Der heutige Tweet beweist einmal mehr, dass Kulturkritik eben doch auch in Kurznachrichtenform möglich ist. Sicher, 140 Zeichen reichen nur sehr bedingt aus, um eine Sache dialektisch zu behandeln. Die Begrenzung bringt es mit sich, daß tiefsinnigen Tweets immer etwas elitäres anhaftet. Denn ihr Tiefsinn wird höchstens in ausufernden und bildungsbürgerlich besserwisserischen Twitkrits erhellt. Am Tweet selbst erkennt den Gehalt nur, wer über Wissen zu dem Thema verfügt, das der Tweet pointiert aufnimmt.

Heute haben wir einen solchen Tweet, er berichtet uns in philosophisch klarer Nüchternheit vom Zustand einer Schreibkultur, die zerrieben wird zwischen Regel und Gebrauch:

dasdassdaß
[Link]

Die Abschaffung des “daß” zur sogenannten Rechtschreibreform hat zwar einen international nicht anschlussfähigen Buchstaben aus der Reihe der Konjunktionen verbannt, der semantische Unterschied zwischen den in Schriftbild und Intonation sehr ähnlichen (neuerdings) “dass” (Konjunktion) und “das” (Relativpronomen) bleibt aber bestehen. Und wie nicht repräsentative Beobachtungen von mir bekannten Dozenten der Germanistik, gewonnen bei der Korrektur von studentischen Hausarbeiten, zeigen, ist die Verwechslungsgefahr von “das” und “dass” spürbar größer, als die von “das” und “daß”.

Dem Kla4spieler scheint dies offensichtlich auch aufgefallen zu sein und so prophezeit er uns den Einheitsbrei von Pronomen und Konjunktion mit einfachem s. Doch statt ein konservativ-kulturpessimistisches Pamphlet zum Untergang des Abendlandes am Beispiel der deutschen Sprache in der FAZ zu veröffentlichen, sagt er uns wertfrei, wie es sein wird, und verdichtet das Problem zu einem kleinen schriftsprachlichen Kunstwerk.
So scheint etwas Schönes aus dem Untergang, der wohl auch nur ein Wandel ist.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

drikkes

Schick. Ich twittere ja nur in alter Rechtschreibung. Und schreibe vom iPhone aus “sz” statt “ss”, wo eigentlich “ß” stehen mueszte.

Gepostet von drikkes am 08. April 2009 um 14:41.
RegineH

Da ist’s im Schwäbischen doch klarer, weil das “das” mit langem A, also quasi “daas”, ausgesprochen wird. Während das “daß” kurz und knackig intoniert wird. Verwechslungsgefahr zwischen “das” und “dass” dürfte damit auch minimiert werden.
Ausgesprochen klare Sache.

Gepostet von RegineH am 08. April 2009 um 14:56.
real68er

Noch einfacher ist es im Brandenburgischen, wo statt des “dass” ein “damit” gesprochen wird. (“Ich hörte, damit es heute regnen soll.”) Die Regel für’s Diktat lautet da: Wenn Du statt des “dass” ein “damit” sprechen würdest, dann ist es ein “dass” mit Doppel-s.

Gepostet von real68er am 08. April 2009 um 16:45.
lady-kinkling

Ich schreibe ebenfalls ausschließlich in alter Rechtschreibung und bin im Übrigen guter Hoffnung die Zukunft des “dass” betreffend.

Gepostet von lady-kinkling am 08. April 2009 um 20:17.