Was wirklich fehlt …
Statistisch gesehen, schaut der Deutsche pro Tag 208 Minuten fern. Auch unter Twitterern, gar in Kreisen von Twitteraturkritikern, nimmt die zweifelhafte Vorliebe für gewisse TV-Formate einen bedenklich großen Raum ein.
Mittlerweile gibt es für fast jede auch noch so lebensferne Situation eine sogenannte Realitätsschau in der Glotzkiste: Es gibt eine Sendung mit Menschen, die sich ihre vier Wände von einer häßlichen Frau verschönern lassen wollen, genauso wie ein Format für unterernährte Hühner, die sich von einer brennenden Handtasche den aufrechten Gang auf Stöckelschuhen erklären lassen, um irgendwann einmal im C&A-Katalog abgebildet zu werden. Aber auch Serien mit jungfräulichenmännlichen Agrarlandwirten, die zwischen Bauerntag, Subventionsantrag und Demonstration gegen zu niedrige Milchpreise noch schnell vor der Mittlebenskrise die erste Liebe ihres Lebens kennenlernen wollen; verantwortungsvolle Eltern, die ihren Nachwuchs im Babyalter zu Trainingszwecken lediglich rudimentär sozialisierten Nachwuchsteenagereltern überlassen, und Handyverkäufer, die es mit Gesang von Klingeltönen in die Mailänder Scala schaffen, bringt uns das Fernsehen direkt in unsere Wohnzimmer.
Wollte uns einst vor vielen Jahren eine Japanische Automobilfirma in ihrer Werbung weismachen, dass nichts unmöglich sei; so konnte dieses Versprechen erst mit der Erfindung des Reality-TVs in Erfüllung gehen. Nur für die wirklich wichtigen Situationen im Leben ist noch kein TV-Format erfunden. Auch @dondahlmann musste dies kürzlich am eigenen Leibe erfahren, als er versuchte, seinen Klapprechner eigenhändig zu reparieren:
Hätten wir nämlich in unserem allseits beliebten Unterschichtenfernsehen eine Dokumentationsseife über Menschen mit zwei Linken Händen voller Daumen, die von der nicht nur bildhübschen, sondern zudem auch blitzgescheiten Urenkelin Konrad Zuses zu PC-Schrauber-Göttern ausgebildet würden, dann wäre nach einem Mach-es-selbst-Computer-Reparatur-Versuch nicht nur @dondahlmann die Bergmannslunge und der Tinnitus erspart geblieben – obwohl solche Sendungen natürlich niemand schaut. Offiziell jedenfalls.

Kommentieren
Das sagen die Anderen:
208 Minuten fernsehen im Durchschnitt? Das erklärt allerdings einiges …
Gepostet von Holger Ehrlich am 05. Juni 2009 um 14:18.@Holger: ist Stand 2007, vielleicht ist es ja noch mehr geworden – bei immer schlimmerem Programm? Wer weiß das schon so genau. Zahlen aus diesem Jahr gibt es dann vielleicht 2011.
Gepostet von bosch am 05. Juni 2009 um 14:20.