Raubtiere
Eine der nie endenden Debatten der Philosophie ist ja die zum Verhältnis von Mensch und Natur. Einerseits entsteht Zivilisation eben aus der Entfremdung vom Naturzustand. Es ist gerade die Natur des Menschen, sich über die Natur zu erheben. So wirklich gut können wir mit der Natur nicht.
Deshalb neigen wir auch dazu, die Dinge, die wir in unserem eigenen System nicht verstehen oder gut heißen, mit Naturmetaphern zu belegen.
Aktuelles Beispiel ist der sogenannte Raubtierkapitalismus.
Andererseits drängt es uns gerade aufgrund der Überzivilisierung aus den grauen Städten in die Natur. Das geht zwar auch nur in einem vermittelten Zustand mit domestizierter Natur, aber immerhin. Viele Menschen kultivieren Gärten und halten Haus- oder Nutztiere. Letztere sind dann gerne Opfer wilder Raubtiere. Wir kennen das aus unserer eigenen Krise und fühlen mit.
In der deutschen Twittersphäre trifft die böse Natur oft auf unser Federvieh. Da wird von schlimmen Füchsen berichtet, die Hühner und Laufenten morden.
[Exkurs: Sind Laufenten gerade en vogue? Gestern erst erzählte mir ein offline-Freund, er müsse am Wochenende die Laufenten eines Bekannten hüten, weshalb er am Samstag keine Zeit für mich habe.]
Wie grausam, wie brutal diese Natur doch ist. Wie dieser Kapitalismus, dessen Wesen die Gier ist, wie das Fachblatt für Naturkunde “Der Spiegel” diese Woche weiß.
Oder? Tun wir den Raubtieren unrecht, wenn wir sie so bezeichnen und sie für die Brutalitäten des menschlichen Miteinanders Pate stehen müssen? Unterliegen die nicht ihren eigenen ökonomischen Zwängen?

[Link]
Kommentieren