Twitkrit

Kunst oder Kumpels?

Eigentlich gilt redaktionsintern die Regel, dass wir unsere eigenen Tweets hier nicht besprechen. Aber Regeln haben Ausnahmen. Und wenn einer hier seit dreieinhalb Monaten nichts mehr geschrieben hat, dann kann die Regel schon mal ausgenommen werden.

Ein immer virulentes Problem des modernen Menschen ist das Zuviel. Man kann gar nicht alles machen, vor allem nicht gleichzeitig. Besonders zeigt sich dies in den bürgerlichen Normen der Kunstrezeption. Die ist nämlich gängigerweise als Konsum, also One-Way-Kommunikation definiert.
Wir stehen vor einem Gemälde und staunen schweigend. Wir sitzen im Theater oder im Kino und staunend schweigend. Selbst die niederen Formen von Kunst konsumieren wir in der Regel irgendwie allein. Musik kommt aus den Kopfhörern und selbst vor dem Fernsehapparat sind allermeist Tätigkeiten der Sozialisation unerwünscht.

Wie anders hatten sich das noch unsere Vorväter in den Zeiten des Geniekults vorgestellt! Volkslied, Volksmärchen, Volkstheater. Alles wurde gemeinsam produziert und gleichzeitig performativ konsumiert.
Ein fröhlich Dichten, Musizieren und Deklamieren in großer Runde und zum Abend sangen alle „Nehmt Abschied, Brüder“.

Heute ist das, wie gesagt, getrennt, das Beisammensein und die Kunst. Und selten wurde das Wehklagen über diesen Missstand kunstvoller und gleichzeitig sprach- und kulturkritisch in Verse und Reim gegossen als hier:

donniedarko
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Laubsorgen

Twitter – die größte Klagemauer der Welt. Gejammert wird vorzugsweise über schlechtes Fernsehen, unverbesserliche Internetausdrucker, abkackende PCs, sich um Sekunden verspätende Züge der Deutschen Bahn, verschobende Check-Ins, bohrende Handwerker, den Geschlechtsverkehr vollziehende Nachbarn, halbtaube Speedmetaller, müffelnde Sitznachbarn im Öffentlichen Nahverkehr undsoweiter undsofort. Vom Wetter ganz zu schweigen.

Twitterland ist ein Jammertal.

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Variation

Nachdem gestern an dieser Stelle die Popsoziologie jugendliche Jahrgänge und Kundenkommunikation kritisch verschweißt hat, wir uns also der Seichtigkeit des Seins hingaben, widmen wir uns heute der Hochkultur in Form der klassischen Musik. Dabei ist viel falsch zu machen, wie Adorno uns in seiner Einleitung in die Musiksoziologie warnt. Denn schnell werden wir zum “Bildungshörer oder Bildungskonsumenten”, zu dessen Eigenschaften zählt, dass er “soviel wie nur möglich an Kenntnissen über Musik, zumal über Biographisches und über die Meriten von Interpreten anhortet, über die man stundenlang nichtig sich unterhält.”

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Generation Slogan.

Wir sind angeblich die mit den Umhängetaschen, die morgens Nutella auf ihr Brot schmieren, um danach in unseren Golf zu steigen und in unsere Agentur zu fahren, in der wir “irgendwas mit Medien” machen. Obwohl wir morgens eher nicht frühstücken, und dann mit der Straßenbahn fahren, weil man in der Großstadt sowieso keinen Parkplatz findet und wir uns schon lange nicht mehr das Benzin oder den Golf leisten können. Generation Golf vs. Generation Benzinpreise.

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