Wir von Twitkrit sind ja so ein versprengter Haufen philosophischer Halbprofis. Bedeutet, dass wir die Weisheit so halb lieben. Mit der anderen Hälfte haben wir Sympathie für die bekloppten Sachen. Die meistens auch irgendwie weise sind.

Es gibt kein richtiges Leben im falschen. – an diesen über 50 Jahre alten Satz von Großmeister Adorno mussten wir daher unwillkürlich denken, als dieser Tweet von @function in der Timeline erschien.

function

Diese Assoziation war natürlich völlig assimäßig, aber was solls – that’s Twitter, darling! Denn während der adorierte Adorno meinte, man müsse die eigenen Vorstellungen vom richtigen Leben auch in widrigen, als falsch erkannten Umständen unbedingt weiter verfolgen, denn noch lebt man ja nicht richtig, weil im falschen, was ja nicht geht, marschiert der Tweet von @function in eine ganz andere Richtung.

Bei ihm schließen das Echte und das Falsche eine unheilige Allianz, könnte man sagen. Wir stimmen dem Tweet trotzdem unbedingt zu. Entspricht unserer Alltagswahrnehmung. Sehr gut beobachtet. Perfekt auf den Punkt gebracht. Was hat das alles mit Adorno zu tun? Nix.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

max_powers84

Wie es der Teufel grad so will, fällt mir zu Adorno gleich ein wunderschönes Gedicht von Robert Gernhardt ein. Zugleich hoffe ich, dass ich es noch fehlerfrei hinbekomme. Alsdann:

Eben strebt in sanfter ruh, Adorno seinem Hörsaal zu
und mit Buch und Lesungsheften, zu gewohnten Denkgeschäften,
lenkt er freudig seine Schritte, in der jungen Menschen Mitte
und voll Dankbarkeit sodann, schaut er Pat und Doris an
die wie ihm zu applaudieren, vollreif seinen Weg spalieren

“ACH” denkt er die größte freud, ist doch die Begrifflichkeit

RUMMS… da ziehen die beiden los und vier Brüste schrecklich
groß, jäh befreit von allen Stoffen, herrlich blos und gänzlich offen,
nackig, unbeschreiblich weiblich,
knackig, unbegreiflich leiblich,
locken, drängen, wogen, prangen,
einen ganzen Mann verlangen,
ragend, drohend, schwellend, allen Geist in Frage stellend…
recken sich dem Prof. entgegen, welcher Stumm, erst dann verlegen,
dann erschreckt das weite Sucht und bei sich den Tag verfucht,
da er dieser Busenlicht, doch soweit sind wir nocht nicht…

Bleiben wir bei unsren Rangen, die sich eiligst wieder fangen
und so geschwind das niemand klar ist, was hier Einbildung, was wahr ist, der hier was warum entblöste…
feststeht nur,
es kann auch der größte
Denker nicht in frieden leben, wenn Mädchen ihre Hemdchen heben.

:-D

Gepostet von max_powers84 am 05. Januar 2010 um 15:12.
baranek

Hihi… kannte ich allerdings nicht, danke.

Gepostet von baranek am 05. Januar 2010 um 15:47.
max_powers84

hier das ganze Gedicht, wusste nur noch einen Teil:

Das Attentat
oder
Die nackten Fakten
oder
Ein Streich von Pat und Doris

Ach, was muß man oft von bösen
Mädchen hören oder lesen!
So zum Beispiel hier von diesen,
Welche Pat und Doris hießen.
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.

Aber wehe, wehe, wehe,
Wenn ich auf das Ende sehe! !
Drum ist hier, was sie getrieben,
Auszugsweise aufgeschrieben:
Also lautet der Beschluß.
Daß der Mensch was lernen muß.
Nicht allein das Abc
Bringt das Mädchen in die Höh’,
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören.
Daß dies mit Verstand geschah,
War Professor Teddie da.

Pat und Doris, diese beiden,
Mochten ihn darum nicht leiden.
War’s, weil sie in Seminaren
Nicht die allerbravsten waren,
War’s, weil sie zu wissen wähnten,
Wonach sich die Massen sehnten-:
Was der Prof da von sich gab
Klang in ihren Ohren schlapp.
Abgefuckt und inhaltsleer,
Konterrevolutionär,
Bourgeois und theoretisch,
Stetes Kreisen um den Fetisch
Ratio – und so was rächt sich,
Denn noch schrieb man Neunundsechzig
Und da sann man unverdrossen
Mal auf Go-ins, mal auf Possen,
Um die Profs. zu demaskieren
Und der Welt zu demonstrieren,
daß sie unter den Talaren
Machtgeil, stur und muffig waren.
Grade dann, wenn sie in Worten
Jederzeit und allerorten
Das Bestehende verdammten
Und der Schicht, aus der sie stammten,
Feurig die Leviten lasen:
Haltet ein! Bald deckt der Rasen
Euch und eure schwarzen Taten.
Die tagtäglich das verraten,
Was ihr sonst an Werten predigt -:
Glaubt Karl Marx! Ihr seid erledigt!
Denn es kann im falschen Leben
Niemals nie kein richtigs geben!

Meister im Levitenlesen
Aber war der Prof. an dessen
Widersprüchen sich die »lieben«
Mädchen Pat und Doris rieben.
Darum sei sogleich verraten.
Was sie mit Adorno taten.

Nun war dieser große Lehrer
Von den Damen ein Verehrer,
Was man ohne alle Frage
Nach des Denkens Müh’ und Plage
Einem guten, alten Mann
Auch von Herzen gönnen kann.
Nicht so unsre beiden Kinder,
Die im Weiberrat und in der
Wohngemeinschaft voll einbrachten,
Was sie von dem Denker dachten:
Macho, liberaler Scheißer,
Sprücheklopfer, Fraunaufreißer,
Ein im Widerspruch verstrickter
Objektiv dem Volk entrückter
Tui, der subjektiv nicht raffe,
Daß er nichts als eine Waffe
Sei der Scheiß-Reaktion –
Das genügte, Denn bald schon
Riet der ganze Weiberrat
Dergestalt zur raschen Tat,
Daß die beiden lachend schrien:
»Schwestern, stimmt: Da pack’n mer ihn!«

Tags darauf in Unifluren
Treffen wir die zwei Figuren,
Die, das sei nicht übersehen,
Aus sehr viel Figur bestehen,
Da Sie nackt, ohn alle Stützen,
Unterm Hemde das besitzen,
Was die jungen wie die reifen
Herren liebend gern begreifen.

Eben strebt in sanfter Ruh
Adorno seinem Hörsaal zu,
Und mit Buch und Lesungsheften
Zu gewohnten Denkgeschäften
Lenkt er freudig seine Schritte
In der jungen Menschen Mitte,
Und voll Dankbarkeit sodann
Schaut er Pat und Doris an,
Die, wie ihm zu applaudieren,
Vollreif seinen Weg spalieren.

»Ach!« denkt er, »Die größte Freud
Ist doch die Begrifflichkeit!«

Rums! Da ziehn die beiden los,
Und vier Brüste schrecklich groß,
Jäh befreit von allen Stoffen,
Herrlich bloß und gänzlich offen,
Nackig, unbeschreiblich weiblich,
Knackig, unbegreiflich leiblich,
Lockend, drängend, wogend, prangend
Einen ganzen Mann verlangend,
Ragend, dräuend, drohend, schwellend,
Allen Geist in Frage stellend,
Recken sich dem Prof. entgegen,
Welcher stumm erst, dann verlegen,
Dann erschreckt das Weite sucht
Und bei sich den Tag verflucht,
Da er dieser Busen Licht –
Doch so weit sind wir noch nicht.

Bleiben wir bei unsern Rangen.
Die sich eiligst wieder fangen,
So geschwind, daß niemand klar ist,
Was hier Einbildung, was wahr ist,
Wer hier was warum entblößte-
Fest steht nur: ‘s kann auch der größte
Denker nicht in Frieden leben,
Wenn Mädchen ihre Hemdchen heben.

All das geschah vor langer Zeit,
Doch ist es nicht Vergangenheit.
Das Busen-Attentat gab zwar
Dem Prof. den Rest -: Im gleichen Jahr
Verstarb der Philosoph, jedoch
Pat und Doris gibt es noch.

Die eine forscht, die andre lehrt.
Und beide sind gottlob bekehrt
Von den Ideen ihrer Jugend:
Heute decken Halter, Stoff und Tugend
Verläßlich, was den Prof. einst schreckte,
Als es ihm blank entgegenbleckte …
Mit der Zeit wird alles heil,
Nur der Teddie hat sein Teil.

Gepostet von max_powers84 am 06. Januar 2010 um 07:34.