Twitkrit

Twitter, deine Väter.

Dass es hier in unserem Land eine Art Zeugungsstreik der nicht werden wollenden Väter gäbe, und überhaupt, dass sie sich nicht kümmern würden, das haben wir alles mal gehört. Da gibt es dann Gespräche darüber, “warum wir keine Väter mehr werden wollen.”

Alles Pustekuchen. Da gibt es eine Horde junger Männer, die das ganz großartig finden, die Sache mit dem Vatersein. Die morgens in den Kindergarten fahren, und abends die Welt erklären. Dann sind es die kleinen Abschiede, die schwerfallen – wie bei to01:

Dann sind es die kleinen, ungewöhnlichen Reinigungsmethoden, die unser Herz spontan aufgehen lassen – für Herrn bjoerngrau und seinen Graugnom, das kleine Flusensieb.

Und es sind die vergeblichen Erziehungsversuche, die ghostdog19 seinem kleinen Ad-Mini angedeihen lassen will:

Vermutlich klingt das halt nur schlecht, die Generation Vater. Statt den üblichen Freitag-Taschen könnten sie dann eine Freitag-Wickeltasche mit spuckabwischbaren LKW-Planen tragen und – ach. Braucht es alles nicht, denn es läuft ja auch so. Manchmal wie ein kleiner Staubsauger, aber hey, Dreck reinigt den Magen, an dieser Stelle bitte nicht kleinlich sein.

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die wirtschaftliche Bedeutung des gemeinen Toilettentweets

tafkap
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Maven-Man @tafkap war fort zur Bildung in Skandinavien.
Das Thema: Shit-Sharing!

Twitkrit ist diesem Thema nachgegangen und hat Interessantes herausgefunden:
Bereits seit minoischer Zeit wurden landwirtschaftlich genutzte Felder zur Steigerung der Ernte mit tierischen und menschlichen Fäkalien bestreut. Diese Erkenntnis aus der Bronzezeit wurde, glaubt man den Dänen, bis ins Web2.0 gerettet, denn durch die organische Düngung werden die Bodenlebewesen und Mikroorganismenblogs gefüttert, welche die organischen Materialien des BodensWebs mineralisieren und pflanzenvolksverfügbar machen.

Exkurs:
Allerdings kommt es in Gebieten intensiver landwirtschaftlicher Nutzung mit hohem Viehbesatz (z. B. im Münsterland und in Südwestniedersachsen) zu erheblichen Problemen. Zweck des Ausbringens von Gülle und Mist ist hier weniger die Steigerung des Ertrags, als eine Entsorgung der tierischen Exkremente in den Mastbetrieben. (ah ja)

Werden die Kulturen allerdings zu stark gedüngt, können die Erträge sinken.

Im Kontext von Social Web bedeutet dies: Wenn zuviel Mist getwittert wird, wird das für niemanden von Nutzen sein und es fängt an zu stinken, je nach dem wie der Wind so steht.

Generell aber nehmen wir von @tafkap ‘s Bildungsausflug mit:
Macht jede Menge digitale Misthaufen ins Netz, sie sind die Grundlage der Ökonomie!!!

Die immense wirtschaftliche Bedeutung des “gemeinen Toilettentweets” für die Economy2.0 ist hiermit gefunden und wird hoffentlich einmal in die Analen Twitterpedia eingehen!

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24/6

Das wird wieder toll.

Wahrscheinlich ist feuchtkaltes Wetter, wahrscheinlich sind alle überangespannt, wahrscheinlich habe ich mir für die kommenden freien Tage wieder viel zu viel vorgenommen. Wahrscheinlich wird es Kartoffelsalat und Würstchen geben. Wahrscheinlich sind alle anderen auch mit Mitte 30 immer noch zu ihren Eltern gefahren und die Männer unter den Heimkehrern haben sich frisch rasiert.

Es wird ein paar gute Bücher geben, vielleicht Technikkrams, die Schwiegermama wird uns Praktisches dazuschenken und viel Dekogedöns. Hoffentlich hat meine Tante Gebäck geschickt. Es wird sein wie immer. Wobei. Früher war mehr Lametta.

24
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Der grüne Strom

Wenn sich neue Kulturtechniken Bahn brechen, ruft dies Vor- und Nachdenker auf den Plan, um dieses Phänomen zu bewerten. Im Angebot des intellektuellen Bauchladens ist meist etwas für jeden Geschmack. Die Apologeten für die anschmiegsamen Fortschrittsenthusiasten finden sich ebenso wie Apokalyptiker für diejenigen, die schon immer alles Scheiße fanden, die Welt und überhaupt. Die Wahrheit ist meist viel komplizierter. Das ist bei der neuen Kulturtechnik Twitter nicht anders, wie man in diesen Tagen rund um die Geschehnisse im Iran leider manchmal schmerzhaft erfahren konnte.

Zunächst mal müssen wir zugeben, dass es uns ging wie @theJof

Aus dem grünen Strom

Wir haben in den unglaublich breiten #iranelection-Strom geschaut, stundenlang. Nichts anderes mehr gemacht, wie gebannt saßen wir davor. Die normale, gute, alte Timeline erschien danach nur noch als schwacher Abklatsch der Wirklichkeit. Warum dieser Sog? Wir wissen es nicht. Voyeurismus? Kann sein. Stärker, wollen wir zur eigenen Beruhigung annehmen, war jedoch die Aussicht, uns ein eigenes, unverstelltes Bild von diesen welthistorischen Ereigenissen zu machen. Live.

Über die Rolle von Twitter in Bezug auf den Iran ist bereits einiges geschrieben und vermutet worden. Wir glauben aber weder den Apologeten (“Twitter-Revolution”) noch den Apokalyptikern (“Alles Desinformation!”) sondern schauen weiter kritisch und skeptisch in den grünen Strom. In dem schwimmt vermutlich alles: die Propagandisten aus dem Exil, die ihre alten Rechnungen begleichen; die Irren, die Verschwörungen riechen; die Leichtgläubigen, die jede Kampagne mitmachen; die Naiven, die alles glauben und aufgeregt nachplappern; die Geschäftemacher, die ihre Kommerzmühlen in den Strom dirigieren.

Aber es gibt auch die echten Stimmen. Wahrscheinlich gibt es sie, muss man sagen, weil sich nichts überprüfen lässt. Aber dass es sie gibt, bestätigt unter anderem der Umstand, dass Twitternachrichten Stunden später durch YouTube-Videos bestätigt werden. Eine solche Stimme ist wohl Mirriaam, deren Account inzwischen verschwunden ist. Wir hatten uns einen ihrer Tweets gemerkt, aber keinen Screenshot gemacht. Allerdings wurde er dutzendfach retweetet und bleibt so der Nachwelt erhalten.

Aus dem grünen Strom

Kann so etwas gelogen sein? Kann es nicht, es macht einfach keinen Sinn, sich so etwas auszudenken. Deshalb war Mirriaam eine sehr glaubwürdige Quelle. Dem Journalisten Georg Watzlawek vom Handelsblatt-Blog Madagaskar ist es sogar gelungen, ein kleines Twitterinterview mit Mirriaam zu machen (auf 20:55 MEZ scrollen). Kurzum: Mirriaam ist/war echt. Ihr Tweet oben zeigt eindrucksvoll die ganze Stärke von Twitter und gleichzeitig seine ganze Schwäche. Die Schwäche ist: Die Relevanz der Information geht nach den Gesetzen der Medienwelt ziemlich gegen null. Eine über die Misshandlung ihrer Freunde weinende junge Frau hat keinen Nachrichtenwert. Aber: Der persönliche Blick, die daraus resultierende Möglichkeit zur Empathie, der Umstand, das man hautnah spürt, was jetzt passiert und was es für die Menschen dort bedeutet – das ist die Stärke von Twitter.

Trotz des nicht abebbenden Stroms erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Apologeten recht haben: Es handelt sich nicht um eine Twitterrevolution, weil das Medium nur nach außen wirkt und wohl nicht im Iran selbst. Dort scheinen die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten nur noch wenigen offen zu stehen, worauf auch der stets gut informierte und vorsichtige @Persiankiwi hinweist.

Aus dem grünen Strom

Deshalb ist dieser Kommentar von @joysamcyborg überhebliches, altkluges Gelaber.

Aus dem grünen Strom

Gut, vielleicht meinte er ein paar aufgeregte Teenager, aber insgesamt glaubt auch im Iran niemand, mit Twitter konkret eine Revolution zu organisieren. Vielmehr ist eines unstrittig: Twitter schafft weltweite Öffentlichkeit, sofort, ohne Umwege. Zwar ist die iranische Revolte politisch nicht lupenrein demokratisch, aber offenbar verbindet die junge, technologisch ausgebildete Generation mit ihr alle Hoffnungen auf eine Veränderung in Richtung einer freieren Gesellschaft. Dabei hilft Twitter. Deswegen schauen wir nicht nur in den grünen Strom, sondern machen ihn breiter wie @Luca

Aus dem grünen Strom

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