Im klassischen Hip Hop gehört es zu den Must-haves, das genregerechte Dissen der Konkurrenz. Dabei gilt es der behaupteten Härte der im Ghetto wurzelnden Popsubkultur gerecht zu werden. Anständig Dissen bedeutet hier: sexistische, misogyne (vor allem Partnerinnen und Mütter betreffende),  homophobe (Erniedrigung durch mann-männlichen Sex) und gewalttätige Verbalangriffe auf den Gegner.
Der gemeine, nicht alt werden wollende Bildungsbürger rezipiert solcherlei fasziniert, verbrämt seinen Spaß an dieser Kunstform aber politisch korrekt, in dem er fortwährend analytisch darüber spricht. Rapper übertreiben doch bewusst, das ist doch alles ironisch zu verstehen, etc. pp.
Diese intelektuelle Distanzierung liegt unter anderem darin begründet, dass der brave Bohèmien die echte Straße gar nicht aushalten würde, sie aber gleichzeitig für die eigene Ich-Konstruktion in Anspruch nimmt. Denn was wäre eine individualistische Biographie bei den sowohl gutsituierten als auch libertär gesinnten Neubürgerlichen ohne einen Verweiß auf die eigene verwegene Jugend und damit letztlich irgendeine Form der Streetcredibility? Nichts.
Und so wie der Bildungsbürger durch ihre Begeisterung für Streetart diese letztlich mit in die Galerien treibt, wo diese dann von den sogenannten „Reichen“ (die er heimlich beneidet, obwohl deren ökologischer Fußabdruck indiskutabel schlimm ist und in Russland Menschenrechte mit Füßen getreten werden) gekauft wird, so fängt er irgendwann auch an, nur noch Musik zu hören, die irgendwie Bezug zur Straße behauptet und gleichzeitig schick ist.

Dies kann dem Bildungsbürger vorgeworfen werden. Dafür kann er gedisst werden, der alte Spießer. Aber dann bitte so, dass es ihn direkt betrifft. So, dass es weh tut:

Fox
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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

hanebuechen

schreibts halt die texte nich gar so pseudointellektuell, sondern lieber mit richtiger rechtschreibung/grammatik; dann haben wir alle mehr spaß beim dissen…

Gepostet von hanebuechen am 23. April 2009 um 09:04.
bjoerngrau

Roland: Zielgruppenbeobachtung vielleicht? Ich hab keine Ahnung, das müssten wir den Autor fragen.

hanebuechen: Pseudointelektuell wie bildungsbürgerlich. Ich kann nicht über meinen besserwisserischen Schatten springen. Korrekturlesen könnte ich aber eigentlich. Sollte ich auch. Fehlte die Zeit gestern. Nicht gut, sorry.

Gepostet von bjoerngrau am 23. April 2009 um 17:44.