Gestern war es wieder soweit: Der 6. Dezember gilt als der Tag, an dem der Nikolaus kommt und den Kindern was in ihre vor der Tür gestellten, natürlich frisch geputzten Schuhe steckt. Dieser Kinderglaube findet zwar in Twitterland eine gewisse Beachtung, hat aber ansonsten kaum eine Chance, ernst genommen zu werden.

Vielmehr verfolgen deren Bewohner auch in diesem Fall prinzipiell die Strategie der Entzauberung derartiger Mythen im Benjaminischen Sinne. Jener Walter Benjamin hatte Anfang des letzten Jahrhunderts die Aufgabe des künstlerischen Schaffens darin gesehen, „in den Dienst einer materialistischen Entmythologisierung einzutreten und unmittelbar eine Funktion im Emanzipationskampf der Gesellschaft zu übernehmen“ (Wikipedia).

Diesem Anspruch stellt sich Twitterland tapfer. Allerdings bedienen sich die Twitterianer dabei sprachlicher Mittel, die als feine Ironie zu bezeichnen doch stark übertrieben wäre. Vielmehr geht es ziemlich direkt, ja, fast brutal zur Sache. Jedoch bleiben gewisse Zweifel, ob man der Aufgabe wirklich gewachsen ist.

Als Beispiel hier der Herr @wimbauer

wimbauer

Dieses Szenario gibt uns allerdings zu denken. Hat unser verehrter Antiquar wirklich eine solche Anlage installiert? Verwahrt er tatsächlich extrem Geldwertes in seinen Kammern, das die Installation einer solchen Todesmaschine rechtfertigt? Bisher konnte man eher den Eindruck gewinnen, als handele sich nur um Bücher, bedrucktes Totholz. Nunja, da scheinen sich die subjektiven Wertmaßstäbe verschoben zu haben. Und weiter: glaubt Herr @wimbauer denn immer noch an den Weihnachtsmann? Der Tweet lässt uns verwirrt zurück.

Herr @FrizzFeick hingegen versucht, mit einer an sich lässlichen Stilfrage das Konzept „Nikolaus“ zu konterkarieren.

frizzfeick

Dabei hat der Nikolaus doch schwarze Stiefel an, so der Volksglaube. Herr FrizzFeick, so geht es nicht. Chucks! Entweder Sie bleiben im Bild oder lehnen das Konzept ganz ab. Modernisierungsversuche erneuern letztendlich nur dessen Gültigkeit.

Wie so oft, muss erstmal die Bremer Fraktion in Form von @placetogo ran, um dem Entzauberungsauftrag aber sowas von gerecht zu werden.

placetogo

Klare Ansage, das. Gleichwohl sei die Frage erlaubt, mit welchen dumpfbackigen WGlern man sich im Norden eigentlich zu umgeben beliebt. So wird das nichts.

Zuletzt noch eine nicht ganz jugendfreie Nachricht von @ringelsocke.

ringelsocke

Bemerkenswert: Hier wird das Konzept des Verschenkens nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Allerdings spielt die Figur des Nikolaus keine Rolle mehr. Vielmehr wird der Mythos insofern entzaubert, als nicht der Rauschebart austeilt, sondern die Erwachsenen das übernehmen. Adiós, Kinderglaube. Übrigens, Frau Ringelsocke, um die Frage zu beantworten: Ja, durchaus. Das Konzept wird keineswegs durch eine Entdinglichung ausgehebelt.


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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Tweets die Twitkrit » Das Konzept des “Nikolaus” im Zeitalter seiner twitterischen Reproduzierbarkeit erwähnt -- Topsy.com

[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Dirk Baranek, twitkrit und topsy_top20k, topsy_top20k_de erwähnt. topsy_top20k_de sagte: Nikolauswitze, muss das sein? Wir finden ja, weil im benjaminischen Sinne wertvoll. http://bit.ly/8Rh1VP […]

Gepostet von Tweets die Twitkrit » Das Konzept des “Nikolaus” im Zeitalter seiner twitterischen Reproduzierbarkeit erwähnt -- Topsy.com am 07. Dezember 2009 um 16:59.