Ohne Frage ist es in den vergangenen beiden Jahren im Netz zu einer Verlagerung der Aufmerksamkeit von Blogs hin zu Twitter gekommen. Wenngleich auch Blogs von Twitternutzern immer noch wahrgenommen werden, sonst – Achtung jetzt kommt ein wunderbarer Konjunktiv II! – läset Ihr dies nicht ;-) , ist eine zweiseitige Vernachlässigung zu konstatieren. Wieso zweiseitig? Die moderne Microblogging-Forschung unterscheidet hier zwei Phänomene, die in ihrer extremen Auswirkung sogar in medialer Blogentsagung kulminieren können:

1. Vernachlässigung auf Seiten der Text-Produzenten:
Ein großer Teil der Zeit, der ins Zwitschern investiert wird, geht für die Blogtextgenerierung verloren. Was früher kurz gebloggt wurde, wird jetzt rasch getwittert (geht aber schlimmstenfalls im rasch dahinfließenden Twitter-Strom unter). Der Zeitknappheit geschuldet werden weniger ausführliche Blogartikel verfasst, sondern kurze Befindlichkeits- und Statement-Tweets abgesetzt.

2. Vernachlässigung auf Seiten der Text-Rezipienten:
Während früher Pausen im Tages- oder Nachtverlauf für eine kurze Runde durch die Lieblingsblogs oder einen feedreduzierenden Abstecher in den RSS-Reader getätigt wurden, schauen immer mehr Mitglieder der Webciety mal eben auf Twitter nach, was dort gerade so abgeht. Und da ist ja – je nach Anzahl der subskribierten Twitterautoren (s. 1.) mehr oder weniger – immer was los. Je länger und lieber die Menschen im Microbloggingbereich verbleiben, desto weniger bleibt fürs Makroblogging über.

Man mag (und muss) dies (wohl) als Fakt akzeptieren. Viele – wozu sich auch der Autor dieser Zeilen zählt – haben für sich einen annehmbaren Kompromiss gefunden, sich nicht zwischen dem kurzen, manchmal mobilen, und meist effektiven Twittern und dem mehr auf Persistenz und In-die-Tiefe-Gehen von Blogs zu verlieren. Viele wissen auch, dass, wenn sie Blogs vernachlässigen, ihnen da irgendetwas fehlt. Das sind dann die Momente, in denen man sich fragt «Was ist eigentlich aus dem Blog von … geworden?». So wie in der STERN-Rubrik «Was macht eigentlich…?».

Aber seien wir mal ehrlich: Ist ein prägnanter Unter-140-Zeichen-Tweet manchmal nicht wesentlich geeigneter als ein mittellanger Blogartikel, der – ob fehlender Zeichenbegrenzung gerne auch mal wortschwülstig – im Pseudokleidchen einer wissenschaftlichen Abhandlung daherkommt? Bestes konkretes Beispiel: man vergleiche diesen Blogartikel mit folgendem Tweet von @mathiasrichel:

mathiasrichel

[LINK]

;-)

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

eliterator

Ich hoffe, dass diese düstere Prophezeiung nicht Wirklichkeit wird, oder ist es tatsächlich schon so, dass alle nur noch twittern..Ich bin dem Twitter-Fieber noch nicht verfallen, aber kommt ja vielleicht noch..

Gepostet von eliterator am 15. März 2009 um 17:19.