange nicht.

Die Offliner und Internetausdrucker werden diese Ironie vielleicht erst auf den zweiten Blick (oder auch gar nicht) erkennen, und sich vielmehr in ihrem Vorurteil der Internet-Vereinsamung und der sozialen Defizite von im Netz agierenden Personen bestätigt sehen. Doch wir Menschen, die wir uns im Netz ganz natürlich und beinahe always-on bewegen, wissen natürlich: @Bastian_twitter mag in dem Raum, indem er sich befindet, physisch alleine sein, aber selbstverständlich ist er es de facto nicht. Denn dadurch, dass er online ist, wird er – das entsprechende soziale Netzwerk vorausgesetzt – eben gerade nicht alleine.

Er könnte natürlich auch online alleine sein, aber es öffnet sich ihm durch den Onlinegang eine Welt, die nur oberflächlich betrachtet virtuell ist, aber nichtsdestotrotz von realen Menschen bevölkert wird. Nähe im Netz, you know what I mean. In diesem Sinne dürfen wir dem Tweetautoren getrost unterstellen, dass er mit seinen drei Worten eine wunderbare Ironie an den Tag legt. Dass er das Gegenteil von dem schreibt, was er meint. Alleine online? Pft.

Jeder, der jetzt denkt «Was für ein Geschwafel um drei Worte!», hat vollkommen Recht und wird sich freuen, dass ich den zweiten selbstwironischen Tweet ohne jede Erläuterung anschließe und Eurer eigenen Interpretation überlasse. Nicht minder genial ist der Tweet von @Aus_der_UBahn sowieso:

ausderubahn

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Also ich finde: