Twitkrit

Dissen für Lohas und Co.

Im klassischen Hip Hop gehört es zu den Must-haves, das genregerechte Dissen der Konkurrenz. Dabei gilt es der behaupteten Härte der im Ghetto wurzelnden Popsubkultur gerecht zu werden. Anständig Dissen bedeutet hier: sexistische, misogyne (vor allem Partnerinnen und Mütter betreffende),  homophobe (Erniedrigung durch mann-männlichen Sex) und gewalttätige Verbalangriffe auf den Gegner.
Der gemeine, nicht alt werden wollende Bildungsbürger rezipiert solcherlei fasziniert, verbrämt seinen Spaß an dieser Kunstform aber politisch korrekt, in dem er fortwährend analytisch darüber spricht. Rapper übertreiben doch bewusst, das ist doch alles ironisch zu verstehen, etc. pp.
Diese intelektuelle Distanzierung liegt unter anderem darin begründet, dass der brave Bohèmien die echte Straße gar nicht aushalten würde, sie aber gleichzeitig für die eigene Ich-Konstruktion in Anspruch nimmt. Denn was wäre eine individualistische Biographie bei den sowohl gutsituierten als auch libertär gesinnten Neubürgerlichen ohne einen Verweiß auf die eigene verwegene Jugend und damit letztlich irgendeine Form der Streetcredibility? Nichts.
Und so wie der Bildungsbürger durch ihre Begeisterung für Streetart diese letztlich mit in die Galerien treibt, wo diese dann von den sogenannten „Reichen“ (die er heimlich beneidet, obwohl deren ökologischer Fußabdruck indiskutabel schlimm ist und in Russland Menschenrechte mit Füßen getreten werden) gekauft wird, so fängt er irgendwann auch an, nur noch Musik zu hören, die irgendwie Bezug zur Straße behauptet und gleichzeitig schick ist.

Dies kann dem Bildungsbürger vorgeworfen werden. Dafür kann er gedisst werden, der alte Spießer. Aber dann bitte so, dass es ihn direkt betrifft. So, dass es weh tut:

Fox
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Ärsche regieren die Welt

Die Mechanismen der Medien unterscheiden sich dann doch gar nicht so krass untereinander. Und wer könnte das wohl besser beurteilen, als Else Buschheuer. Sie, die sie in beinahe allen Medienformen dieses Planeten unterwegs ist (ihre Höhlenmalereien gelten bis dato als „noch nicht entdeckt”), sie, die sie die erbarmungslose Medienmaschinerie nicht nur hierzulande, sondern mitten in ihrem hellen Zentrum – New York City – erleben durfte, sie, die sie gar all die Stars aus Hollywood persönlich traf, erlebt ausgerechnet hier auf Twitter – dieses angeblich so neue und völlig andere Medium – die Wiederholung des immer Gleichen.

Erst kürzlich durchbrach Ashton Kutcher (@aplusk) die Marke von einer Million Follower. Damit wäre bewiesen, dass man zwar „hope““ versprechen, der Obertechnerd sein oder ein brillianter und prominenter Twitterer sein kann, aber das am Ende doch nur ein einziges Körperteil zählt.

Ja, man kann sagen, @elsebuschheuer hat die Medien verstanden:
else
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In angstvoller Erwartung des Merkeltwitpics.

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Deleuze und die Triebe

Nachdem sich die verehrten Kollegen letzte Woche ihren Hormonkoliken ergeben haben, werde ich jetzt die Sexkrit-Woche für beendet erklären und mich @Katti und dem jungen Gemüse der Saison zuwenden:

Katti
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Natürlich erinnert der Spargel in seiner Form an das männliche Geschlechtsteil, schlägt dieses aber doch um einiges in der durchschnittlichen Länge, wenn auch nicht in der Dicke. Auch beim Frischetest, der beim Aneinanderreiben zweier Stangen ein Quitschen erzeugen sollte, dürfte der Vergleich dermassen hinken, dass ich auf den gemacklichen Vergleich gar nicht erst eingehen möchte.

Dennoch ist der Spargel ein Trieb. Dieser hat jedoch nicht seinen Ursprung im Hormonchaos wildgewordener Frühlingstwitterer sondern entsteht aus einem unterirdischen, sympodial verzweigten Rhizom. Dieser Begriff diente schon Deleuze als Gegenentwurf zur klassischen pflanzlichen Metapher des Baums des Wissens.

Ein Baum des Wissens, unter dessen Schatten sich @yvesluther offenbar nicht ausgeruht hat, als er in der Küche werkelte:

yvesluther
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Guten Appetit!!!

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Sexkrit

Da hat sich doch in dieser Woche fast unmerklich und redaktionell vollkommen unabgesprochen eine kleine Themenwoche in die Twitkrits der letzten Tage geschlichen. Es sei einmal dahingestellt, ob dies hormonell bedingt oder der Steigerung der Trafficzahlen geschuldet ist. Aus Twitkrit ist offenbar in dieser Woche Sexkrit geworden.

Jetzt haben wir Freitag, und ich bin an der Reihe auf Twitkrit den nächsten Text zu liefern. Nun kann ich ja gar nicht mehr anders, als thematisch die Sexwoche fortzuführen, möchte aber einen Aspekt aufgreifen, der leider in Zeiten der steigenden Hormonspiegel auch behandelt werden muss: die sexuelle Belästigung.

So mussten wir in diesen Tagen des aufkommenden Frühlings, der ja allerorts schon sommerliche Züge hat, bei Frau @Ingeborch folgenden Tweet lesen:

ingeborch1

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Das ist eindeutig die negative Seite der Medaille, wenn mit dem Einzug des Traumwetters und den aufkommenden Frühlingsgefühlen auch die Lust derjenigen geweckt wird, die keinen Partner haben, mit dem sie diese ausleben können. Die feigen Lüstlinge greifen dann zum Hörer und rufen unschuldige Frauen an, die bei Annahme des Telefonats erstmal nur perplex von einem anonymen Stöhnen überrascht werden und angewiedert auflegen. Das Opfer hier: Frau Ingeborch. Wir sind erschüttert und fühlen mit ihr mit. Doch um so erleichterter sind wir ob ihrer auf Twitter nachgeschickten Aufklärung der zweimaligen Stöhnanrufe:

ingeborch2

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Fazit: Männer sind nicht immer nur triebgesteuert, sondern manchmal auch einfach nur schusselig.

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Porn no

Verzeihung liebe Leser, aber ich bin doch auch nur eine Sklavin dieser hormonschwangeren Frühlingsluft und reihe mich jetzt einfach mal fröhlich hüpfend in jenen thematischen Bereich ein, welcher sonst eher den werten Herren der twitkritisierenden Schöpfung zugeordnet wird. Jene haben mir nämlich verraten, dass Geschriebenes mit sexuell angehauchtem Inhalt – sie nennen gern, diskret wie sie sind, bloß das Stichwort „Körper“ und kichern dann leise in sich hinein – durchaus große Anziehungskraft auf den gemeinen Text-Rezipienten ausübt. Nun gut, was der Werbung mehr als recht ist, soll uns doch nur billig sein, oder? Sogar unter 140 Zeichen lässt sich schließlich herrlich explizit werden. Wie sich das wiederum auf die Gefolgschaft auswirkt, hat der geschätzte Kollege Grau vor kurzem dann auch sogleich im Selbstexperiment erprobt:

porno2
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Hm, nichts für ungut, liebster Mitstreiter, aber hier war die Umsetzung der Theorie wohl eher leidlich erfolgreich. Allerdings könnte es sein, dass du in diesem Fall schlicht dem falschen Geschlecht angehörtest? Die weibliche Seite hat da nämlich ganz andere Erfahrungen gemacht:

porno1
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Okay, gehen wir also von dieser wirklich repräsentativen Studie mit ganzen zwei Teilnehmern aus und beleuchten das Resultat vor dem Hintergrund der allseits beliebten Gender Studies, müsste ich doch jetzt nur noch etwas wie ****** oder ***** und vielleicht auch ************* (wobei das natürlich schon extrem unter der sprichwörtlichen Gürtellinie wäre) schreiben und hätte plötzlich unfassbar viele Kommentare als auch Leser. Habe ich das so richtig verstanden?

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Gib mir keinen Saft

Wir bleiben bei Körperthemen.

Joghurt
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Zunächst einmal volle Zustimmung, fröhliches Schnitzel.
Dieser Diätwahn nervt. Zu glauben, dass Lebensmittel, denen künstlich etwas weggenommen wurde, gesund seien, halte ich für pervers. Auch weiß jeder, dass Fett an sich nicht schlimm ist. Im Gegenteil, als Geschmacksträger macht es viele Speisen erst schmackhaft. Wer abwechslungsreich isst und sich genug bewegt, kann Vollwertkost essen, ohne aus dem Leim zu gehen. Wobei auch das relativ ist. Beim Liebesspiel etwas zum Anfassen und Festhalten zu finden, ist ja auch kein Nachteil.
Gutes, also nicht irgendwie reduziertes Essen hat also auf jeden Fall etwas mit gutem Sex zu tun. Siehe die Stichworte Bewegung, Abwechslung und was zum Anfassen. Der Umkehrschluss auf die schlechten Seiten liegt also nahe.

Aber!
Rechtfertigt dieser generelle Zusammenhang denn schon den konkreten Vergleich des Tweets? Nun, da muss mathematisch-biologisch analysiert werden.

Ein erwachsener Mensch besteht je nach biologischem Geschlecht aus 50-65% Wasser. Das nun ist einerseits auch in Knochen etc. vorhanden ( 22% der Knochenmasse), andererseits bestehen Körperflüssigkeiten, wie Blut, Schweiß und Sperma nicht nur aus Wasser. Wir können also mit einiger Berechtigung als Richtwert für die Körperflüssigkeiten annehmen: 50% des am Sexualakt beteiligten Körpers.

Bei einem Gewichtsmittelwert von 70kg pro Person sind 100% Körperflüssigkeit also 35kg. 0,1% sind entsprechend 35g. Was und vor allem wie viel sind 35g Körperflüssigkeit?

Wäre es purer Schweiß, den wir vielleicht in seinem Volumen mit Wasser gleichsetzen können, dann können wir vereinfacht rechnen: Ein Liter Schweiß wiegt ein Kilogramm. also entsprechen 35g Schweiß 35ml. Das ist nicht ganz so viel wie ein doppelter Schnaps. Diese Menge Flüssigkeit auf einen Körper und die Dauer eines Liebesspiels verteilt ist an sich schon eine einigermaßen trockene Angelegenheit. Bedenken wir, dass Sekrete wie Blut oder Sperma schwerer als Schweiß sind, reduziert sich das Gesamtvolumen noch einmal.
Unabhängig davon wäre auch zu beachten: Ist ein Mann ins Spiel mit einbezogen und hat dieser einen Samenerguß, gehen 2-6ml (NSFW) allein aufs Konto der Ejakulation, der Akt wird also noch staubiger.

Wir könnten weiter diferenzieren. Von der durch schnelle Internetsuche nicht einfach zu beantwortenden Frage, wieviel Flüssigkeit beispielsweise bei der Lubrikation (NSFW) der Geschlechtsorgane durchschnittlich anfällt, bis hin zu Wahrheit und Mythos des weiblichen Ejakulats, es gäbe eine lange Liste von Sekreten, die sich um die 35ml unseres Tweets streiten müssten.

Wir sehen dennoch eine eindeutige Tendenz durch die Berechnung: So richtig flutschen tut der Sex bei 0,1% der Körperflüssigkeit nicht. Das werden wohl die meisten ungeil und in der Folge unbefriedigend finden (gibt es Reibungsverletzungsfetischisten?). Damit wäre die Richtigkeit des Vergleichsmoment im heutigen Tweet quasi wissenschaftlich erwiesen. Auch wenn letztlich Fehlernährung und Trockenreibung doch Geschmackssache bleiben.

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