Twitkrit

Relevanz und Verschrottung

Verschrottung
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Sie sagen ja gern,Twitter wäre nicht relevant, das sei nur das gelangweilte und langweilende Gewäsch von Leuten mit zu viel Zeit. Ist ja auch nicht völlig von der Hand zu weisen, aber nur eine Facette im Mosaik des Twitterversums. Tweets können alles sein.
Vor allem schnell. Meinetwegen verbreiten sich Neuigkeiten auf Twitter schneller als irgend sonst, aber ist es wichtig ob ich in wenigen Minuten statt nach langen Stunden weiß, dass notwassernde Flugzeuge im Hudsonriver rumdümpeln? Schnelligkeit ersetzt keine Recherche und die News nicht die Hintergrundberichterstattung und die tiefgründige Aufbereitung eines Themas.
Da ist auch was dran. Nur braucht es nicht immer ellenlange Leitartikel, 90minütige Reportagen oder Kommentare vom Umfang einer Sonntagspredigt, um wirklich relevant, hintergründig und politisch zu sein. Das geht auch in bis zu 140 Zeichen. Michael Mayer entlarvt mit obigem Tweet in präzisester Kürze die große Wende der Bundesregierung unter Angela Merkel vom angeblichen globalen Vorreiter im Klimaschutz zur Wirtschaftskrisenmanagerin für die vorgestrigen Industrien des (west)deutschen Wirtschaftswunders. Mehr braucht es nicht, um auf diese Kurzsichtigkeit des zweiten Konjunkturpakets namens Verschrottungsprämie aufmerksam zu machen.

Oh heiligs Blechle!

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Tapete

Als ich anfing, die damals noch endlichen Weiten des Webs zu durchstreifen (man nannte das damals „surfen“), waren Websites noch tapeziert. Die Grundlage jeder Website war das „Wallpaper“, jener bunt gescheckter Farb- und Mustermix an Geschmacklosigkeit, der aus den Häusern bereits nach dem Bidermeier vertrieben wurde. Er feierte seine Auferstehung im Web.

Es ist eben so. Wenn man einen neuen Raum ästhetisch ausfüllen muss, dann experimentiert man naturgemäß mit Formen, Farben und Konzepten, die in der bisherigen Welt eine gewisse Prägung hatten. Und während uns die Betriebssystemhersteller einen „Schreibtisch“ vor’s Gesicht stellten, waren es im Web eben die Tapeten.

Wie wir alle Aufgeatmet haben, als mit den Frames dann auch die Wallpapers verschwanden. Das Netz schien auf einem guten Weg zu sein, ästhetisch. Ende der Neunziger überschlugen sich dann die Websites gar mit dieser milleniumesken Überäthetisierung, vor allem wegen Flash. Skeptisch fragte man sich, ob dies nicht jetzt etwas zu viel des guten sei.

Aber dann kam Myspace. Alles was man bis dahin an Hässlichkeit kannte, wurde in den dunkelsten Schatten gestellt. Pink quitschige Dusselschrift auf Braungrünen Tapeten, gepaart mit chromglänzenden Airbrushphanasien waren keine Einzelfälle. Dazu die jeweiligen Stileinlagen der „Freunde“ im Gästebuch. Je lauter, je doller. Man kann eigentlich nur dankbar sein, dass das mitgelieferte Blog nie wirklich benutzt wurde.

Myspace‘ Zeiten sind nun aber digitaläquivalentähnlich lange vorbei, wie das Bidermeier in der Echtzeit. Und doch lebt es, wie sein Vorbild, fort. Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass die Geschmackslosigkeitswellen diesmal in die andere Richtung brechen. Und @wondergirl bricht mit ihnen:

wondergirl
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Rat oder Wahrheit?

Früher, als alles noch besser war. Früher, als die Männer noch die starke Schulter zum Ausheulen boten. Früher, als Männerschweiss noch nach echter Arbeit roch. Früher, als Männer noch das Sagen hatten aber nichts zu sagen brauchten. Als „Ein Mann, ein Wort“ noch etwas galt. @fehnman hat freundlicherweise einen solchen antiquirten Dialog exklusiv für twitkrit dokumentiert.

fehnmann

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Ja. Damals. Vor der Revolution.

Heute sind wir alle so unglaublich gleichberechtigt, dass Männer mit dem quantitativen Wortausstoß einer Frau gleichziehen müssen. Wer nicht redet verliert Männlichkeitspunkte. @riot36, Rebellin erster Ordnung, hat daher ein längst überholtes Sprichwort modernisiert:

riot36

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Männer, redet endlich mehr mit uns! Wir werden erst dann wieder eure Schulter in Anspruch nehmen, wenn wir ausführlich über die letzte Desperate Housewifes Folge diskutiert, unsere Favoriten-Tipps für DSDS, GNTM, BSF und IBESHMHR ausgetauscht haben und ihr auch mal unser Aprikosen Rasiergel ausprobiert habt. Es ist allerdings schon mal beruhigend zu wissen, dass diesen Tweet bisher ausschließlich Männer gefaved haben.

Die restlichen Vertreter diesen Geschlechtes können natürlich auch auf diverse unveröffentliche Ratgeber zurückgreifen:

antilobo 1

bereits unvergriffen:

antilobo 2

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饭否 | 迷你博客 随时随地发消息

———— Special: Twitkrittwitterklonthemenwoche (TTKTW) ————–

Dies ist eine Sonderausgabe im doppelten Sinne. So ist handelt es sich bei dem folgenden Artikel nicht nur um einen Beitrag zur Twitterklonthemenwoche (TTKTW), sondern gleichzeitig auch noch um einen Gastbeitrag des Kings of Katzen-Content, @svensonsan. Er widmet sich heute dem chinesischen Klon FanFou. Leider ist unser Blog nicht in der Lage, alle chinesischen Schriftzeichen korrekt darzustellen. Das macht aber nichts, da vermutlich ohnehin keiner unser Leser in der Lage ist, diese zu verstehen.

Das Original-Twitter ist ganz nett (nett im Sinne von nett ist der
Bruder von Sch*****), aber die Chinesen machen Twitter irgendwie
anders.

In China gibt es gefühlte 800 Twitter-Klone, ich bin als svensonsan auf FanFou
vertreten.

Eine Webseite, die sich als Twitterkenner ganz wunderbar bedienen
lässt, sind doch alle Buttons und Funktionen eins zu eins kopiert und
fast immer so positioniert wie im Original Twitter.

Netterweise bietet Fanfou Funktionen, die Twitter selbst gar nicht hat.
Beispielsweise die

最近谁把我加为好友…

Keine Ahnung was es ist, aber das gibt es auf Twitter nicht. Scheint
nützlich zu sein, es wird einem gleich als erstes präsentiert.

Man hat auf Fanfou im Profil unter Setting deutlich, schlimm deutlich
mehr Möglichkeiten als auf Twitter.

Zusätzlich zu der von Twitter bekannten, leider nur 160 Zeichen langen
Bio, kann ich auf FanFou noch mein

性别
所在地
家乡(Das ist besonders hübsch, oder?)
eingeben.

Das sind so Sachen wie Geschlecht, Geburtsdatum, Provinz, Webseite,
dazu dann noch jede Menge Interessen wie Musik, Filme, Bücher, Sport,
Personen. Gibt es auf Twitter alles nicht.

Das war aber noch nicht alles.
Die haben auch viel mehr Möglichkeiten an irgendwelchen Flash und
Textlink-Dingern.
Das da heisst Badge: 图片插件
Wusste ich bis eben auch nicht, ich weiß ja ehrlich gesagt bis heute
noch nicht, was Badge auf Deutsch eigentlich heisst.

Neben dem ganzen Stuss gibt es auf Fanfou viele Dinge, die man sich
sehr oft auch auf Twitter wünscht.

Auf Fanfou werden die Aufrufe eines Tweets angezeigt.
Zumindest ist da eine kleine Nummer die hochgezählt wird.
Kann man sich z. B. auf dem Profil von diesem Tweet von
泓猫仙er
sehen.
Das geht auf Twitter nur mit der Firefoxextension Powertwitter –
FanFou kann das von Haus aus.

Fanfoou fetzt.
Ganz großes Kino mit ganz schlimm vielen Zeichen, die ich nicht verstehe.

Wenn Twitter auch irgendwann einmal so werden sollte, haben wir noch Spaß.

Ich halte fest:
Fan Fou kann viel mehr als Twitter.
Deutlich mehr Funktionen, Features und Daddelkram, die ich auch auf
Twitter sehen will.

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Die traurigen Dienste – oder: Sag’s mit Twitsay

———— Special: Twitkrittwitterklonthemenwoche (TTKTW) ————–
mehr zur TTKTW

Selbstverständlich möchten wir uns in dieser Sonderwoche nicht nur den Klonen widmen, sondern auch den vielen kleinen Diensten, die das Leben auf Twitter lebenswerter machen, denn sie sind es schließlich, die Musik, Photos, Bewegtbilder und auch das gesprochene Wort in unsere Timelines bringen.

Aber nicht alle Dienste erfreuen sich auf Himmel und Erden so großer Beliebtheit wie z. B. Twitpic. Ein weitaus traurigeres Dasein fristet Twitsay, denn dieser Dienst wird kaum genutzt. Seit seiner Gründung vor etwas mehr als anderthalb Jahren wurden nur knapp 600 der maximal 10 Sekunden langen Sprachnachrichten auf diese Weise in die Welt gesendet.

@pickiHH und @bosch haben anlässlich der Twitkrit-Themenwoche keine Kosten und Mühen gescheut, um ihre eigenen Worte und Gedanken zu diesem Dienst in kurzen Sprachnachrichten zu verewigen. Um das unverwechselbare Twitsay-Gefühl besser zu transportieren (und weil der Autor dieses Artikels aufgrund seines technischen Unvermögens nicht dazu in der Lage war), haben wir uns entschlossen, die kurzen Twitsays nicht direkt als MP3s in diesen Beitrag einzubinden, sondern verweisen auf das Original:

http://twitsay.com/3q7cpi

http://twitsay.com/411nt7

http://twitsay.com/y305qa

http://twitsay.com/rylnn3

Mehr muss zu Twitsay nicht gesagt werden. Wer sich auf die Suche nach den Outtakes zu diesem Dialog machen möchte, hat gute Chancen – allzu viele Twitkrits dürften seit unseren Aufnahmen noch nicht gefolgt sein.

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Wie der Gesang von Vögeln

———— Special: Twitkrittwitterklonthemenwoche (TTKTW) ————–
mehr zur TTKTW

Eigentlich könnte Twitter auch Gaggle heißen. Da wäre dann für mein Sprachgefühl mehr Geschnatter als Gezwitscher gemeint (auch wenn Twitter durchaus Geschnatter bedeuten kann). Und Geschnatter passt für mich besser auf das, was ist, wenn kein Fehlerwal herrscht. Denn Zwitschern hat so etwas von Melodie, von Musik.
Die Musik aber kommt im Twitterversum als Piepsen daher. Und auch, wenn blip.fm für seinen Namen den Preis für das Ernten des naheliegenden Wortfelds bekommt, eigentlich ist Pieps ein unpassender Name für den musikalischen Twitterklon. Nur, Chirp ist leider schon an ein anderes soziales Netzwerk vergeben.
Auch sonst ist nicht alles Gold, was an Schallplatten glänzt. Oder so. Denn Blips beschränken sich nicht auf 140 Zeichen. Ein Blip besteht aus dem Link zu einem Song, Titel von Song und Interpretenname PLUS 150 Zeichen. Da wird die hoche Kunst der brevitas des Tweets massiv mit der fragwürdigen Kunst der amplificatio konfrontiert, wie wir Rhetoriker sagen. Vielleicht braucht es für die Mischung aus Musik und Kurznachricht einfach eine gewisse barocke Fülle. Vielleicht ist das aber auch einfach zu viel. Zumindest bei der Einbettung in Twitter gibt es massive Probleme. Irgendwas muss gekürzt werden beim Import. Blöderweise fällt immer die Songkennung weg. Das kann nerven.

Aber andererseits: Blip macht einen ja wirklich zu so einer Art DJ on selfdemand oder zum Gotthilf Fischer der Online-Love-Parade. Wie wir früher ohne Internet unsere Freizeit mit Vögeln Wandern, äh, als Wandervögel verbrachten, hatte immer einer ein feuriges Liedel auf den Lippen und so trällerten wir uns durch die blauen Berge. Nun, auf der Flucht vor dem Bluescreen, in unseren virtuellen Zusammenkünften, war es bisher umständlich, eine Melodei anzustimmen. Nun aber suchen wir flugs einen passenden Song und blippen, wie wir einstmals sangen (Blippen/Lied auf den Lippen… kein international anschlussfähiger Claim, aber hey).
Man müsste eine wasserfeste Blip-Application für die Dusche ersinnen, dann wäre das Singen der vorvirtuellen Welt rundherum im Hier und Jetzt abgebildet. Denn auch die musikalischen Peinlichkeiten bei der Einkehr nach der Wanderung bleiben dem blippenden Sängerknaben nicht erspart:

blips
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Nachtrag: Übers Zwitschern Piepsen geht natürlich auch, siehe hier:
Tweeties

*Die Überschrift ist von diesem Artikel, der gar nichts mit dem Artikel hier zu tun hat, geklaut.*

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