Da steht er und lächelt. Da sitzt sie und schaut rüber. Auf einmal ist der Abstand zwischen ihnen viel kleiner als zuvor, sie befinden sich mitten in dem Prozess, in dem aus einem Du und einem Ich ein Wir werden könnte. Es gilt nun, ein paar Hürden zu umschiffen, beim zarten Heranschleichen an den anderen. Es wird nicht leicht – denn beim zarten Heranschleichen muss man leider noch durch ein Minenfeld namens “Kennenlernphase”, wie @silenttiffy weiß:

Da pirscht man sich nun vor, es läuft, einigermaßen. Man trifft sich weiter, und manchmal, da legt er ihr den Arm fast um die Schulter, und sie hat vielleicht schon die Hand auf seinem Knie. Zumindest kurz. Und wie war das nun? Wann ruft wer wen an, wer bringt wen nach Hause, und wann sollte man sich spätestens mal geküsst haben? Und welche Regeln gelten für die Menschen, die im Internet leben? Selbst @ghostdog19 ist sich auf einmal nicht mehr sicher:

Der nächste Schritt ist also die Freundschaft bei Facebook, aber so richtig näher kommen, in Echt, das geht nicht so schnell. Aber am Bildschirm, da kann man ja schon mal zärtlich hinfassen, findet @WLANfail:

Es läuft. Sie mag ihn. Er sie auch. Kommt ja selten genug vor, diese Gleichzeitigkeit. Das Gefühl sammelt sich, es wird größer und will ausbrechen, mit einem riesigen Knall wie bei @mayalauxwest:

Das Wir wächst langsam zusammen, eine Konsolidierung der Zwischenmenschlichkeit. Wo das Du hingeht, will das Ich auch sein. Aus der kleinen Schmetterlingsfarm wird irgendwann etwas Großes, etwas Stadionfüllendes, wie bei @kumullus:

Es lohnt sich also manchmal, durch das Minenfeld am Anfang zu robben, in dem jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Es lohnt sich, dem Mädchen mit dem netten Lächeln nach einer Weile die Facebookfreundschaft anzubieten. Nur für diese Momente, in denen man dem Universum eine halbe Stunde stehend applaudiert, weil das Du aus dem Wir das Ich so glücklich macht.








1. Dezember 2009 um 12:38
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Sue, twitkrit erwähnt. twitkrit sagte: Eine Chronologie der Zwischenmenschlichkeit in 140 Zeichen: http://bit.ly/8Wuia1 [...]
1. Dezember 2009 um 12:38
so schön :)
1. Dezember 2009 um 12:58
*Klapp klapp klapp* Meine Standing Ovations für diesen Text…
1. Dezember 2009 um 13:05
Märchen können also doch noch wahr werden. Wie schön :)
1. Dezember 2009 um 14:05
Der bisher schönste Text, den ich hier gelesen habe!
1. Dezember 2009 um 17:28
wundertoll :)
1. Dezember 2009 um 23:43
[...] sicher, diese fünf Minuten sollte man sich im Kalender anstreichen. Wie das wirklich ist mit dem Heranschleichen, und für wen man dem Universum stundenlang applaudieren würde, und für wen nur ein paar Minuten. [...]
2. Dezember 2009 um 22:45
[...] ~ « eine Adventsgeschichte [...]