Der Flugverkehr und die darin handelnden Personen – eine einzige wunderliche Welt.

Hängt wohl mit der Geschichte zusammen, dieser Mischung aus  Menschheitstraum – “Fliegen wie ein Vogel!” – und dessen Erfüllung durch tollkühne Abenteuertypen, Verrückte, Irre. Wie können die sich nur in diese Apparate setzen und vom Boden abheben! Ein Heidenrespekt entstand, ein Korpsgeist innerhalb der Branche, eine spezielle Sprache gleich dazu, um die neue Technik zu beschreiben. Teilweise in Anlehnung an die maritime Welt, handelte es sich doch um Luftschifffahrt. Dann kam die Zeit, als die Bezwinger der Schwerkraft zu Helden des Fortschritts wurden. Kommunisten, Nazis, Demokraten – alle haben sie die Flieger auf den Schild gehoben.

Aus, Ende, fast vorbei. Heute leben wir in den unheroischen Zeiten der Massenfliegerei, der Billigheimer. Jeder darf rein. Alles muss mit. Der Kommerz tut ein übriges. Fliegeruhren, Pilotenkoffer, Bomberjacke – der Hauch des Heldentums ist käuflich zu erwerben. Jedoch ein Resträtsel ist geblieben, die Bewunderung ist noch da für diese Tausendsassa, die so ein 150-Tonnen-Ding mit ihren Fingerspitzen dirigieren. Die werden das schon beherrschen, denkt man sich, sitzen ja selber mit drin. Zwangsvertrauen zwecks Nervenschonung.

Aber welcher Geist herrscht beim Personal? Wie sehen die Besatzungen die Lage? Ist die Fliegerei mit diesen Geräten wirklich so voll unter Kontrolle, wie das Dauernlächeln der feschen Flugbegleiterinnen uns vermuten lässt? Vermutlich vermuten lassen soll? Einen heiteren, ungezwungenen Einblick eröffnet dem interessierten Fluggast seit ein paar Wochen @schinkenkaese.

Da haben wir es: eine Stewardess twittert und plaudert mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. Leider nicht während der Arbeit – ist ja verboten. Trotzdem kann man eine ganze Menge erfahren über diese verschlossene Fliegerwelt. Besser noch: Diese Twitterin erdet uns tüchtig, führt uns Menschen in ihrem zuweilen absurden Arbeitsalltag vor, der mit einer abstrusen Sprachregelung gemeistert wird.

Aber woher kommt dieser merkwürdige Name? Ziemlich einfach, wenn man diesen Tweet gelesen hat

schinkenkaese

Intern heißen sie natürlich ganz anders, die schicken Stewardessen, wie dieser Tweet bezeugt. So reden die Helden also! Pff.

schinkenkaese

Es gibt Passagiere, die nerven. Vielleicht glauben die, sie hätten die Flugmenschen zusammen mit dem Ticket gekauft. Jetzt dürfen sie sich alles erlauben. Sie sollten sich nicht sicher fühlen. Es gibt Verteidigungsstrategien.

schinkenkaese

Natürlich wird sich vielmals entschuldigt, wie konnte das nur passieren, das tut mir aber leid. Har! Har! Har!

So sehen sie uns, uns Paxe, wie sie uns nennen. Ja, kommt tatsächlich von Lateinisch “pax” = der Frieden (doch nicht, siehe unten). Keine Ahnung warum, aber es wird sogar noch differenziert.

schinkenkaese

So fliegt man also mit dieser sympathischen Flugbegleiterin durch die Welt und lernt unter anderem, warum man Nizza vielleicht doch nicht meiden sollte.

schinkenkaese

Wir wünschen uns mehr Nachrichten aus dieser rätselhaften Welt und empfehlen der werten Leserschaft: Follow @schinkenkaese! Und beim Betreten des nächsten Ferienfliegers rufen wir dann laut aus: “Hallo ihr Saftschubsen, die Charterpaxe sind da!” Vielleicht kriegen wir ja einen Tomatensaft gratis.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Ragazzo Gratinato

Paxe sind all’ diejenigen, die keine Fluglizenz haben… gibt’s in der Springerei auch, z.B. der Fluggast beim Tandemspringen…

Gepostet von Ragazzo Gratinato am 29. September 2009 um 11:59.
Judith Heidkamp

Hallo miteinander,

tja, sorry, aber wie amüsant die fiktive SchinkenKäse-Schubse auch immer sein mag, ist sie leider bzw. gottseidank doch nur ein Fake…

Ein Fake, dass alle bekannten Klischees bedient, die sich im Laufe der Zeit bei einem “ab-und-zu-per-Charter-in-den-Urlaub-Flieger” angesammelt haben und der vom harten Alltag über den Wolken absolut KEINE Ahnung hat.

Vielleicht erträumt sie (oder er) sich ja insgeheim, dass wir wirklich so sind: nett, hübsch, adrett, devot, intrigant, zynisch, sardonisch und dann dies alles auch noch süffisant twitternd… sorry, aber Fehlanzeige: “Lynxjet” war seinerzeit auch nur ein Werbegag!

Die Realität ist ganz banal: wir stehen morgens früh auf, fahren zur Arbeit und kommen abends, manchmal auch anderntags wieder heim. Für manche ist das Flugzeug vielleicht aufregend und ungewohnt – für uns ist es einfach nur Routine, unser Arbeitsplatz und keine Hüpfburg.

Für fröhlich-naive Urlaubstimmung und Tomatensafteskapaden, wie sie uns hier vermittelt werden, bleibt da schlicht und einfach keine Zeit.

Im Übrigen: “Pax” bzw. der eingedeutsche Plural “Paxe” ist leider auch kein abfälliges Wort, sondern die, in der Luftfahrt und auch in Hotellerie und Gastronomie verwendete Bezeichnung für (Flug-)Gäste. (“persons approximately aboard” “erwartungsgemässe Anzahl der Personen an Bord”).

Allen Lesern wünsche ich hiermit noch einen schönen Sonntag und Schinkenkäse viel Spass beim Spielen!

Liebe Grüsse
eure Judith

Gepostet von Judith Heidkamp am 04. Oktober 2009 um 09:02.
baranek

Hallo Judith,
sehr interessant, deine Einwände. Wir werden das mal nachprüfen.

Gepostet von baranek am 04. Oktober 2009 um 11:36.
Schinkenkaese

Hallo Judith,

woher möchtest Du wissen, dass “Schinken oder Käse?” ein Fake ist?

Viele Klischees sind nunmal aus der Realität entstanden – und an Bord passieren nun einmal sonderbare Dinge, wie oft, wenn viele verschiedene Mentalitäten und Kulturen aufeinander treffen. Sicherlich nicht jeden Tag, aber sehr häufig. Da muss man einfach nur die Augen offen halten.

Ich habe sehr viel Ahnung vom harten Alltag über den Wolken; ich erzähle allerdings lieber von amüsanten Begebenheiten – das ist auch ein Teil dieses Berufes.

Und Pax ist natürlich kein abfälliges Wort, da gebe ich Dir selbstverständlich recht. Ich weiss allerdings auch nicht, wo der Eindruck entstanden sein soll.

Jedenfalls werde ich ewig aus offensichtlichen Gründen meine Identität geheim halten und den endgültigen Beweis schuldig bleiben. Wer mag, folgt mir einfach und bildet sich sein Urteil selbst.

“Schinken oder Käse?” ist ein privater Account, unabhängig, unbezahlt, echt und kein Marketingauftritt irgendeiner PR-Agentur, Fluggesellschaft oder einem sonstigem Unternehmen.

Aber es ehrt mich, dass ich sogar als professioneller Marketing-Gag gehandelt werde! :)

Viele Grüße,
eure @schinkenkaese

Gepostet von Schinkenkaese am 04. Oktober 2009 um 12:44.
Anke

Hallo Judith,
ich kann mich dafür verbürgen – wenn es sein muss, schwöre ich auch auf die Gräber mehrerer toter Verwandter – @schinkenkaese ist KEIN Fake, ich bin mit ihm/ihr gut befreundet. Gerade weil @schinkenkaese bei jedem Treffen so abenteuerliche Geschichten zu berichten hatte, wurde von mehreren Seiten gewünscht – ja, nahezu gefordert! – er/sie möge doch bitte anfangen zu twittern. (Die besten und unglaublichsten hat er/sie übrigens noch nicht erzählt.)
Wie so oft im Leben kommt es darauf an, wie man sich Situationen nähert, die man erlebt und vor allem, mit welcher Einstellung. Für Twitter ist es vor allem wichtig, ob man das Talent hat, diese auch noch für andere spannend nachzuerzählen. Natürlich sind abstruse Erlebnisse nur eine Nuance des Jobs (jedes Jobs!), aber es ist auch nicht in @schinkenkaese Sinne – soweit ich weiß – den Arbeitsalltag 1:1 abzubilden. Twitter ist kein Job-Dokumentationsmedium!
Ehrlich gesagt macht mich eher der besserwisserische Klassenbeste-Eifer, den Sie hier an den Tag legen, ein bisschen stutzig…

Das alles ironisch verpackt und ob der Dramaturgie überspitzt ist, haben denke ich alle verstanden, die @schinkenkaese lesen.
Bis auf Sie.
@litchi7

Gepostet von Anke am 04. Oktober 2009 um 14:30.
Netzwerkerin

Hallo, Judith,
ich bin mit einigen Airlinern verwandt und bekannt, die mich seit Jahren mit den erstaunlichsten Geschichten aus ihrem Berufsalltag erfreuen.
Was @schinkenkäse bisher berichtet hat, kommt mir durchaus vertraut vor und nie und nimmer konstruiert.
Ich amüsiere mich sehr über ihre/seine kleinen humorvollen Kunstwerke und kann als Twitterin nur empfehlen: #ff, aber an allen Wochentagen.
Es grüßt
@Netzwerkerin

Gepostet von Netzwerkerin am 04. Oktober 2009 um 16:09.
Volki

Ja was denn nun? Auf ihrem Blog http://schinkenoderkaese.blogspot.com/ schreibt SchinkenKaese doch selber, dass die Geschichten UND sie rein fiktiv sind (O-Ton: “Ach ja, an sich sind alle Personen (auch ich), Orte und Ereignisse frei erfunden”). Also wo ist das Problem? Das wissen doch alle. Mir persönlich ist zwar noch keine unfrisierte Flugbegleiterin hüpfend im Blümchenkleid von Frau Engel begegnet, aber das kann ja noch werden! Hauptsache, die Tweets sind amüsant! Ich folge weiter… #ff

Gepostet von Volki am 04. Oktober 2009 um 17:54.
kofferleben

Also ich denke, es gibt da mehrere Dinge:

Ihr lest die Tweets und das Blog. Es scheint euch ja also zu interessieren. Ist es dann nicht egal, ob es ein Fake ist oder nicht?

Nehmen wir mal an, @schinkenkaese ist kein Fake. Dann würde ich an der Stelle auch nicht sagen, wo ich arbeite. Das hat einmal damit zu tun, dass ich von meinem Arbeitgeber keine Probleme bekommen möchte und ausserdem: Es ist doch egal!

Auch bei den Berufen über den Wolken wird nur mit Wasser gekocht und es passieren Dinge – wie wohl auch im “normalen” Büro – wo man sich entscheiden kann, ob man jetzt lachen oder weinen soll. Da man doch im allgemeinen lieber das erste macht, kann man daran auch andere Leute teilhaben lassen.

In diesem Sinne:

Einfach weiterlesen und “all faces in flight!” *smile*

Gepostet von kofferleben am 05. Oktober 2009 um 00:27.