Mensch & Natur: Ein Ritt durch Zeit & Medien
Twitter ist nicht zuletzt auch microgebloggte Alltagskultur. Hier und dort kann sogar ein poetisch anmutender Tweet aus dem Strom der Kurzmeldungen hervorragen. Auf der Suche nach Twitteratur ist mir in dieser Woche ein Tweet von @bebal aufgefallen. Es ging um ein Thema, dessen sich die Poesie seit Urzeiten immer wieder bedient: dem Zusammenhang von Mensch und Natur.
Ehe ich zu besagtem Tweet komme, sei mir noch ein kurzer Exkurs erlaubt, der zwei Beispiele aus der Poetik zeigt (die übrigens in sich unterschiedlicher nicht sein könnten), und die den verknüpfenden inhaltlichen Faden zu dem zu besprechenden Tweet bilden. Ja, in einer Reihe sollen sie genannt werden die Autoren der so unterschiedlichen Naturbetrachtungen: Goethe, Erhardt und @bebal.
Erst der alte Goethe:
1770 schrieb er im Gedicht “Ein grauer, trüber Morgen“:
Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Dann springen wir vom 18. ins 20. Jahrhundert und lesen bei Heinz Erhardt im Gedicht “Die Made“:
Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde
Sie ist Witwe, denn der Gatte
den sie hatte
fiel vom Blatte.
Um ins Jahr 2009 voran zu schreiten und die gezwitscherte Poesie von @bebal zu lesen, die in ihrer modernen Darbietung nichts vom Zauber des Zusammenspiels von Mensch und Natur verloren hat:
[LINK]

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Das sagen die Anderen:
Hübsch. Von Melancholie über Lakonisches bis zur Ratlosigkeit. Eine kurze Geschichte der Poesie.
Gepostet von Fischer am 11. Juli 2009 um 00:18.Was hätte wohl Goethe geschrieben, hätte er mit Hash-Tags arbeiten können? Vielleicht hätte es so geklungen:
#Baum
#Rinde
#Name
#Vom
#Winde
#Verweht
Ich würde es ihm zutrauen, er kann sich ja nicht mehr wehren :)
Gepostet von Andreas am 11. Juli 2009 um 00:28.@Fischer: Danke. Ja, sehr verkürzt das ganze. Ein Ritt eben. ;-)
@Andreas: Ich glaube er hätte nicht mit Worten seines Tweets gehashtagged, sondern er hätte seine Zeilen thematisch verschlagwortet. Vielleich mit #sehnsucht #liebe. Doch wir wissen es nicht. Trotzdem lustig, es sich vorzustellen. Danke für die Assoziation.
Gepostet von textundblog am 11. Juli 2009 um 00:40.Das kann nur unwirklich wirklich sein, was hier steht. Wie wenig mensch hier von Literatur vesteht drückt sich schon in der (Aus)Wahl der “Schriftsteller” aus. An Peinlichkeit kaum zu überbieten. Shakespeare mit Hash Tags – ja, hier bin ich Kulturpessimist. Zu recht….
Gepostet von Anne am 11. Juli 2009 um 11:56.@Anne: Sonst alles klar bei Dir?
Gepostet von textundblog am 11. Juli 2009 um 11:59.