Es gibt Abende, die sind in Twitterland für die einen ziemlich lustig und für die anderen einfach nur der Horror. Problem ist dabei, dass der Graben zwischen den beiden Lagern offenbar mit der Zeit immer tiefer geworden ist.

Die Rede ist vom Trash-TV-Twittern, also der begleitenden Kommentierung von Sendungen, die die einen nur deshalb schauen, um sich lustvoll von Formaten wie DSDS, Bauer sucht Frau oder Popstars abzugrenzen. Die anderen finden aber diese Formate so unterirdisch, dass selbst diese ironischen Kommentare ihren Toleranzpegel erheblich überschreiten. Sobald entsprechende hashtags wie #dsds und #bsf vermehrt im Nachrichtenstrom erscheinen, kommt es daher zu einem Phänomen, das es ansonsten bei Twitter eher selten gibt: die Twitterei der anderen wird massiv gemaßregelt.


Die Kritiker meinen: diese Sendungen sind so trashig, so unter allem Niveau, dass sich selbst das Kommentieren selbiger verbietet. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass niemand der Trash-TV-Twitterer diese Formate verteidigt oder gar gut findet. Nein, sie ziehen tüchtig darüber her, es bleibt kein Auge trocken. Dinge, die die Moralisten, so seien sie jetzt hier mal genannt, einfach nicht hören wollen.

Diese Wellen künstlicher Aufregung sind gelinde gesagt etwas merkwürdig.

Normalerweise schreibt halt jeder bei Twitter rein, was er so denkt, berichtet von seinem PHP-Problem, dem letzten Kinobesuch, der zukünftigen Mahlzeit oder was ihn sonst grade aufregt, verblüfft, belustigt. Diese Nachrichten werden gerne kommentiert, allerdings inhaltlich. Und wenn man nach einer gewissen Zeit von einem Zeitgenossen gelangweilt oder genervt ist, dann schaltet man diese einfach ab. Entfolgt einfach still und leise.

Problem beim Trash-TV-Twittern ist, dass diese Regel nicht gilt.

Denn an diesem Phänomen beteiligen sich auch einige der bekannteren Figuren. Oder einfach Leute, die man gut kennt. Die möchten offenbar aber viele nicht abschalten, sondern ärgern sich nur maßlos, dass das böseböse Fernsehen überhaupt noch Aufmerksamkeit findet. Grade auch noch von diesen ansonsten doch recht amüsanten Schreiberlingen. Und so gehäuft. Also wird ermahnt, gerüffelt, geseufzt, was denn in dieser verdammten Twitterwelt wieder los ist. Wie man solche Sendungen überhaupt anschalten kann. Diese mit Aufmerksamkeit belohnt, statt sie mit Nichtachtung zu bestrafen.

Das heißt: die anderen werden nicht inhaltlich kritisiert, sondern es wird ein Themenverbot postuliert. Das gibt es sonst, wie gesagt, nie.

Themenverbote sind das gleiche wie Denkverbote und das ist doof.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Was soll’s, lass sie doch meckern. Das nervt halt nur genauso wie die Trash-TV-Twitterer.

Hm, ist an sich nicht ganz falsch, allerdings werden die Kritiker nach meiner Meinung von mal zu mal sauertöpfischer, aggressiver, ja, zu echten Spaß- und Spielverderbern. Sie holen die verbalen Hochdruckreiniger raus, um ihre Timeline zu säubern, statt einfach nur darüber hinwegzusehen, wie sonst auch.

Die Toleranzschwelle sinkt und das finde ich dämlich. Das ist zu kritisieren. Das prangere ich an.

Deshalb: Freiheit für die Trash-TV-Twitterer!


 
 
 

15 Kommentare zu “Freiheit für Trash-TV-Twitterer”

  1. Tweets die Twitkrit » Freiheit für Trash-TV-Twitterer erwähnt -- Topsy.com
    7. Januar 2010 um 19:47

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Dirk Baranek, Clemens Tertel erwähnt. Clemens Tertel sagte: Ein Herz für…RT @twitkrit: Wir müssen mal reden. Über so Sachen, die nerven. Über das Bashing von Trash-TV-Twitterern http://bit.ly/4uGL0R [...]

  2. Rob Vegas
    7. Januar 2010 um 19:51

    Schaut man diese Sendungen nicht, so weiß man spätestens nach dem 3ten Tweet, dass wohl gerade Bohlen auf dem Sender ist.

    Mitunter erheiternd, manchmal nervt es, doch auch Tweets über das Essen können anderen Nutzer auf den Senkel gehen.

    Gerade bei TV-Trash-Show-DSDS-SDR-Tweets finde ich aber die Boxen von Facebook sinnvoller. Hier sind alle Zuschauer auf eine Box begrenzt und lesen auch nur Beiträge anderer Nutzer zur jeweiligen Sendung. Auf diesen Zu sollten mehr Sender in Verbindung mit einem ordentlichen Livestream aufspringen.

  3. Stefan Seiz
    7. Januar 2010 um 19:53

    Man kann nur hoffen, dass die einschlägigen Clients demnächst mal Filter einbauen, damit man solche Tweets einfach ausblenden kann.

    Es bleibt mir jedoch schleierhaft, warum sich einer jede Woche den Trash, den er auf Twitter kritisiert (oder sich darüber lustig macht), auf’s Neue reinzieht. Aber ich muss auch nicht alles verstanden haben.

  4. Jekylla
    7. Januar 2010 um 19:58

    Danke.

    Ich gehöre auch zu den zeitweisen Trash-Twitterern und kann nur jedem, dessen Nervenkostüm schon in so jungen Jahren so dünn ist, dass er micht nicht dabei erträgt, mich einfach zu entfollowen. Oder in der Zeit mal was offline zu machen. Sowas wie Essen oder Telefonieren. So mache ich das nämlich, wenn Themen angsagt sind, die mich nicht interessieren. Dann lese ich entweder drüber weg oder gehe weg.

    Dieses künstliche Echauffieren ist ohnehin für die Trash-TV-Twitter-Hasser schon viel zu viel Beschäftigung mit der Materie. Statt einfach “ihr” Ding derweil zu machen, ergehen sie sich in Wehklagen. Als nächstes werden dann die Fußball-Twitterer gedisst, dann die Polit-Twitterer, dann die Formel 1-Twitterer und irgendwann gibt es dann Themen-Twitwarte, die sich der Probleme annehmen. Abmahnungen, Sperren – schönes freies Web, da gehst Du hin. Und irgendwann heisst es, an all dem seien damals nur die TV-Trash-Twitterer schuld gewesen.

    In diesem Sinne: #bsf #dsds #sg #fcsp #hsv #catcontent #f1
    So.

  5. Yvonne
    7. Januar 2010 um 19:59

    Ich denke auch … drüber hinweglesen ist das Beste, wenn man sich davon genervt fühlt.

    Ich kenne nämlich auch beide Seiten von mir persönlich:

    über “Bauer sucht Frau” lästern macht mir riesig Spaß … dagegen finde ich DSDS so saumäßig doof, dass ich nicht mal das Lästern als lustig empfinden kann.

  6. adlerweb
    7. Januar 2010 um 20:01

    warum nicht einfach alle Trash-TV-Tweets mit einem @dsds oder sowas beginnen – dann sehen nur die Leute die Tweets, welche das entsprechende Interesse dran haben…

  7. noqqe
    7. Januar 2010 um 20:45

    Wow, genau darüber hab ich neulich erst nen Post geschrieben. Bin ehrlichgesagt genau einer von diesen genervten toleranzarmen Lesern

    Meine Denke dazu war: http://noqqe.de/?p=814

  8. Curi0us
    7. Januar 2010 um 22:40

    Ich als Trash-TV-Twitterer verstehe das gejaule ja zugegeben nicht. Zum einen werden die Tweets in der Regel gehashtagged und so kann man mit dem Client des Vertrauens wunderbar filtern, zum anderen… gehört das einfach zu twitter. Eine Stunde alle 4 Tage mal etwas lesen, was einen nicht interessiert, muß doch möglich sein? :-)

    Schöner Beitrag!

    Und wer mich nicht lesen will, unfollowed mich einfach. Das ist doch das tolle bei Twitter.

  9. „Maßregelung“ durch Twitterer? « MACerkopp´s Apple Blog
    7. Januar 2010 um 22:42

    [...] Twitkrit.de hat einen sehr passenden Artikel zu dieser neuen “Twitterkultur“ verfasst: zum Artikel [...]

  10. Suicider
    8. Januar 2010 um 03:42

    Erst einmal darf jeder Twitter nutzen wie er will. Auch wenn mich #bsf und #dsds nen Scheiss interessiert waere es das Letzte, dass ich meine Followings dafuer kritisiere. Ich habe durchaus schon einige charismatische Twitter unfollowed deswegen, entweder es stoert sie oder eben nicht.

    Hashtags rausfiltern geht nicht mit den mir bekannten Clients und schon gar nicht auf twitter.com – aber wuerde das Problem loesen. Im Uebrigen betrifft das nicht nur Trash-TV, sondern auch Events (z.B. #26C3).

    Eines vergessen naemlich die lustigen Trash-Twitterer: Die nicht teilnehmen oder zuschauen verstehen eure Witze nicht und finden sie daher so schrecklich. Und nein, ich schalte die Sendung nicht ein, nur damit ich mitlachen kann.

    Ich selbst schreibe auch gern mal, wenn ich selten was im Fernsehen gucke. Dann aber meist nur maßvoll dosiert. Aber ich bleibe dabei: Jeder soll das twittern, was ihm Spaß macht – sich aber dann bitte nicht ueber Unfollows wundern :)

  11. Dentaku
    8. Januar 2010 um 10:04

    Richtig so, Trash-TV macht erst lästernd Spaß. Dazu kann man sich entweder im RL treffen oder mit dem virtuellen Großraumbüro (abends vielleicht auch mit der virtuellen Kneipe) quatschen.
    Wer die daraus resultierende Tweetflut nicht aushalten (oder filtern) kann, der hat eher ein generelles Informationsmanagementproblem.

  12. larsreineke
    8. Januar 2010 um 10:56

    Entfolgen, weil mal für eine Stunde das Thema nicht so interessant ist? Das ist doch Blödsinn.

    In der Teeküche unterhalten sich die Kollegen doch auch mal eine Weile über das Fußballspiel vom Wochenende, das mich nicht interessiert.

    Soll ich deshalb die Kündigung einreichen?

  13. Daniel
    8. Januar 2010 um 10:57

    Das beschriebene habe ich auch lange gehabt. Es ist einfach viel zu schön über das Trash TV zu twittern, als dass man es lassen könnte. Wegen großer Proteste habe ich mir einfach selbst überlegt, wie ich weiter darüber schreiben kann ohne meine Follower zu nerven. Ja, ich mache mir darüber Gedanken.

    Ich habe eine Lösung gefunden und beschreibe sie sehr ausführlich in meinem Blog
    http://blog.danielleicher.de/2009/11/01/tv-twittern-zu-lasten-deiner-follower/

  14. seb
    11. Januar 2010 um 20:11

    absolut. “Freiheit für die Trash-TV-Twitterer!”. lösung ist ganz ganz einfach: tv-twitterer entfolgen ohne ansehen der person. (einige wenige ausnahmen bestätigen die regel)

    geht besser als man denkt, auch wenn es sich am anfang komisch anfühlt. und zumindest in meiner timeline zeigte sich, dass es ein ganz kleiner anteil von leuten war, der fast 98% aller tvtrashtweets schreibt. tat also gar nicht so weh.

    und “freunde”, die mich im RL absichtlich mit Mist belästigen treffe ich ja auch seltener als Leute, die spannende und interessante Dinge mitbringen.

  15. Twitter: Mit TweetDeck unliebsame Themen aus der Timeline filtern | GESICHTET.net
    13. Januar 2010 um 19:24

    [...] einigen Tagen las ich bei Twitkrit.de einen durchaus interessanten Artikel zum Thema Trash-TV-Twitterer und deren genervte [...]

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